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34-jähriger Tiroler krönt Karriere

Triumph für Rot-Weiß-Rot: Mario Matt und Marcel Hirscher haben am Samstag im olympischen Herren-Slalom in Krasnaja Poljana für einen österreichischen Doppelsieg gesorgt. Der 34-jährige Tiroler Matt krönte seine lange Karriere mit der Goldmedaille und avancierte zum ältesten Ski-Olympiasieger aller Zeiten. Der 24-jährige Salzburger Hirscher holte mit Silber die erste Olympiamedaille seiner Laufbahn.

Doppelweltmeister Matt hatte bereits nach dem ersten Durchgang geführt. Hirscher stürmte im zweiten Durchgang vom neunten auf den zweiten Platz. Am Ende trennten die beiden nur 0,28 Sekunden. Henrik Kristoffersen aus Norwegen sicherte sich in einem dramatischen Finale die Bronzemedaille. Für Österreich war es am „goldenen“ Samstag das vierte Gold bei den Winterspielen von Sotschi.

Marcel Hirscher, Mario Matt und Henrik Kristoffersen

APA/Hans Klaus Techt

Matt am Ende seiner großen Karriere vor ÖSV-Star Hirscher und Kristoffersen

Insgesamt hält das ÖOC-Team nun bei 17 Medaillen und hat die Ausbeute von Vancouver 2010 (16-mal Edelmetall) übertroffen. Mit gleich fünf Medaillen (zwei goldene, eine silberne und zwei bronzene) registrierte Österreich am vorletzten Wettkampftag den erfolgreichsten Tag bei Olympischen Winterspielen seit dem 20. Februar 2006 in Turin. Damals gab es ebenfalls fünfmal Edelmetall, neben drei Goldenen auch zwei Bronzemedaillen.

„Riesenziel und Traum in Erfüllung gegangen“

„Das war eine Fahrerei. Ich habe mich im zweiten Durchgang katastrophal gefühlt, aber irgendwie habe ich es runtergebracht“, berichtete der frischgebackene Olympiachampion Matt im Ziel. „Bei Olympia bin ich ja erst einmal gestartet. 2002 habe ich mich davor verletzt, 2006 bin ich ausgefallen und das letzte Mal war ich nicht dabei. Es muss halt alles zusammenpassen. Bei Weltmeisterschaften hat es immer geklappt, Gott sei Dank auch heute.“ Platz 34 in der Kombi von Turin 2006 war das bisher beste Olympiaresultat von Matt.

In Schladming beim Nightrace im Jänner war Matt noch als Führender nach dem ersten Lauf ausgefallen. Diesmal brachte der Routinier Platz eins über die volle Distanz. „In Schladming war ich viel nervöser, da wollte ich den Sieg erzwingen“, so Matt. „Ich habe mir gedacht, ich fahre heute einfach Ski und schaue am Schluss, was dabei rauskommt. Mit der Einstellung habe ich es gut geschafft. Ich war die ganze Saison schon schnell und bin immer um den Sieg mitgefahren“, fügte der Sieger von Val d’Isere von Dezember hinzu.

Mario Matt jubelt

APA/AP/Gero Breloer

Mario Matt hat nun so gut wie alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt

„Es ist eine große Erleichterung, das kann man sich vorstellen“, freute sich Matt im ORF-Interview. "Wenn es glückt und aufgeht, ist das schon genial. Es ist ein Riesenziel und Traum in Erfüllung gegangen. Im zweiten Lauf war es extrem schwierig. Jeder, den ich angeschaut habe, ist ausgeschieden. Es war nur eine halbe Stunde Zeit. Das letzte Drittel habe ich mir gar nicht mehr anschauen können, weil es so viel Zeit gebraucht hat, oben zu besichtigen“, sagte Matt, der die Fortsetzung seiner Karriere offenließ.

Hirscher schafft „Ding der Unmöglichkeit“

Für Hirscher endete Olympia 2014 ebenfalls mit einem Erfolgserlebnis. „Ich habe mir mit dem Rückstand von 1,28 Sekunden nichts mehr ausgerechnet. Das ist auch für mich ein Ding der Unmöglichkeit“, wunderte er sich über seinen Husarenritt im zweiten Lauf. „Ich habe im zweiten Durchgang mein Skifahren umsetzen können, wie ich es tun möchte. Zum Glück ist es ein bisschen härter geworden. Jeder schimpft zwar über die Kurssetzung, aber mir hat sie den Arsch gerettet. Da habe ich so viel Zeit gutmachen können. Ich habe bei der Besichtigung von oben bis unten einen Grinser im Gesicht gehabt.“

Marcel Hirscher im zweiten Durchgang

APA/EPA/Karl-Josef Hildenbrand

Ein bärenstarker Lauf im Finale bescherte Hirscher ein Happy End bei Olympia

Nur so konnte sich laut Hirscher, der bis zum Finale im Slalom die ganze Woche mit den Verhältnissen auf dem Hang in Krasnaja Poljana gehadert hatte, ein Unterschied herauskristallisieren. „Dem einen geht es auf, dem anderen nicht. Wir suchen ja auch Olympiasieger und fahren kein Schülerrennen. Jetzt haben wir Gold und Silber. Ich bin brutal erleichtert. Jetzt kann Mario verdient aufhören, dem greife ich einmal vor“, scherzte Hirscher.

