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Nach den Spielen ist vor den Spielen

Die Organisatoren der nächsten beiden Olympischen Spiele in Peking 2022 und Tokio 2020 haben nach eigenen Angaben im südkoreanischen Pyeongchang viel gelernt für die Austragung der Wettkämpfe in vier bzw. zwei Jahren. „Es waren absolut exzellente Winterspiele“, sagte der Sprecher des chinesischen Organisationskomitees, Chang Yu. Ähnlich zufrieden äußersten sich auch die Vertreter von Tokio.

Peking wolle 2022 auch „fantastische Spiele“ liefern. Der Bau der neuen Sportstätten und der Infrastruktur wie die Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zu den beiden olympischen Zonen Yanqing und Zhangjiakou außerhalb von Peking laufe bereits. Die Organisatoren könnten glücklicherweise bestehende Sportstätten der Sommerspiele 2008 wieder nutzen. Peking ist die erste Stadt, die sowohl Sommerspiele als auch Winterspiele austrägt.

Peking setzt auf Erfahrungen

Zu den Sorgen über lange Transportwege sagte der Sprecher, das rund 200 Kilometer entfernt gelegene Zhangjiakou könne mit der 350 Stundenkilometer schnellen Bahn in 50 Minuten erreicht werden, Yanqing in nur 20 Minuten. Er wies auch Bedenken über den hohen Wasserverbrauch für Kunstschnee in der schneearmen, im Winter trockenen Region zurück. „Wir haben genug Wasserressourcen.“

Stadion in Peking

GEPA/Richiardi/Zangi

Wie schon bei den Sommerspielen 2008 steigen im „Vogelnest“ die Eröffnungs- und Schlussfeier

Rund die Hälfte der Mitglieder des Organisationskomitees für 2022 sei schon 2008 dabei gewesen, sagte Chang Yu. „Wir haben aber gelernt, dass Winterspiele etwas ganz anderes sind als Sommerspiele.“ Mit rund 40 Beobachtern hätten sie die Spiele in Pyeongchang verfolgt. „Es war ein wertvolles Lernerlebnis.“ Planung und Entwurf seien exzellent gewesen, ebenso die Lenkung der Zuschauerströme. Auch hätten sie viel über den Einsatz vorübergehender Gebäude gelernt.

Tokio rüstet sich für Monsterspiele

Beeindruckt vom Großereignis in Südkorea zeigten sich auch die 110 Beobachter aus Japan, die in zwei Jahren „aufregende Spiele“ in Tokio versprechen, auch wenn die Herausforderung ein Vielfaches größer sein wird als in Pyeongchang. „Die Erfahrungen, die wir hier sammeln, helfen uns, den Staffelstab zu übernehmen und unsere eigenen Pläne umzusetzen, um ausgezeichnete Spiele 2020 in Tokio abzuliefern“, so Tokios Organisationschef Toshiro Muto.

Die Zahl der Teilnehmer an den Sommerspielen wird dreimal so groß sein. 60.000 Sportler, Trainer, Betreuer und Verbandspersonal werden erwartet. Während Pyeongchang mehr als eine Million Besucher hatte, rechnen die Organisatoren in Tokio sogar mit acht Millionen, die Tickets kaufen. Zusätzlich dürften einige Millionen Touristen kommen, die nur die Atmosphäre miterleben und auf öffentlichen Plätzen zuschauen wollen. „Olympische Spiele sind die komplizierteste Veranstaltung in der Welt“, ist sich Maki Kobayashi, Exekutivdirektorin des Organisationskomitees, der Herausforderung bewusst.

„Wir sind schwer beeindruckt“

„Wir brauchen Erfahrungen aus erster Hand, damit wir vorbereitet sind“, fügte Kobayashi hinzu. Für die Kollegen in Südkorea hatte sie nur Lob: Reibungsloser Betrieb, hilfreiche Mitarbeiter und Freiwillige, guter Transport, nützliche mobile Technologie, gute Unterkünfte, schnelle Sicherheitskontrollen. „Großartig“, sagte Kobayashi. „Wir sind schwer beeindruckt.“ Das Interesse an den Spielen in Tokio ist jetzt schon riesig. Bis zu hundert Meter lange Schlangen gab es beim Tokyo 2020 Japan House im olympischen Park von Gangneung.

