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„Meine beste Leistung bringen“

Das Selbstvertrauen von Vanessa Herzog vor ihren zweiten Olympischen Spielen ist groß: Nach Siegen im Weltcup und bei der EM zählt die Eisschnellläuferin in Pyeongchang auf den kürzeren Strecken zum engsten Favoritenkreis. „Ich kann am Start stehen und denken: Ich bin diejenige, die zu schlagen ist“, sagte die 22-jährige Tirolerin selbstbewusst.

Eingeplant hat Herzog im Olympiaoval in Gangneung drei Rennen. Auf ein Antreten am Montag über die 1.500 m verzichtete sie. „Die Trainings sind sehr gut verlaufen, aber ich war doch lange krank und habe deshalb zehn Trainingstage verloren“, erklärte Herzog im ORF-Interview. „Wir haben uns deshalb gegen einen Start entschieden.“

Vanessa Herzog

GEPA/Sputnik/Vladimir Pesnya

Bei der EM sicherte sich Herzog über 500 m die Goldmedaille

Am Mittwoch (11.00 Uhr) steht mit dem 1.000-m-Rennen der erste Höhepunkt der Sprint-Spezialistin auf dem Programm, ehe am Sonntag die 500 m folgen. „Über 1.000 Meter ist alles möglich, der volle Fokus liegt also auf dieser Strecke“, so Herzog, der aufgrund ihrer Körpergröße das dünne und harte Eis in Pyeongchang entgegenkomme. „Ich bin gut drauf und freue mich auf die Rennen.“ Den Abschluss bildet der Massenstart-Bewerb am vorletzten Tag der Winterspiele (24. Februar).

„Es schaut nicht so schlecht aus“

Das Wort Medaille nimmt die Tirolerin trotz der vorangegangenen Erfolge und der guten Zeiten bewusst nicht in den Mund. „Aber ich trainiere nicht jeden Tag so hart und will dann keine Medaille machen. Ich will einfach meine beste Leistung bringen. Und es schaut nicht so schlecht aus“, sagte Herzog, die bis zum Höchstleistungsalter in ihrem Sport noch fünf bis sechs Jahre Zeit hat.

Edelmetall ist für die ÖOC-Athletin vor allem über 1.000 m absolut in Reichweite. Dementsprechend zuversichtlich ist auch ihr Trainer und Ehemann Thomas Herzog „Zwischen Platz eins und sechs ist eigentlich alles möglich. Bei der 600-m-Marke wird sie sicher vorne dabei sein.“ Entscheidend werde die letzte Runde sein. „Es kommt darauf an, wie sie das Tempo halten kann.“

Rundenrekord im Training legt Latte hoch

Im Training präsentiert sich die frischgebackene 500-m-Europameisterin exzellent. Ihr Coach ist mit ihrem aktuellen Zustand höchst zufrieden. „Die Zeiten im Training sind sehr gut im Vergleich zur Konkurrenz.“ Am Samstag zauberte die Athletin eine Rundenzeit von 25,9 Sekunden auf das Eis im Gangneung Oval. „Das ist die schnellste Zeit, die ich jemals von ihr gestoppt habe“, so der Trainer.

Erfolgreich ist sie schon jetzt, bei der EM im Jänner im russischen Kolomna holte sie sich über 500 m Gold und lief auch noch zu Silber (1.000 m) und Bronze (Massenstart). Ihre Olympiapremiere absolvierte Herzog vor vier Jahren in Sotschi. Seither trägt sie auch die fünf Ringe als Tattoo. Das Debüt sei eine wertvolle Erfahrung gewesen, sagte sie. „Damals war ich überwältigt, wie groß das alles ist. Jetzt kenne ich das, und das hilft mir viel“, betonte Herzog.

Mit neuer Laufposition zum Erfolg

Der große Schritt mitten in die Weltspitze, den sie in dieser Saison gemacht hat, gelang auch dank einer Umstellung der Technik. „Wir haben geschaut, dass ich mit tieferer Position laufe, da kann ich mehr zu Seite abdrücken“, sagte die aktuelle Weltcup-Zweite über 500 m und Dritte über 1.000 m. „Ich bin nun vier, fünf Zentimeter tiefer, der Kniewinkel ist ungefähr bei 90 Grad. Das ist kräftezehrender. Man muss da die Kraft haben und auch die Ausdauer, das tausend Meter durchzuhalten.“

Zwei ihre größten Konkurrentinnen, unter ihnen die 500-m-Weltrekordlerin Nao Kodaira aus Japan, seien einen Kopf kleiner und rund 20 Kilogramm leichter, sagte die 1,75 m große Herzog. „Also muss ich das schon etwas kompensieren mit der Position.“

„Jetzt müssen sich die anderen anstrengen“

Die jüngsten Weltcup-Siege bei der Olympiageneralprobe in Erfurt - wenn auch in Abwesenheit der besten Asiatinnen - hätten ihrem Selbstvertrauen einen großen Schub verliehen, bestätigte Herzog gegenüber der APA: „Jetzt müssen sich die anderen anstrengen, dass sie mich putzen. Ich gehe zum Start hin und weiß, wenn alles passt, kann ich auch gewinnen, das ist einfach nur cool“, sagte die gebürtige Innsbruckerin, die in Kärnten wohnt.

Mit dem EM-Titel ist Herzog in die Fußstapfen von Emese Hunyady getreten. Bei deren Olympiasieg 1994 in Lillehammer war die am 4. Juli 1995 geborene Athletin noch gar nicht auf der Welt. Sie treffe Hunyady, die als Trainerin der jungen Schweizerinnen tätig ist, oft in Inzell, sagte Herzog. Den Goldlauf über 1.500 m und den anschließenden Walzer Hunyadys auf dem Eis habe sie auf Video gesehen. Kopieren würde sie das aber nicht. „Das ist die Emese, und ich bin die Vanessa.“

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