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Schröcksnadel mit Ausbeute zufrieden

Österreich ist bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang wie schon vor vier Jahren in Sotschi die beste Alpinnation gewesen. Dank Silber im abschließenden Teambewerb am Samstag holten die Athletinnen und Athleten des österreichischen Skiverbandes (ÖSV) in elf Bewerben dreimal Gold (zweimal Marcel Hirscher, Matthias Mayer), zweimal Silber (Anna Veith, Team) und zweimal Bronze (Katharina Gallhuber, Michael Matt).

Österreich gewann damit die Alpinwertung vor der Schweiz (zweimal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze) und Schweden (zweimal Gold). ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel nahm das mit Genugtuung zur Kenntnis. „Das ist für uns schon ein wichtiger Faktor“, sagte der Tiroler.

Dreimal Gold „ist schon sehr erfreulich“

Auch wenn man insgesamt als Verband gegen die Norweger keine Chance habe: Schröcksnadel freut speziell, dass man dank der drei Goldmedaillen von Hirscher und Mayer die Nase vorne hat. Eine weitere hatte bekanntlich Veith im Super-G um nur eine Hundertstelsekunde an die Snowboarderin Ester Ledecka weitergeben müssen. „Das ist schon sehr erfreulich. Dass wir so viele Goldene machen, damit war wirklich nicht zu rechnen“, meinte der Verbandschef.

Medaillenbilanz Ski alpin in Pyeongchang

Nation Gold Silber Bronze Gesamt
1. Österreich 3 2 2 7
2. Schweiz 2 3 2 7
3. Schweden 2 - - 2
4. Norwegen 1 4 2 7
5. USA 1 1 1 3
6. Italien 1 - 1 2
7. Tschechien 1 - - 1
8. Frankreich - 1 2 3
9. Liechtenstein - - 1 1
Endstand nach elf Bewerben

In Sotschi 2014 waren die ÖSV-Alpinen des mit drei Gold-, vier Silber- und zwei Bronzemedaillen ebenfalls die Nummer eins gewesen. In Vancouver 2010 dagegen war die Ausbeute mit einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze und Platz fünf in der Alpinwertung hinter Deutschland, USA, Schweiz und Norwegen enttäuschend.

Damen-Bilanz fiel gemischt aus

Auch bei den Winterspielen in Südkorea gab es trotz eines insgesamt erfreulichen Abschneidens einige Schwachstellen. So fiel die Bilanz der ÖSV-Damen mit insgesamt zwei Medaillen gemischt aus: „Nicht gut, nicht schlecht, irgendwie mittendrin“, sagte Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum. Lediglich zwei Olympiamedaillen für die ÖSV-Damen hatte es zuletzt 2002 in Salt Lake City gegeben, obwohl damals noch Weltklasseathletinnen wie die zweifache Medaillengewinnerin Renate Götschl, Michaela Dorfmeister oder Alexandra Meissnitzer am Start gewesen waren.

Davon ist man derzeit weit entfernt. „Wir reden da von den Nachwehen der letzten Jahre mit vielen Verletzungen, Rücktritten und einem Generationswechsel“, wies Kriechbaum auf die aktuelle Situation hin. Mit Cornelia Hütter und Veith habe man gerade mal zwei Saisonsiegerinnen in Korea am Start gehabt. Hütter kam ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss in Pyeongchang aber überhaupt nicht ins Fahren. Veith übertraf nach ebenfalls langer Verletzungspause mit Silber im Super-G eigentlich die Erwartungen.

Anna Veith mit Silbermedaille

APA/AFP/Javier Soriano

Veith übertraf mit Silber im Super-G die Erwartungen

Umso erfreulicher war deshalb das überraschende Slalom-Bronze für Gallhuber. „Das mit Katharina hat richtig gutgetan. Silber für Veith war brutal eng, man hätte in diesem Rennen um Hundertstel auch Sechste werden können. Das waren also schon Superleistungen“, strich Kriechbaum das Positive hervor. „Es war ja keine von unseren Läuferinnen in einer richtigen Favoritenrolle. Wenn es blöd geht, machen wir bei diesen Spielen gar nichts. Insofern bin ich also schon zufrieden.“

Kriechbaum mit Abfahrt nicht zufrieden

Nicht zufrieden war Kriechbaum mit der Abfahrt. Da hatten starke Trainingsleistungen Hoffnung auf eine Medaille gemacht. „Aber gerade die, die mit ihrem Set-up mitunter bei den Schnellsten dabei waren, haben ihr Potenzial nicht abgerufen“, bedauerte Kriechbaum Platz zehn für Ramona Siebenhofer und den Sturz von Vizeweltmeisterin Stephanie Venier.

