Themenüberblick

„Gerupfte“ Adler, Wind und Doping

Neben vielen Glanzlichtern gab es auch bei den Winterspielen von Pyeongchang genügend Schatten. Viele Athletinnen und Athleten wurden den eigenen und an sie gestellten Erwartungen nicht gerecht. Dazu war auch das Wetter den Veranstaltern nicht immer wohlgesonnen. Einige Unverbesserliche sorgten dafür, dass man auch in Pyeongchang am Thema Doping nicht vorbeikam.

Zu den sportlichen Verlierern zählten etwa die Olympischen Athleten aus Russland, die vier Jahre nach dem - nicht ganz sauber erzielten - Medaillenregen bei den Heimspielen von Sotschi, diesmal mit Eiskunstläuferin Alina Sagitowa und der Eishockey-Mannschaft unter neutraler Flagge nur zwei Olympiasieger stellten. Auch China, in vier Jahren mit Peking Gastgeber der nächsten Winterspiele, war im Medaillenspiegel nicht im Vorderfeld zu finden. Einzig Wu Dajing gelang im Shorttrack der Lauf zu Gold. Nicht überall nach Wunsch lief es auch im österreichischen Lager.

Alarmstufe Rot im „Adlerhorst“: Österreichs Skispringer gehörten zu den großen Verlieren in Pyeongchang. Erstmals seit 2002 blieben die ÖSV-Adler gar ohne Medaille und das nur ein Jahr nach dem Höhenflug von Doppelweltmeister Stefan Kraft. Die besten Platzierungen: Stefan Kraft mit Platz 13 auf der Normalschanze - das schlechteste Olympiaergebnis Österreichs auf dem kleinem Bakken seit 1972 - und der sechste Platz von Michael Hayböck auf der Großschanze. Im Team-Bewerb wurde man zwar Vierter, war aber im Kampf um die Medaillen chancenlos.

Skispringer Stefan Kraft

APA/Helmut Fohringer

Symbol des Absturzes: Ein Jahr nach Doppelgold bei der WM in Lahti sprang Kraft bei Olympia weit am Podest vorbei

Die folgende öffentliche scharfe Kritik von Cheftrainer Heinz Kuttin nach Ende der Skisprung-Bewerbe an Gregor Schlierenzauer und Manuel Fettner trug nur wenig zur Stimmung bei. Der Kärntner ließ sich, nicht nur in der ersten Emotion, zu harten Worten hinreißen. „Manuel Fettner und Gregor Schlierenzauer, Entschuldigung, das ist nicht einmal Mittelmaß, das verstehe ich nicht“, echauffierte sich Kuttin. Öffentliche Worte, die teamintern alles andere als gut angekommen sein werden.

Orientierungsprobleme: Das Blackout von Teresa Stadlober im Langlauf-Massenstart über 30 km am letzten Tag der Spiele ließ wohl nicht nur ihren Vater Alois Stadlober in der ORF-Kommentatorenkabine vor Zorn auf den Tisch hauen. Die 25-Jährige lag in der Loipe auf Kurs zu Silber, ehe sie im Eifer des Gefechts die Orientierung verlor. Es wäre nicht nur ein krönender Abschluss der Spiele für Rot-Weiß-Rot gewesen, sondern auch ein Stück Sportgeschichte: Denn olympisches Edelmetall gab es für eine Langläuferin noch nie.

Auch Janine Flock hätte sich im Eiskanal aus rot-weiß-roter Sicht unsterblich machen können, „verfuhr“ sich aber auf dem Weg zu Gold. Die Tiroler Skeleton-Pilotin führte - wenn auch nur hauchdünn - nach drei Läufen das Feld an, fand aber dann in der Entscheidung in den eisigen Kurven nicht mehr den richtigen Weg und landete schließlich auf dem undankbaren vierten Platz. Im Auslauf des Alpensia Sliding Centres kämpfte die 28-Jährige mit den Tränen. So manchem Sportfan ging es angesichts der zwei Hundertstelsekunden Rückstand auf Bronze wohl ähnlich.

Gemeingefährlicher Cross-Kurs: Fahrbar, aber absolut am Limit gebaut, lautete der Tenor der Snowboarder und Ski-Freestyler zum Cross-Kurs in Bokwang. Noch während der Spiele wurden laufend Anpassungen vorgenommen. Die Sprünge gingen aber nach wie vor weit, größtes Problem waren auch die eng aufeinanderfolgenden Elemente. Kaum ein Lauf auf dem selektiven Kurs ging ohne schweren Sturz über die Bühne.

Skicrosserinnen Debora Pixner (ITA) und Alizee Baron (FRA)

APA/Helmut Fohringer

Auf dem schweren Cross-Kurs kam kaum ein Skifahrer oder Snowboarder problemlos ins Ziel

Die Liste der Verletzten war entsprechend lang lang, unter anderem brach sich der Vorarlberger Markus Schairer im Snowboard-Bewerb den fünften Halswirbel. Bei den Skifahrern erwischte es den Kanadier Christopher Delbosco mit Beckenbruch, vier Rippenbrüchen und einer Lungenquetschung heftig. Der Franzose Terence Tchiknavorian brach sich das Schienbein, der Tiroler Christoph Wahrstötter wurde mit Gehirnerschütterung geborgen.

