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„Ein wichtiger Schritt nach vorne“

Im Kunstbahnrodeln entscheiden Tausendstelsekunden, die führenden Nationen sind daher auch im Materialbereich mit größtem Einsatz am Werk. Das Team des Österreichischen Rodelverbandes (ÖRV) ist dank der Kooperation mit einschlägigen Firmen bestens aufgestellt. „Uns ist ein Riesenschritt gelungen“, sagte der für das Material zuständige Tobias Schiegl.

Der frühere Doppelsitzer-Weltmeister ist gelernter Tischler und im ÖRV verantwortlich für den technischen Bereich. Holz spielt im Rodeln seit vielen Jahren keine Rolle mehr, es wurde als Kufenmaterial von Kunststoffverbundteilen abgelöst. Auch bei den Metallschienen, dem Kontakt des Schlittens zum Eis, und den Sitzschalen haben die Spezialisten im ÖRV auch dank persönlicher Kontakte zu Partnerfirmen perfekte Voraussetzungen für die Aktiven geschaffen.

„Haben eine gute Hand gehabt“

„Im Materialbereich sind wir bei den führenden Nationen dabei. In der Bahn sind wir mit die Schnellsten. Da haben wir eine gute Hand gehabt. Wir haben perfekte Firmen für das, was wir brauchen“, betonte Tüftler Schiegl. Weltmeister Wolfgang Kindl bestätigte die Aussage des Materialchefs. „Wir haben einen extrem wichtigen Schritt im Materialsektor nach vorne gemacht. Da sind wir sicher top aufgestellt.“

Wichtig sind laut Schiegl die Reproduzierbarkeit - beim Bruch eines Teiles muss ein anderer mit der identischen Beschaffenheit zur Verfügung stehen - und das Erkennen, warum ein Schlitten schnell ist. „Da gehört ein Riesenapparat dazu, dass man im Ausschließungsverfahren abarbeitet und erkennt, was gut oder schlecht ist“, sagte der 44-jährige Tiroler, der die gemeinsame aktive Karriere mit seinem Cousin Markus Schiegl 2010 beendet hat.

Zusammenarbeit trägt Früchte

Der Rodelverband verfügt in Innsbruck über ein Kompetenzzentrum, in dem die Fäden zusammenlaufen. Der ÖRV stützt sich auch auf Kooperationen mit der Uni Wien, der Montanuni Leoben sowie heimischen Firmen für die Kunststoffschalen und die Beschichtung der Schienen.

Die Doppelsitzer-Olympiasieger Andreas und Wolfgang Linger arbeiten bei diesem Projekt mit. Mit Hilfe der Montanuni wird eruiert, welche Beschichtung auf welcher Eisart am besten gleitet. Auch bei den Kunststoffschalen, die individuell angepasst werden, führt man Forschungsprojekte durch. Ein fertiges Hightech-Produkt für den Kunsteiskanal ist teuer. „20.000 bis 25.000 Euro für ein Set-up kommen da schnell zusammen“, sagte Schiegl, der über 25 Jahre Erfahrung im Rodelsport verfügt.

Gelungene Generalprobe

Die Bestätigung, dass das Material der Österreicher auf der Olympiabahn in Pyeongchang funktioniert, lieferte bei der Generalprobe im Vorjahr David Gleirscher. „Er ist mit unserem neuen Material Bahnrekord gefahren. Jetzt haben wir einen Anhaltspunkt, wie der Weg ausschaut, damit etwas läuft“, sagte Schiegl.

Olympisches Edelmetall wäre für das gesamte Team die schönste Belohnung. „Die Hausaufgaben haben wir gemacht“, betonte der ÖRV-Materialchef. Nun müsse man die konkreten Bedingungen abwarten. Bei schwierigen Verhältnissen würde freilich Hightech alleine nicht genügen. „Dann muss man pokern, und dann ist die Erfahrung wichtig. Wer das bessere Händchen hat, ist vorne“, sagte Schiegl.

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