Brasilien

Zico fordert Reform: „Bei null anfangen“

Zico fordert eine grundlegende Reform des brasilianischen Fußballs nach Vorbild von Weltmeister Deutschland. „Es ist Zeit, die Sandalen der Demut anzuziehen und bei null anzufangen“, sagte der 61-Jährige der „Sport Bild“. „Ich höre nur, dass es eine Panne war, dass es egal ist, im Halbfinale gegen Deutschland mit einem oder sieben Gegentoren zu verlieren. Aber das ist so nicht akzeptabel.“ Man könne nicht länger verbergen, dass sich „viele Dinge ändern müssen“.

Zico, der momentan als Trainer in Katar beim al-Gharafa Sports Club arbeitet, empfiehlt dem brasilianischen Verband CBF, sich an Deutschland zu orientieren. Dort wurde nach dem Debakel bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden das Ausbildungssystem komplett reformiert. „Wir müssen die Ausbildung unserer Spieler überdenken“, sagte Zico. „Man muss vorrangig an den Talenten arbeiten.“

Verband bestätigt Trennung von Coach Scolari

Luiz Felipe Scolari ist nicht mehr brasilianischer Nationaltrainer. Der nationale Fußballverband CBF gab am Montagabend offiziell das Ende der Zusammenarbeit bekannt.

Der 65-Jährige hatte nach dem schlechten Abschneiden bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land seinen Rücktritt eingereicht. Diesen akzeptierte der Verband nun wie erwartet. Scolaris Vertrag hätte nach der WM ohnehin geendet.

Der WM-Gastgeber hatte sich zuletzt mit dem 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland und mit dem 0:3 gegen die Niederlande im Spiel um Platz drei blamiert. Der angepeilte sechste WM-Titel wurde verpasst.

Deutschland

DFB „total sicher“: Löw macht bis 2016 weiter

Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es keinerlei Zweifel mehr, dass Weltmeistertrainer Joachim Löw weiter als Bundestrainer arbeiten wird. „Wir sind total sicher. Der Präsident hat es gesagt, ich sage es auch: Wir sind total sicher, dass unser Ding noch nicht zu Ende ist“, sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock am Dienstag der dpa.

Die Chefs des Weltmeisterverbandes gehen davon aus, dass Löw auch am 3. September zum Start in die neue Länderspielsaison gegen Argentinien die deutsche Nationalelf betreuen wird. Löw selbst hatte sich beim Empfang auf der Berliner Fanmeile nicht zu seiner Zukunft geäußert.

Argentinien

Verband will Sabella mindestens bis 2015 halten

Der argentinische Fußballverband (AFA) will Teamchef Alejandro Sabella Medienberichten zufolge mindestens bis 2015 halten. Damit könnte es auch beim Länderspiel am 3. September in Düsseldorf gegen Weltmeister Deutschland zu einem Wiedersehen mit dem 59-Jährigen kommen. „Die Absicht der AFA ist es, wenigstens bis zur Copa America mit ihm weiterzuarbeiten“, schrieb die Zeitung „La Nacion“ am Dienstag.

Man werde versuchen, Sabella in den kommenden Wochen zu überzeugen. 2015 findet in Chile die Copa America statt. Vier Jahre nach dem vorzeitigen Aus im eigenen Land hat die Mannschaft um Kapitän Lionel Messi bei der Südamerikameisterschaft noch etwas gutzumachen. Sabella hatte damals nach dem Scheitern von Sergio Batista das Amt übernommen und seine Arbeit voll auf die WM in Brasilien ausgerichtet.

Angst um Sicherheit - Lavezzi erklärt Feierabsage

Während in Deutschland der große Empfang für die Weltmeistermannschaft in Berlin am Dienstag über die Bühne geht, gab es im Land des Vizeweltmeisters gar keine Willkommensfeier. Argentiniens Team hat aus Sicherheitsgründen auf die geplante Willkommensfeier mit den Fans am Obelisken in der Hauptstadt Buenos Aires verzichtet.

Das erklärte Angreifer Ezequiel Lavezzi in einer Nachricht via Facebook den Anhängern des WM-Zweiten. Nach den Ausschreitungen, die es dort am Sonntag nach der 0:1-Niederlage im Finale gegen Deutschland gegeben hatte, habe „niemand weder unsere Sicherheit noch die der Leute, die sich dort versammelten“, garantieren können, schrieb Lavezzi.

Die Mannschaft habe daher niemanden einer körperlichen Gefahr aussetzen wollen, erklärte der Angreifer unter einem Foto mit Kapitän Lionel Messi, Mittelfeldchef Javier Mascherano und Angel di Maria. Das gesamte Team war am Montag von der WM in Brasilien nach Argentinien zurückgekehrt und von Staatschefin Cristina Fernandez de Kirchner empfangen worden. Die danach vorgesehene Feier mit den Fans am Obelisken war kurzfristig abgesagt worden.

Messi bedankt sich beim Team: Müssen stolz sein

Kapitän Lionel Messi hat sich bei seiner Mannschaft für den „grenzenlosen“ Einsatz bei der Weltmeisterschaft bedankt. „Argentinien hat wieder ein WM-Finale erreicht und unser Land dahin gebracht, wo es hingehört“, schrieb der 27-Jährige am Dienstag bei „Facebook“. Zuvor waren er und seine Vizeweltmeister-Mannschaft in Buenos Aires von Staatschefin Cristina Fernandez de Kirchner empfangen worden. „Wir sind alle sehr traurig, aber wir müssen auch stolz sein“, schrieb Messi.