Leere Ränge: Fernsehbilder mit vollen Tribünen gab es aus Pyeongchang nicht mit Regelmäßigkeit. Teilweise wurden Bewerbe - wie etwa die alpine Herren-Kombination oder auch die Abfahrt - vor mehr oder weniger leeren Tribünen ausgetragen. Zusätzlich zum mangelnden Interesse der Gastgeber, etwa am Skisport, taten sich die Veranstalter mit der späten Ansetzung mancher Bewerbe keinen Gefallen. Events im Alpensia Olympic Park, wie etwa die Skisprungkonkurrenzen gingen erst ab 21.30 Uhr Ortszeit bei teilweise klirrender Kälte über die Bühne und luden nicht zum Besuch ein. Hohe Eintrittspreise taten ihr Übriges, um das Olympiafeuer nicht überall im Gastgeberland zu entfachen.

Koreanische Wetterlotterie: Wetterbedingte Verschiebungen und Durchpeitschen von Bewerben prägten zumindest in der ersten Hälfte die Spiele von Pyeongchang und waren Wasser auf die Mühlen der Kritiker an Spielen in Ostasien. Vor allem der unberechenbare Wind wurde zum Spielverderber und wirbelte etwa das Programm im alpinen Skilauf gehörig durcheinander. Kaum ein Bewerb fand am geplanten Tag stand.

Starker Wind beim Yongpyong Alpine Center

APA/AP/Christophe Ena

Vor allem zu Beginn der Spiele waren Windbilder die einzigen von den olympischen Skirennen

Der Sturm verzerrte zudem teilweise den Ausgang der Bewerbe. Big-Air-Olympiasiegerin Anna Gasser wurde in einer gefährlichen Windlotterie im Slopestyle um ihre Chance gebracht. Die Verantwortlichen in Bokwang hatten am Sonntag die Qualifikation wegen zu starken Windes abgesagt, das Finale am Tag danach aber trotz ähnlich gefährlicher Bedingungen mit dem Hinweis durchgepeitscht, dass es ansonsten kein Finale geben würde. 41 Stürze bei 50 Runs sprechen Bände.

Ein Virus macht sich breit: Keine angenehme Begleiterscheinung war das Ausbrechen des Norovirus unmittelbar vor den Spielen unter Sicherheitskräften. Einerseits reagierte das Organisationskomitee diesbezüglich sehr schnell, andererseits war man in diversen anderen Fällen dann doch überfordert mit einer Quarantäne. Rund 200 Fälle wurde bekannt, zu einem den Ablauf der Spiele störenden Massenausbruch kam es aber nicht.

"Unverbesserliche Dopingsünder: Auch bei den Winterspielen in Pyeongchang tappten wieder Sportler in die Falle der Dopingjäger. Besonders bitter waren zwei positive Proben für die Ambitionen Russlands, die Sanktionen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wieder loszuwerden. Bob-Pilotin Nadeschda Sergejewa und Curler Alexander Kruschelnizki, Dritter im Mixed-Double, erwiesen ihrem Team, dass unter Olympischer Flagge antreten musste, einen Bärendienst.

Curler Alexander Kruschelnizki

APA/AP/Natacha Pisarenko

Kruschelnizki brachte sich und seine Frau mit seinem positiven Test um eine olympische Medaille

Im Sog der Diskussionen um mutmaßliches staatliches Doping in Russland gingen zwei weitere Dopingfälle in Pyeongchang fast unter. Aber auch der slowenische Eishockey-Crack Ziga Jeglic, der einst mit Jesenice auch in der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) am Werk war, und der japanische Shorttracker Kei Saito sorgten mit ihren positiven Proben dafür, dass das Dopinggespenst einmal mehr über den Olympischen Spielen schwebte.

Unbedachte Sprücheklopfer: Dass sich Sportler in der Emotion im Ton vergreifen, ist nicht ungewöhnlich. Olympiadebütantin Ricarda Haaser ließ sich jedoch nach dem ersten Durchgang des Riesentorlaufs dazu hinreißen, ihre Leistung als „schwul“ zu bezeichnen. Eine Äußerung, die 2018 nicht zu entschuldigen ist. Die Tirolerin versuchte es trotzdem. Ihre Entschuldigung „Sollte ich mit meiner Aussage jemandem zu nahe getreten sein, entschuldige ich mich dafür“ kam aber etwas holprig daher.

Auch Bode Miller setzte sich verbal in die Nesseln. Zwar gab der ehemalige US-Skistar als Kommentator von NBC keine homophoben Äußerungen von sich, löste mit einer unpassenden Bemerkung über die Heirat von Anna Veith und dem damit einhergehenden Leistungsabfall ebenfalls einen Shitstorm in diversen Sozialen Netzwerken aus. Derart heftig fiel die Kritik aus, dass sich Miller on air für seinen unbedachten Sager entschuldigen musste.

Links: