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Wer überraschte und wer enttäuschte

Vor den Olympischen Spielen in Pyeongchang durfte man aus österreichicher Sicht mit einer ähnlichen Medaillenausbeute rechnen wie vor vier Jahren in Sotschi. Damals hatte das Team des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC) insgesamt 17 Podestplätze erreicht. Geworden sind es schließlich 14 Medaillen, dafür gleich fünf in Gold - zwei mehr als 2014 in Russland.

Die Winterspiele in Südkorea waren mit fünfmal Gold, dreimal Silber und sechsmal Bronze die dritterfolgreichsten für Österreich in der Olympiageschichte. Besser schnitten die ÖOC-Athletinnen und -Athleten bisher nur 2006 in Turin (9/7/7) und 1992 in Albertville (6/7/8) ab. Gemessen an der Gesamtmedaillenzahl waren die Spiele in Pyeongchang mit 14 Stück jedoch nur die siebentbesten.

Rodler und Kombinierer übertreffen Erwartungen

Die Rodler waren die positive Überraschung dieser Spiele aus ÖOC-Sicht. Von ihnen hatte man im Vorfeld ein bis zwei Podestplätze erwartet, gewonnen haben sie schließlich einen kompletten Medaillensatz. David Gleirscher brachte mit dem sensationellen Gold im Einsitzer dem ganzen ÖOC-Team einen Motivationsschub. Peter Penz/Georg Fischler beglichen eine vier Jahre alte Olympiarechnung mit Silber im Doppelsitzer, und schließlich holten die Vorgenannten gemeinsam mit der erst 19-jährigen Madeleine Egle sogar noch Bronze im Staffel-Bewerb.

Rodler Madeleine Egle, David Gleirscher, Peter Penz und Georg Fischler

APA/AP/Michael Sohn

Für die heimischen Rodler Penz, Egle, Fischler und Gleirscher (v. l. n. r.) war Südkorea ein voller Erfolg

Auch die Nordischen Kombinierer schlugen sich besser als erhofft. Mit einer Medaille war spekuliert worden, gewonnen haben sie zweimal Bronze. Lukas Klapfer sorgte gleich im ersten Bewerb für große Erleichterung im Team der Kombinierer. Mit der geforderten Medaille im Talon ließen sich die weiteren zwei Bewerbe leichter in Angriff nehmen. Letztlich sorgte auch das Quartett Wilhelm Denifl, Klapfer, Bernhard Gruber und Mario Seidl im Team-Bewerb wie immer seit 2002 für Edelmetall.

Skispringer enttäuschen

Die Skispringer enttäuschten hingegen an allen Fronten. Zunächst lieferten sie auf der Normalschanze das schlechteste Ergebnis bei Olympischen Spielen auf dem kleinen Bakken seit 46 Jahren. Stefan Kraft war als 13. (nach Halbzeitrang sechs) bester Österreicher. Der Doppelweltmeister 2017 wurde auch auf der Großschanze nur 18., Michael Hayböck durfte als Halbzeitzweiter auf sein erstes Einzel-Edelmetall hoffen, fiel aber auf Rang sechs zurück.

Schließlich war im Team-Bewerb nur „Blech“ möglich, allerdings mit fast 100 Punkten Rückstand auf die drittplatzierten Polen. Bei den Damen klassierte sich Daniela Iraschko-Stolz wenige Wochen nach ihrem Comeback nach einer weiteren Knieoperation immerhin an sechster Stelle. Statt der erhofften ein bis zwei Medaillen gingen die ÖSV-Adler in Pyeongchang leer aus.

Nur Gasser hält bei Snowboardern dem Druck stand

Auch von den Snowboardern hätte man in Südkorea mehr erwartet, zwei bis vier Medaillen lautete im Vorfeld die Prognose. Einzig Anna Gasser hielt dem Druck stand und überstrahlte mit Big-Air-Gold die Bilanz der heimischen Boarder. Im stark vom Wind beeinträchtigten Slopestyle-Bewerb hatte die Kärntnerin den 15. Platz belegt.

