Radsport: Für Armstrong kommt es faustdick

Die Saison hat Lance Armstrong mit der Tour de France am Sonntag beendet, doch im Rennen um die Aufklärung seiner sportlichen Vergangenheit bleibt der 38-Jährige gefordert. Im Zuge der Betrugsermittlungen forderten die US-Behörden nun Beweismaterial eines Rechtsstreits aus dem Jahr 2004 ein.

Damals hatte sich die Versicherung SCA Promotions geweigert, dem hochdotierten US-Radrofi versprochene Preisgelder zu zahlen, weil er des Dopings verdächtigt wurde. Armstrong klagte und bekam rund sechs Millionen Euro zugesprochen. Die Unterlagen aus jenem Fall sollen nun erneut unter die Lupe genommen werden.

Aussage gegen Aussage

Der damalige Anwalt von SCA, Jeffrey Tillotson, teilte mit, dass seine Kanzlei die geforderten Dokumente aushändigen werde. In den Akten befinden sich unter anderem die Protokolle der Aussagen des früheren Tour-Siegers Greg LeMond, der Armstrong auch gegenwärtig schwer belastet. Daneben hatten 2004 Armstrongs früherer Teamkollege Frankie Andreu und dessen Frau ausgesagt, vom Texaner im Jahr 1996 in einem Krankenhaus persönlich erfahren zu haben, dass er gedopt hätte.

Öffentlich hatte Armstrong Doping stets bestritten. Allerdings geriet er in den vergangenen Wochen immer mehr unter Druck - ausgelöst von der Dopingbeichte und schweren Vorwürfen seines früheren Weggefährten Floyd Landis. Dieser beschuldigte Armstrong und dessen langjährigen Teamchef Johann Bruyneel, im US-Postal-Team flächendeckendes Doping betrieben zu haben. Das will nun auch Tyler Hamilton zu Protokoll geben, der von 1998 bis 2001 an drei Tour-Siegen des Texaners beteiligt war.

Schicksal wie Jones?

Mögliche Dopingvergehen könnte Armstrong mutmaßlich mit Steuergeldern finanziert haben. Chefermittler Jeff Novitzky hat dazu bereits mehrere Radprofis als Zeugen vor eine Grand Jury geladen. Armstrong selbst wurde nach eigenen Angaben noch nicht von Novitzky kontaktiert, sicherte sich derweil aber sicherheitshalber als Rechtsbeistand die Dienste des erfahrenen Strafverteidigers Bryan Daly. Novitzky hatte auch den Balco-Fall geleitet, in dem die Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones als Doperin entlarvt und wegen Meineides zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war.

Droht dem siebenfachen Gewinner der Tour ein ähnliches Schicksal? „Das wird ein hartes Rennen“, kommentierte Armstrong, „wir werden mit der stärksten Mannschaft antreten, und am Ende wird es ein faires Rennen sein, heute ist es das noch nicht. Ich werde die Chance haben, meinen Standpunkt zu erläutern. Ich bin zu 100 Prozent zuversichtlich, wir werden alles sagen.“ Erst nach Anhörung aller Zeugen wird die Grand Jury entscheiden, ob Anklage erhoben wird.

„Dann wackelt die Bude“

Mit gemischten Gefühlen blickt der deutsche Dopingjäger Werner Franke auf die Ermittlungen. Allzu viel erwarte er sich von einem möglichen Prozess nicht, Vorbildcharakter für die gesamte Branche werde das Verfahren schon gar nicht haben. „Dennoch ist das alles endlich auf einem richtigen Weg“, meinte der Biologe. Vor allem auf einen Zeugen, der Novitzky vor die Grand Jury geladen worden war, ist Franke gespannt. „Wenn Tyler Hamilton aussagt, dann wackelt die Bude“, ist sich der Wissenschaftler sicher.

Link:

Zu diesem Thema