„Leg los, Japan!“ schrieb Ministerpräsident Shinzo Abe eigenhändig an die Wand mit den Porträts der Sportler. Hier präsentierte sich Japan als Hightech-Land - so wie es auch 2020 in Tokio sein wird. Ein Ganzkörperscanner nahm die Maße der Besucher, die dann ihren Avatar bewundern konnten, wie er virtuell durch Tokio lief. Mit interaktiven Spielen wurden die neuen Sportarten vorgestellt, die in Japan erstmals dabei sind: Baseball, Karate, Skateboard, Sportklettern und Surfen.

Vorbereitungen laufen nach Plan

„Die Vorbereitungen laufen gut“, berichtete Kobayashi. 60 Prozent der 43 Sportstätten gibt es schon. Acht werden neu gebaut, zehn vorübergehend errichtet. „Alles nach Plan.“ Es gibt zwei olympische Zonen: in der einen haben schon die ersten Spiele 1964 in Japan stattgefunden - in der anderen, der Bucht von Tokio, soll das moderne, urbane Leben erfahren werden können. Dazwischen liegt das Sportlerdorf. Da das Internationale Olympische Komitee (IOC) erschwingliche Spiele anstrebt, wurden anfängliche Pläne zurückgeschraubt, sodass einige Wettbewerbe auch außerhalb von Tokio stattfinden.

Baukräne

APA/AFP/Behrouz Mehri

Die Bauarbeiten für die Wettkampfstätten für die Sommerspiele in zwei Jahren laufen auf Hochtouren

Auftaktspiele des in Japan beliebten Baseballs finden sogar in der Provinz Fukushima statt, die im März 2011 von dem gewaltigen Erdbeben und Tsunami heimgesucht worden war. In der Folge kam es im Atomkraftwerk Fukushima zu Kernschmelzen. Noch heute ist der Zugang in einigen Orten beschränkt. Aber Angst vor Strahlung wies Kobayashi zurück: „Es gibt kein Problem. Machen Sie sich keine Sorgen.“ Indem Olympia nach Fukushima geholt werde, soll der Wiederaufbau der Region unterstützt werden. „Es ist eine Gelegenheit, der Welt zu zeigen, wie die Menschen die Katastrophe hinter sich gelassen haben.“

„Modellstadt“ für bezahlbare Spiele

Nun ist Olympia berüchtigt für Kostenexplosionen, aber Tokio will auch auf Wunsch des IOC eine „Modellstadt“ für bezahlbare Spiele werden. Schließlich sollen künftige Bewerber nicht abgeschreckt werden - so wie Hamburg oder Innsbruck, die sich nach Volksentscheiden dagegen ausgesprochen hatten. Das wird aber nicht einfach: Tokios Haushalt ist heute mit 1,35 Billionen Yen (10,28 Milliarden Euro) schon doppelt so hoch wie 2013, als Tokio den Zuschlag bekam.

Auch kündigte die Stadtregierung im Jänner für 810 Milliarden Yen (6,17 Milliarden Euro) zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur an, um die Metropole zu modernisieren. Das ist doppelt so viel, wie ursprünglich schon für die Spiele eingeplant war. „Sie hatten das ohnehin vorgehabt“, meinte Kobayashi. „Es ist nicht zwingend, aber nützlich für die Spiele.“ Die Organisatoren verweisen hier auch gerne auf den potenziellen wirtschaftlichen Effekt der Spiele in Japan. Er wird von 2013 bis 2030 auf 32 Billionen Yen (243,75 Milliarden Euro) geschätzt - recht optimistisch, obwohl es keiner genau sagen kann.

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