Die Argentinier hatten das Endspiel am Sonntag in Rio de Janeiro mit 0:1 nach Verlängerung durch einen Treffer von Mario Götze in der 113. Minute gegen Deutschland verloren. Es war das erste Mal seit 1990, dass die Südamerikaner wieder in einem WM-Finale standen. Der letzte Titel von 1986 liegt 28 Jahre zurück. Erstmals war Argentinien 1978 Weltmeister geworden.

Splitter

Argentinien schenkt Papst handsigniertes Trikot

Papst Franziskus darf sich auf ein handsigniertes Trikot von Vizeweltmeister Argentinien freuen. Mit einem Lächeln präsentierten Kapitän Lionel Messi und Maxi Rodriguez am Mittwoch bei Twitter ein himmelblau und weiß gestreiftes Shirt mit der Nummer elf. „Das ist das Geschenk unserer Mannschaft an unseren Papst Franziskus“, erklärte Rodriguez.

Das argentinische Oberhaupt der katholischen Kirche ist Fußball-Anhänger. Ein Foto von einer Audienz der Mannschaft beim Papst war in riesigem Format im WM-Camp der Südamerikaner im brasilianischen in Belo Horizonte gehangen.

Argentinier nach deutschem „Gaucho-Tanz“ empört

Der „Gaucho-Tanz“ beim Empfang der deutschen Weltmeister am Dienstag erhitzt weiter die Gemüter. Der bekannte argentinische Sportjournalist Victor Hugo Morales nannte die sechs Tänzer in seiner Sendung beim Radiosender Continental de Buenos Aires in ihrem Verhalten und ihrer Denkweise „ekelhafte Nazis“. Die argentinische Sportzeitung „Ole“ bezeichnete die Szene als „polemisch“.

Miroslav Klose, Andre Schürrle, Shkodran Mustafi, Mario Götze, Roman Weidenfeller und Toni Kroos liefen bei der offiziellen DFB-Siegesfeier am Brandenburger Tor in Berlin zunächst tief gebückt auf die Bühne und sangen in Anspielung auf den Finalgegner Argentinien: „So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so.“ Daraufhin richteten sie sich auf - mit den Worten: „So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so.“ Unter dem Beifall von Hunderttausenden Anhängern wiederholten die Spieler die Tanzeinlage mehrmals.

Auch etliche deutsche Medien kritisierten den Scherz der sechs Nationalspieler. So war unter anderem von einer „Schnapsidee“ („Welt“, Onlineausgabe) zu lesen, Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung („FAZ“, Onlineausgabe) nannte den Vorfall eine „üble Persiflage“. Unter dem Hashtag „#gauchogate“ verteidigten viele Twitter-Nutzer dagegen die Spieler und regten sich über die öffentliche Entrüstung auf.

DJ Ötzi sang „Ein Stern“ zu Ehren des DFB-Teams neu ein

Der österreichische Sänger DJ Ötzi stellte sich mit einem Geschenk an das DFB-Weltmeisterteam ein: Der 43-Jährige sang seinen Nummer-eins-Hit „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ in den Berliner Hansa-Studios mit dem Titel „Ein Stern, der Jogis Namen trägt“ neu ein. Des Bundestrainers Taktik und der Teamgeist der Mannschaft waren für DJ Ötzi ein perfektes Zusammenspiel.

„Das Finale habe ich am Sonntag mit meinen Freunden verfolgt, gebangt, gelitten und schließlich gejubelt. Und dabei kam mir dann auch die Idee des Textes“, so DJ Ötzi zur „Bild“-Zeitung. Auf die Frage, warum er sich als Österreicher so für Deutschland freut? Ötzi: „Ich bin ein totaler Fußballfan, und nachdem Österreich nicht dabei ist, gehört mein Herz der deutschen Mannschaft.“

FIFA

Untersuchung zur WM-Vergabe an Katar noch nicht beendet

Die Untersuchung von FIFA-Chefermittler Michael Garcia zur Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar ist nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“, Mittwoch-Ausgabe) noch nicht abgeschlossen. Das Blatt zitierte den Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, mit den Worten: „Ich habe noch nichts von ihm bekommen.“

Erst nach Vorlage eines Berichts von Garcia könnte der deutsche Jurist Verstöße gegen den Ethikkodex in einem Verfahren ahnden. Wenn er die Ermittlungsergebnisse erhielte, könnte seine Prüfung nochmals sechs Wochen oder länger dauern, sagte Eckert der „FAZ“. Damit könnte sich die Angelegenheit bis in den Herbst hinziehen.

Unterdessen machen sich die Katarer weiter für einen WM-Termin im Sommer stark. Risiken für die Spieler aufgrund der Hitze sehe er „absolut nicht“, sagte der Kommunikationschef des katarischen WM-Organisationskomitees, Nasser al-Khater, der Zeitung. Versuche mit einem klimatisierten Trainingsplatz seien bereits positiv verlaufen. „Wir werden die Grenzen dieser Technologie weiter ausloten, um die effizienteste und umweltfreundlichste Kühltechnik nicht nur für unsere WM in Katar, sondern auch für Länder mit ähnlichen Temperaturen zu finden“, sagte er.