Kostelic-Kurs fordert zahlreiche Opfer

Mit dem nach dem erstem Lauf zweitplatzierten Schweden Andre Myhrer, den Franzosen Alexis Pinturault und Jean-Baptiste Grange sowie dem Deutschen Felix Neureuther schieden im zweiten Durchgang gleich mehrere hochgehandelte Konkurrenten der Österreicher aus. Ihnen wurde der vom Kroaten Ante Kostelic extrem schwierig gesetzte, stark drehende Kurs ebenso zum Verhängnis wie dem US-Riesentorlauf-Olympiasieger Ted Ligety und zahlreichen anderen Athleten.

Reinfried Herbst und Benjamin Raich hingegen waren bereits im ersten Lauf ausgefallen. Die große Olympiakarriere des Tirolers Raich (u. a. zweimal Gold) endete daher mit einem Einfädler. Er war ebenso gut unterwegs gewesen wie Herbst, für den drei Tore vor dem Ziel das Ende gekommen war. „Einfach nur Leere“, beschrieb Raich sein Gefühl nach seinem Missgeschick. Teamkollege Herbst resümierte: „Lieber das Herz in die Hand nehmen und alles riskieren, als um Platz 20 herumwedeln.“

ÖSV-Sportdirektor Pum beeindruckt

Für ÖSV-Sportdirektor Hans Pum war es ein großartiger Abschluss der alpinen Bewerbe von Sotschi. „Ich muss den Trainern gratulieren, sie haben die Athleten hervorragend eingestellt“, lobte Pum seine Equipe für deren Auftritt im Stangenwald von Kostelic. „Ich freue mich sehr für die beiden. Mario hat wenig Nerven, der lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, teilt sich den Lauf genau ein und setzt das bei Großereignissen auch um. Marcel (ist einzigartig im Slalom, er hat hier genau seine Schnelligkeit und Technik ausgespielt. Es freut mich sehr, dass sich das auch bei ihm noch mit einer Medaille ausgegangen ist.“

Herren-Slalom

1. Mario Matt AUT 1:41,84
2. Marcel Hirscher AUT 1:42,12
3. Henrik Kristoffersen NOR 1:42,67
4. Fritz Dopfer GER 1:42,72
. Stefano Gross ITA 1:42,72
6. Adam Zampa SVK 1:43,28
7. Mattias Hargin SWE 1:43,60
. Markus Larsson SWE 1:43,60
9. Ivica Kostelic CRO 1:44,11
. Sebastian-Foss Solevaag NOR 1:44,11
11. Mitja Valencic SLO 1:44,14
12. Leif Kristian Haugen NOR 1:44,21
13. Nolan Kasper USA 1:44,22
14. Alexander Choroschilow RUS 1:44,23
15. Julien Lizeroux FRA 1:44,32
16. Michael Janyk CAN 1:44,36
17. David Ryding GBR 1:45,91
18. Dalibor Samsal CRO 1:48,99
19. Ramon Zenhäusern SUI 1:49,40
20. Philipp Brown CAN 1:49,65
21. Alexandru Barbu ROU 1:52,66
22. Iason Abramaschwili GEO 1:53,37
23. Michal Jasiczek POL 1:53,48
24. Marco Pfiffner LIE 1:55,48
25. Adam Barwood NZL 1:56,18
26. Warren Cummings Smith EST 1:57,28
27. Martins Onskulis LAT 1:57,60
28. Matej Vidovic CRO 1:57,81
29. Antonio Ristevski MKD 1:58,44
30. Mohammad Kiyadarbandsari IRI 1:58,87
Erster Durchgang:
1. Mario Matt AUT 46,70
2. Andre Myhrer SWE 47,15
3. Stefano Gross ITA 47,45
. Mattias Hargin SWE 47,45
5. Jean-Baptiste Grange FRA 47,47
6. Ted Ligety USA 47,56
7. Felix Neureuther GER 47,57
8. Alexis Pinturault FRA 47,78
9. Marcel Hirscher AUT 47,98
10. Markus Larsson SWE 48,04
14. Fritz Dopfer GER 48,46
15. Henrik Kristoffersen NOR 48,49
26. Adam Zampa SVK 49,34
Out u.a.: Reinfried Herbst (AUT), Benjamin Raich (AUT), Patrick Thaler (ITA), Steve Missillier (FRA), David Chodounsky (USA)
Zweiter Durchgang:
1. Adam Zampa SVK 53,94
2. Marcel Hirscher AUT 54,14
3. Henrik Kristoffersen NOR 54,18
4. Fritz Dopfer GER 54,26
5. Sebastian-Foss Solevaag NOR 55,03
6. Mario Matt AUT 55,14
7. Stefano Gross ITA 55,27
8. Ivica Kostelic CRO 55,36
9. Leif Kristian Haugen NOR 55,38
10. Nolan Kasper USA 55,52
. Alexander Choroschilow RUS 55,52
13. Markus Larsson SWE 55,56
16. Mattias Hargin SWE 56,15
Out u.a.: Andre Myhrer (SWE), Jean-Baptiste Grange (FRA), Ted Ligety (USA), Felix Neureuther (GER), Alexis Pinturault (FRA), Manfred Mölgg (ITA), Daniel Yule (SUI), Giuliano Razzoli (ITA), Naoki Yuasa (JPN), Axel Bäck (SWE), Akira Sasaki (JPN)

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