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Aufatmen nach schwerem Sturz

Natalie Geisenberger ist ihrer Favoritenrolle im Rodeln bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang gerecht geworden. Die Weltcup-Gesamtsiegerin setzte sich am Dienstag im Olympic Sliding Centre vor ihrer deutschen Landsfrau Dajana Eitberger durch und wiederholte ihren Triumph von 2014 in Sotschi. Die Kanadierin Alex Gough verhinderte einen deutschen Dreifachsieg.

Die Österreicherin Madeleine Egle konnte sich im vierten und letzten Lauf noch einmal steigern und schaffte als Neunte noch eine einstellige ÖRV-Platzierung. Hannah Prock belegte Platz 17. Birgit Platzer war bereits am Montag zu Sturz gekommen. Spektakulär zu Sturz kam im vierten Lauf auch die US-Amerikanerin Emily Sweeney. Sweeney musste aus der Bahn geborgen werden und wurde vorsichtshalber zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.

„Ich bin okay“

„Ich bin okay“, wurde Sweeney nach ihrem Sturz zitiert. Sie ist mit Blutergüssen und Prellungen davongekommen. Vor der schwierig zu fahrenden Kurve neun kam Sweeney ins Schleudern, stieß mit den Füßen voraus an die obere Bahnbegrenzung. Sie wurde vom Schlitten geworfen und fiel schließlich kopfüber wieder hinunter.

Emily Sweeney stürzte in Rodelbahn

Die US-Amerikanerin verlor auf der Geraden vor der berüchtigten Kurve neun die Kontrolle über ihren Schlitten. Wenig später kam die Entwarnung.

Die Fans an der Rodelbahn, darunter Sweeneys Mutter, verstummten schlagartig und waren voller Sorge, als sie den Sturz auf den Monitoren sahen. Alle Zuseher hofften, möglichst schnell ein positives Signal von Sweeney zu bekommen, die sofort von Helfern und medizinischem Personal umringt war. Es vergingen jedoch einige Minuten, bis die 24-Jährige aus Portland wieder aufstehen konnte und noch länger, bis sie wieder gehen konnte. „Ich war noch nie so erleichtert, als ich sah, wie sie aufstehen konnte und ein paar Schritte machte“, sagte Sweeneys Teamkollegin Summer Britcher.

Deutscher Doppelsieg

Nach einer kurzen Unterbrechung wurde der Bewerb fortgesetzt. Geisenberger gewann dabei acht Tage nach ihrem 30. Geburtstag ihr drittes Olmypiagold. Geisenberger verwies ihre Landsfrau Eitberger um 0,367 Sekunden auf Platz zwei. Bronze ging an die Kanadierin Gough.

Geisenberger ist nach dem dritten Gold erfolgreichste Rodel-Olympionikin. Sie hat am Donnerstag mit der Team-Staffel die Chance, ihr Goldkonto weiter aufzustocken. Zudem sicherte das schon fünfte Gold Deutschland weiter die Führung im Medaillenspiegel. „Ich war so entspannt wie noch nie. Ich habe alles erreicht, was ich mir erträumt habe. Und jetzt noch ein bisschen mehr“, sagte die Olympiasiegerin im Alpensia Sliding Centre.

Egle zeigt mit Platz neun auf

Von den Österreicherinnen gab die erst 19-jährige Tirolerin Egle mit Platz neun ein Versprechen für die Zukunft ab. „Die letzten zwei Läufe waren echt super und ich bin so zufrieden. Das ist echt geil“, meinte sie im ORF-Interview. „Es war toll, Olympia das höchste im Sport, einmal live mitzuerleben. Aber die Konkurrenz ist hart und man muss einfach schauen, dass man so wenig Fehler wie möglich macht.“

Rodlerin Madeleine Egle (AUT)

Reuters/Arnd Wiegmann

Die 19-jährige Tirolerin Madleine Egle lieferte bei den Olympischen Spielen eine Talentprobe ab

Die mit 1,85 m größte aktive Rodlerin im gesamten Feld hat in ihren Träumen keine Limits. Auf ihren Körperwuchs angesprochen, meinte sie: „Vielleicht wird man ja einmal die Größte“, sagte sie lachend. Als beste ÖRV-Dame kommt sie am Donnerstag in der Team-Staffel mit Olympiasieger David Gleirscher sowie dem besten Doppelsitzer (Mittwoch) nochmals zum Einsatz.

Hannah Prock patzte im dritten Lauf ein wenig und fiel vom zwölften noch auf den 17. Rang zurück, aber die Tochter von Sportdirektor Markus Prock ist ja sogar noch ein Jahr jünger als Egle. Für den Teenager waren die Olympischen Spiele ein „Hammergefühl“. „Wenn man ins Ziel kommt, und alle jubeln und schreien, das ist mega“, so Prock, die noch als Daumendrückerin bis 17. Februar in Südkorea bleibt, ehe es wieder gilt, die Schulbank zu drücken.

Hoffnungen für die Zukunft

Ihr Vater Markus war mit der Tochter, aber natürlich besonders mit Egle sehr zufrieden. „Wir sind hier mit einem sehr jungen Team angetreten. Zwei Juniorinnen eigentlich. Madeleine Neunte, super, sensationell gefahren, sie ist sicher für die Zukunft eine große Aktie. Und Hannah ist drei gute Läufe gefahren, hat leider den dritten Lauf verhaut.“ Für Birgit Platzer, die am Vortag schwer gestürzt, aber unverletzt geblieben war, tue es ihm leid. „Sie ist dieses Jahr generell nicht so ins Fahren gekommen, sie war letztes Jahr ja sehr gut.“

Schon am Mittwoch (12.20 Uhr, live in ORF eins) geht es mit den Doppelsitzern und den großen Medaillenkandidaten Georg Fischler/Peter Penz weiter. „Heute im Training sind beide Schlitten sehr gut gefahren. Ich hoffe, dass sie ihre Leistung bringen und dass wir Rodler eine zweite Medaille beisteuern können“, so Prock.

Einsitzer Damen

Endstand nach vier Läufen:
1. Natalie Geisenberger GER 3:05,232
2. Dajana Eitberger GER + 0,367
3. Alex Gough CAN 0,412
4. Tatjana Hüfner GER 0,481
5. Kimberley McRae CAN 0,646
6. Erin Hamlin USA 0,680
7. Raluca Stramaturaru ROU 1,056
8. Aileen Christina Frisch KOR 1,168
9. Madeleine Egle AUT 1,377
10. Andrea Vötter ITA 1,627
17. Hannah Prock AUT 2,572
Nach Sturz out: Birgit Platzer (AUT)

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