Auch in der abschließenden Kombination ging erwartungsgemäß nicht viel, am Ende brachte man mit Siebenhofer und Ricarda Haaser gerade zwei Damen an den Start. „Die Kombi ist nur spannend, wenn man um Medaillen mitfahren kann“, sagte Kriechbaum. Die Lehren aus Olympia in Südkorea könnten sein, dass man das Fahren auf dem besonders aggressivem „Nordamerika-“ oder „Skandinavien-Schnee“ üben könnte. Das könne für das kommende Weltcup-Finale und die WM 2019 in Aare hilfreich sein.

Erfolge der Skandinavier keine Überraschung

In Schweden wie auch 2022 in Peking könnte man ähnlichen Schnee und ähnliche Pisten vorfinden, so Kriechbaum. „Terrassenförmige Abfahrten, man fährt fast nur auf der Kante, muss die Mischung aus Attacke und Feingefühl finden. Das ist für Läuferinnen, die zu viel unter Strom stehen, gar nicht so einfach.“ So gesehen seien die vielen Skandinavien-Erfolge in Korea von Aksel Lund Svindal (Abfahrt-Gold), Kjetil Jansrud (Abfahrt-Silber, Super-G-Bronze), Henrik Kristoffersen (RTL-Silber), Ragnhild Mowinckel (Abfahrt- und RTL-Silber), Frida Hansdotter (Slalom-Gold) oder Andre Myhrer (Slalom-Gold) gar keine Überraschung.

Für seine Damen sei nun das Wichtigste, bei Weltcup-Rennen wieder öfter ganz vorne zu landen. „Erfolge machen letztlich stark. Ohne Erfolge davor bei Großereignissen zu überraschen gelingt nur hin und wieder.“ Hinsichtlich der Kombi müsse man das wie in der Schweiz über den Slalom aufbauen. „Aber unser junges Slalom-Team hat sich gerade erst so richtig formiert. Wir müssen vorerst mal weiterhin Löcher stopfen“, sagte Kriechbaum.

„Wahrscheinlichste“ Goldene ausgeblieben

Im Herren-Team fiel die Bilanz mit dreimal Gold und einmal Bronze deutlich besser aus. Dabei war durch Hirschers Ausfall im Slalom die „wahrscheinlichste“ Goldene sogar ausgeblieben. „Das ist eben der Sport. Marcel hat das kommen gesehen. Er ist die ganze Woche mit dem Material nicht zusammengekommen“, hatte ÖSV_Präsident Schröcksnadel vollstes Verständnis, dass Hirscher für den Teambewerb nicht mehr zur Verfügung stand. „Das stört mich überhaupt nicht.“

Marcel Hirscher

APA/Hans Klaus Techt

Hirscher fiel im Slalom als Topfavorit aus

Dass auch in Korea offensichtlich wurde, dass man mit dem trockenen, aggressiven Kunstschnee wie er sonst auch in Nordamerika oder Skandinavien anzutreffen ist, eher schlecht zurande kommt, ist für den Präsidenten keine große Überraschung. „Das ist so, weil wir dort nicht aufwachsen. Wir sind unsere Verhältnisse gewohnt. Und die Verhältnisse, die hier entstehen, haben wir einfach nicht sehr oft. Man kann das also nur schwer testen.“

Der Präsident fürchtet deshalb ein wenig, dass dieser seit Jahrzehnten bekannte Nachteil seine Alpinskiasse auch bei der kommenden WM in Schweden einholen wird. „Das wird in Aare das Gleiche sein“, glaubt Schröcksnadel, dass die Titelkämpfe 2019 ähnlich schwierig verlaufen werden. „Du hast wenig Zeit, im Winter auf diesem speziellen Maschinenschnee zu trainieren, weil du da auf Tour bist. Und vorher ist da keiner. Das ist eben der Nachteil, weil die anderen wachsen darauf auf“, erklärte Schröcksnadel das Problem.

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