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„Aufgeben war kein Thema“

Mit dem Sieg des Schweizers Viktor Röthlin hat am Sonntag der Marathon der Männer bei der Leichtathletik-EM in Barcelona geendet. Der zum Kreis der Medaillenanwärter zählende Oberösterreicher Günther Weidlinger kämpfte mit der enormen Hitze und quälte sich unter massiven Kopfschmerzen als 18. ins Ziel (2:23:37).

Der 35-jährige Röthlin, der sich vor vier Jahren in Göteborg EM-Silber geholt hatte, setzte sich in seinem ersten Marathon seit zwei Jahren in 2:15:31 Stunden vor dem Spanier Jose Manuel Martinez (2:17:50) und dem Russen Dmitrij Safronow (2:18:16) durch.

„Unglaublich heiß“, brach es aus Weidlinger in der Mixed-Zone mit kühlendem Eispackerl auf dem Kopf heraus. Ähnliches habe er noch nicht erlebt, meinte er auf dem Boden sitzend. „Mein Schädel brummt unglaublich. Ich bin dann zwischenzeitlich immer wieder auch ein Stück gegangen, ohne Pause hätte es mich umgehauen. Aber Aufgeben war kein Thema.“

Vom Start weg an der Spitze

Der Lauf durch die City über 42,195 km wurde um 10.05 Uhr bei bereits 26 Grad Celsius gestartet und führte zuerst zweimal über eine Einkilometerschleife, anschließend mussten vier Runden zu je zehn Kilometern absolviert werden. Weidlinger zeigte sich von Beginn an in der Spitze („Meine Taktik ging auf“), nach fünf Kilometern ging er als Zweiter hinter dem Italiener Ruggero Pertile durch.

Ein früher Ausreißversuch von Jurij Abramow bei Kilometer acht ließ die Topläufer unbeeindruckt, der Russe mit dem eigentümlichen Laufstil wurde bei der 15-km-Marke locker wieder gestellt. Für kurze Zeit setzten sich Röthlin und Safronow ein paar Meter ab, die Spitze war aber bald wieder vereint.

Feld zieht sich auseinander

Auch einem erneuten Split in eine Sechser- und eine Fünfergruppe (Weidlinger) folgte rasch bei Kilometer 18 wieder der Zusammenschluss, ehe sich das Feld dann doch langsam auseinanderzuziehen begann. Doch die erste Tempoverschärfung hatte ÖLV-Rekordler Weidlinger bereits geprüft: „Diese Tempospritze hat schon weh in den Beinen getan, es war überhaupt nicht mein Tag.“

Leidensweg beginnt

Auf dem 20. Kilometer fiel Weidlinger zurück und ging beim Halbmarathon als Elfter durch. Ab da begann der Leidensweg für ihn aber so richtig. Er sei kontinuierlich langsamer geworden und sich am Ende wie ein Hobbyläufer vorgekommen. Auch die Nahrungsaufnahme sei ihm wegen Magenproblemen schwergefallen, jede Verpflegungsstelle habe er genutzt, um sich Wasser überzugießen.

Vorne hatte sich indes eine Sechsergruppe mit u. a. Röthlin sowie den Favoriten Stefano Baldini (Italien), Martinez und James Theuri (Frankreich) gebildet. Titelverteidiger Baldini gab aber kurze Zeit später auf. Es kam die große Zeit von Röthlin, der eine Attacke startete, sich absetzte und ein einsames Rennen bis ins Ziel lief.

Der Peking-Olympiasechste hatte vor dem Lauf angegeben, nicht zu wissen, auf welchem Leistungsniveau er sich befinde, das Gespür dafür sei ihm verloren gegangen. Nach Jahren des Haderns - 2009 erlitt er zwei Lungenembolien und musste sich zudem an der Ferse operieren lassen - meldete sich der Eidgenosse eindrucksvoll zurück.

Pflügl 44., Prüller gibt auf

Von den weiteren Österreichern stieg Florian Prüller bei Kilometer 23 aus. „Es hat schon beim Start im Bauch gezwickt, am Beginn des Rennens habe ich mich gut gefühlt, doch dann musste ich zweimal auf die Toilette“, sagte Prüller, der in der Nacht Durchfall bekommen hatte. Christian Pflügl wurde in 2:53:15 44. und gestand: „Dass ein Marathon so hart sein kann, hätte ich nicht gedacht. Es ist schon nach zwei Kilometern nicht rund gelaufen. Ich wollte unbedingt aber ins Ziel.“

Damit kam das ÖLV-Team auch nicht in die Europacup-Nationenwertung, die im Rahmen des Marathons gewertet wurde und für die ein Land ein Trio ins Ziel bringen musste. Es siegte Spanien vor Russland und Italien.

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Publiziert am 02.08.2010