Snowboarderin Anna Gasser

APA/EPA-EFE/Diego Azubel

Gasser sorgte für die einzige Medaille der heimischen Snowboarder

Der Cross-Bewerb der Herren wurde vom schweren Sturz Markus Schairers überschattet, der sich den fünften Halswirbel brach. Mitfavorit Alessandro Hämmerle kam in der Vorschlussrunde durch Pech zu Sturz, gewann das B-Finale und wurde Siebenter. Enttäuschend verliefen die Parallel-Riesentorläufe, wo Benjamin Karl nach seinem Viertelfinal-Aus Fünfter wurde. Beste Dame war Daniela Ulbing als Siebente. Julia Dujmovits gab ihr Karriereende bekannt.

Im Ski-Freestyle hoffte man auf eine Medaille, für einen Podestplatz reichte es in Pyeongchang aber nicht. Im Skicross war für die vier Herren und zwei Damen spätestens im Viertelfinale Schluss. Christoph Wahrstötter (Gehirnerschütterung) und Robert Winkler (Hüftprellung) bezahlten ihren Olympiaausflug auf dem stark kritisierten Kurs mit Verletzungen. Für das beste Ergebnis sorgte Katrin Ofner als Neunte. Andreas Gohl schaffte in der Halfpipe die Finalqualifikation und wurde Achter. Das durfte keineswegs erwartet, sondern nur erhofft werden. Elisabeth Gram schrammte in der Halfpipe um 0,6 Zähler an den Top Zwölf vorbei.

Alpine glänzen mit dreimal Gold

Im alpinen Lager war das Ziel von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sechs bis acht Medaillen. Seine Athleten enttäuschten ihn nicht und gewannen siebenmal Edelmetall. Gleich vier Medaillen gingen auf das Konto der Herren, drei davon glänzten in Gold. Marcel Hirscher darf sich Olympiasieger in Kombination und im Riesentorlauf nennen, Matthias Mayer im Super-G. Michael Matt sprang nach Hirschers Ausfall im Slalom in die Bresche und eroberte die Bronzemedaille. In der Abfahrt setzte es indes ein historisches Debakel, mit den ausgefassten Startnummern hatte man bei aufkommendem Wind keine Chance mehr.

Marcel Hirscher mit Medaille

APA/Hans Klaus Techt

Hirscher war mit zweimal Gold Österreichs erfolgreichster Athlet in Pyeongchang

Die ÖSV-Damen blieben zwar am unteren Ende der Erwartungen, das kam angesichts des im Umbau befindlichen Teams aber nicht wirklich überraschend. Unerwartet Katharina Gallhuber als Dritte im Slalom und Anna Veith mit Silber in einem denkwürdigen Hundertstel-Super-G mit Snowboarderin Ester Ledecka als Sensationssiegerin holten die Medaillen. Wirklich enttäuschend verlief nach starken Trainingsleistungen nur die Abfahrt.

Im Team-Bewerb wurde das Ziel mit der Silbermedaille erreicht, zudem Angstgegner Schweden mit den beiden Slalom-Olympiasiegern Frida Hansdotter und Andre Myhrer im Viertelfinale besiegt. Das sechsköpfige Aufgebot (Katharina Liensberger, Gallhuber, Stephanie Brunner, Manuel Feller, Matt und Marco Schwarz) bestand durchwegs aus Olympiadebütanten im Alter von 20 bis 25 Jahren. Matt und Gallhuber eroberten nach Slalom-Bronze ihr zweites Edelmetall.

Biathleten holen erhofftes Edelmetall

Auch die Biathleten erfüllten die Erwartungen. Dominik Landertinger sorgte mit Bronze im Einzel-Bewerb (20 km), wo er im Schießen fehlerfrei blieb, für das ersehnte Edelmetall. Zudem kratzte Julian Eberhard mit einem vierten und sechsten Rang zweimal an der Medaille. Der Pechvogel im ÖOC-Team wurde dann in der Staffel vom Wind verblasen, so verpassten die ÖSV-„Skijäger“ als Vierte neuerlich die durchaus mögliche zweite Medaille.

Biathlet Dominik Landertinger

APA/Helmut Fohringer

Landertinger legte mit einem fehlerfreien Schießen den Grundstein zu Olympiabronze

Im Langlauf hätte Teresa Stadlober beinahe für die Sensation gesorgt, doch auf Silberkurs liegend passierte der Salzburgerin nach etwas mehr als 21 von 30 Kilometern im Massenstart-Rennen in der klassischen Technik ein böses Missgeschick: Sie bog falsch ab, der Medaillentraum wurde auf nächstes Jahr bei der Heim-WM in Seefeld vertagt.

