Zuerst Deutschland und dann Europa
Zum Auftakt warten in Frankfurt/Main mit den Deutschen gleich der Gastgeber und ein Schlüsselspiel. „Wenn wir gegen Deutschland gewinnen, ist im Laufe des Turniers noch alles möglich“, so AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck. „Sollten wir verlieren, müssen wir gegen Finnland unbedingt gewinnen, um unser Ziel zu erreichen.“ Das lautet, sich mit Rang drei auch sportlich für die Heim-WM 2011 zu qualifizieren - als Veranstalter ist man ohnehin dabei.
Langer Erfolgslauf soll weitergehen
Gegen den damals regierenden Europameister Schweden hat Österreich vor vier Jahren das „Comebackspiel“ mit 14:19 verloren, zuvor hatte es von 2001 bis 2006 kein Nationalteam gegeben. Seither wurde im heimischen Amateur-Sport American Football aber professionell und vor allem erfolgreich gearbeitet. Die C-EM 2007 und B-EM 2009 (beide Turniere in Wolfsberg) waren auf dem Weg in die Top Sechs Europas nur Zwischenstationen, mit der EM in Hessen und vor allem der Heim-WM 2011 warten echte Highlights als wohlverdienter Lohn.
Ein Länderspiel gegen Deutschland gab es bisher zwar nicht, dafür aber als gutes Omen eine Juniorenpartie, die Österreich knapp gewann. Unter Headcoach Rick Rhoades, der auch Trainer der Graz Giants ist, bereitete sich die AFBÖ-Truppe seit 14. Juli im Teamtrainingslager in Innsbruck mit 45 Spielern auf den Großevent in Deutschland vor. Vor der ersten großen Bewährungsprobe ist Rhoades, dem sechs weitere Betreuer (darunter zwei Österreicher) zur Seite stehen, vorsichtig optimistisch.
„Ja, sie sind groß“
Von den Deutschen hat der US-Amerikaner Videos gesehen, in welchen der Auftaktgegner einen sehr starken Eindruck auf ihn machte. Im Schnitt ist die deutsche Mannschaft um sechs Zentimeter größer und um sechs Kilogramm schwerer. „Wir werden sehen, ob das rot-weiß-rote Herz gegen die sechs Kilogramm mehr bestehen kann“, meinte dazu Verbandsboss Eschlböck augenzwinkernd.
„Ja, sie sind groß. Ja, sie sind stark. Und sie sind so gut, wie alle sagen“, analysierte wiederum Rhoades. „Im Video haben wir gesehen, dass sie auf jeder Position Spieler haben, die genau wissen, was sie machen. Es wird keine leichte Aufgabe, aber wir werden uns vor den Deutschen nicht verstecken.“ Rhoades, der seit 41 Jahren als Coach tätig ist, betonte auch seinen Stolz auf die österreichische Mannschaft.
Quarterback Gross brennt auf „Revanche“
„Ich war noch nie so stolz auf ein Team. Das ist das einzig wirkliche Amateurteam der Welt, das aber auf einem Level spielt, der unglaublich ist“, so der Amerikaner. „Wir spielen ‚Austrian Football‘, und nächstes Jahr bei der WM wollen wir der ganzen Welt zeigen, wie stark ‚Austrian Football‘ ist.“
Auch Quarterback Christoph Gross brennt auf die EM, gerade das Auftaktspiel ist für den gebürtigen Burgenländer und Vienna-Vikings-Spieler eine Art Revanche. Denn mit seinem Club verlor der Student (Sportgerätetechnik) zuletzt das Finale um die Euro-Bowl knapp gegen die Berliner Adler. „In diesem Team zu sein, ist einfach lässig, die Stimmung, einfach alles passt“, freut sich der 22-jährige Youngster auf die Herausforderung.
Leidenschaft auch ohne Geld
„Früher interessierte österreichische Spieler das Nationalteam nicht“, erinnert sich AFBÖ-Präsident Eschlblöck. „Wir haben dann 2006 ein neues Team um Junioren aufgebaut, die nun im richtigen Alter sind. Jetzt brennen alle Spieler darauf, auch wenn sie nicht einmal eine Aufwandsentschädigung bekommen, beim Team zu sein.“ Dass sich das Team auch bei den Fans großer Beliebtheit erfreut, zeigte die Kartenvorbestellung für die EM. 650 Fans wollen Gross und Kollegen in Frankfurt unterstützen.
Vor dem Prestigeduell gab es dann auch noch eine satte Kampfansage des deutschen Quarterbacks Joachim Ullrich: „Wir haben in den letzten Jahren leider nicht gegen Österreich gespielt. Aber in den vergangenen Wochen haben sie ihre Klappe ganz schön aufgerissen. Sie glauben, weil ihre Teams in den letzten Jahren den Eurobowl dominiert haben, würde das auch bei der EM so sein. Aber wir werden ihnen zeigen, dass Verein und Nationalmannschaft verschiedene Dinge sind.“