Flock verpatzt letzten Lauf

Im Skeleton wird die erhoffte und letztlich verpasste Medaille nicht nur Janine Flock noch lange wehtun. Nach drei Läufen in Führung gelegen, verpasste die Tirolerin mit einem verpatzten vierten Lauf nicht nur Gold, sondern um zwei Hundertstelsekunden auch die erste Damen-Skeleton-Olympiamedaille für Österreich.

Im Bob waren Benjamin Maier und Co. als Außenseiter zu den Spielen gereist, das galt auch für die Damen-Crew. Die Herren holten im Zweierbob die Plätze acht und 15, die Damen belegten die Ränge zehn und 17. Im Vierer landete der Bob Österreich 1 von Maier auf rang Sieben, Österreich 2 wurde 22.

Ziegler/Kiefer verpassen die Kür

Die Eiskunstläufer Miriam Ziegler und Sverin Kiefer hatten sich im Paarlauf den Einzug in die Kür der Top 16 als Ziel gesetzt. Im Kurzprogramm kamen sie mit 58,80 Punkten aber nur auf Rang 20. Kiefer kam bei der Landung nach dem dreifachen Toeloop zu Sturz, er war in der Eisarena in Gangneung vor dem Absprung in eine Rille gekommen und verlor die Balance.

Eisschnellläuferin Vanessa Herzog lieferte in Gangneung nach Grippeerkrankung starke Winterspiele ab. Sie wurde über 1.000 m Fünfte und über 500 m Vierte. Für den 1.500er zum Auftakt hatte sie wegen der Nachwirkungen der Erkrankung abgesagt, für den Massenstart, weil sie neuerlich Fieber bekam. Linus Heidegger übertraf bei der Olympiapremiere des Massenstarts mit Platz sechs alle Erwartungen.

ÖOC-Medaillengewinner Pyeongchang 2018

Gold:
Marcel Hirscher Ski alpin Riesentorlauf
Marcel Hirscher Ski alpin Kombination
Matthias Mayer Ski alpin Super-G
Anna Gasser Snowboard Big Air
David Gleirscher Rodeln Einsitzer
Silber:
Anna Veith Ski alpin Super-G
Katharina Gallhuber, Katharina Liensberger, Stephanie Brunner, Manuel Feller, Michael Matt, Marco Schwarz Ski alpin Teambewerb
Peter Penz / Georg Fischler Rodeln Doppelsitzer
Bronze:
Katharina Gallhuber Ski alpin Slalom
Michael Matt Ski alpin Slalom
Dominik Landertinger Biathlon Einzel
Lukas Klapfer Nordische Kombination Einzel Normalschanze
Wilhelm Denifl, Mario Seidl, Bernhard Gruber, Lukas Klapfer Nordische Kombination Teambewerb
David Gleirscher, Madeleine Egle, Peter Penz/Georg Fischler Rodeln Teamstaffel

ÖOC-Medaillen bei Winterspielen

Jahr Ort Gold Silber Bronze Gesamt
2006 Turin 9 7 7 23
1992 Albertville 6 7 8 21
2018 Pyeongchang 5 3 6 14
2014 Sotschi 4 8 5 17
2010 Vancouver 4 6 6 16
1964 Innsbruck 4 5 3 12
1956 Cortina d'Ampezzo 4 3 4 11
1998 Nagano 3 5 9 17
1988 Calgary 3 5 2 10
2002 Salt Lake City 3 4 10 17
1968 Grenoble 3 4 4 11
1980 Lake Placid 3 2 2 7
1952 Oslo 2 4 2 8
1994 Lillehammer 2 3 4 9
1976 Innsbruck 2 2 2 6
1924 Chamonix 2 1 0 3
1948 St. Moritz 1 3 4 8
1960 Squaw Valley 1 2 3 6
1972 Sapporo 1 2 2 5
1936 Garmisch-Partenkirchen 1 1 2 4
1932 Lake Placid 1 1 0 2
1928 St. Moritz 0 3 1 4
1984 Sarajevo 0 0 1 1

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