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„Das war ein großartiges Wochenende“

Lewis Hamilton hat am Sonntag den turbulenten Grand Prix von Belgien gewonnen und mit seinem dritten Saisonsieg die Führung in der WM übernommen. Der McLaren-Pilot triumphierte bei dem mehrfach von Regen, Unfällen, gefährlichen Szenen und Safety-Car-Phasen beeinflussten Rennen in Spa-Francorchamps vor dem Australier Mark Webber (Red Bull) und dem Polen Robert Kubica (Renault).

„Das war ein großartiges Wochenende und sehr hartes Rennfahren. Ich bin so glücklich, hier zu stehen“, sagte Hamilton, der Poleposition-Mann Webber bereits am Start überholen konnte und die Führung bis zum Schluss nicht mehr hergab. Der Australier kam wegen Kupplungsproblemen überhaupt nicht gut weg und fiel anfangs sogar auf den siebenten Platz zurück.

Kurz vor Ende der ersten Runde auf dem mit 7,004 Kilometern längsten Kurs im Formel-1-Kalender rutschten in der Bus-Stop-Schikane alle vorne platzierten Fahrer von der regennassen Strecke. Jubilar Rubens Barrichello, der seinen 300. Grand Prix bestritt, raste in Fernando Alonsos Ferrari. Der Brasilianer schied aus, der Spanier fuhr vorerst weiter. Nach dem Crash kam erstmals das Safety-Car für eine Runde auf die Strecke.

Hamilton rutscht in der Schlussphase von der Strecke

„Am Ende habe ich nur noch versucht, das Auto zu schonen und es in einem Stück ins Ziel zu bringen“, meinte Hamilton. Auch der Brite rutschte beim Wetterchaos in den Ardennen in der Schlussphase des Rennens von der Straße, konnte einen Crash gegen die Streckenbegrenzung und somit wohl einen Ausfall gerade noch vermeiden. „Da hatten sehr viele Schutzengel ihre Hände über mir. Es war wirklich ein sehr schwieriges Rennen“, betonte Hamilton.

Red-Bull-Pilot Webber zeigte sich „zufrieden mit Platz zwei. Das sind gute Punkte“, sagte der Australier. „Es ist heutzutage so einfach, völlig leer auszugehen.“ Dem Sieger Hamilton gratulierte Webber fair: „Lewis hat den Sieg vollauf verdient.“ Nach 13 von 19 Saisonrennen führt Hamilton mit 182 Punkten vor Webber (179) und Sebastian Vettel (151). Die WM wird am 12. September mit dem Grand Prix von Italien in Monza fortgesetzt.

Lewis Hamilton von McLaren MercedesAPA/EPA/Christophe KarabaHamilton erwischte den besten Start und gab die Führung nicht mehr her.

Zu den großen Verlierern zählte der regierende Weltmeister Jenson Button im McLaren, der von Vettel nach einem schweren Fahrfehler in der 16. Runde von der Strecke geschossen wurde. „Das macht er langsam zur Angewohnheit, dass er andere aufspießt“, sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh über den deutschen Red-Bull-Piloten, der nach dem Unfall eine Durchfahrtstrafe kassierte.

Button bitter enttäuscht

„Das ist ein herber Rückschlag, wirklich ein sehr herber Rückschlag. Dieser Ausfall tut weh, denn es hat wirklich gut ausgesehen. Ich weiß nicht, was da bei Sebastian passiert ist“, war Button, der zum Zeitpunkt des Unfalles auf Platz zwei lag, bitter enttäuscht.

„Button hat relativ früh gebremst, deshalb hat Vettel die Kontrolle über das Auto verloren“, sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko, für den die Durchfahrtstrafe „etwas hart“ war. Vettel selbst tat der Zwischenfall mit Button leid: „Es war mein Fehler. Ich war deutlich schneller als er und nah genug dran. Leider habe ich die Kontrolle über das Auto verloren und dadurch auch das Rennen von Button zerstört. Das war keine Absicht.“

Unfall von Vettel und ButtonAPA/EPALuis ArrendondasVettel schießt Button von der Strecke.

Liuzzi schlitzt Vettel den Reifen auf

Vettel war auch ein zweites Mal in einen Unfall verwickelt, als ihm der Italiener Vitantonio Liuzzi (Force India) in der 28. Runde ins Heck fuhr und den linken Hinterreifen aufschlitzte. „Das Manöver mit Liuzzi war sicher nicht seine Schuld“, meinte Marko zum zweiten Unfall Vettels. Nach insgesamt vier Boxenstopps (die Durchfahrtstrafe nicht mitgerechnet) blieb dem Deutschen mit einer Runde Rückstand letztlich nur der 15. Platz.

In der WM-Fahrerwertung ist Vettels Rückstand nun auf 31 Punkte angewachsen. „Jetzt wird es schwieriger. Aber der Saisonverlauf zeigt, dass es drunter und drüber geht“, gibt der Deutsche den Titel noch nicht auf.

Alonso leitet zweite Safety-Car-Phase ein

Auch Ferrari-Pilot Alonso erlebte ein Rennen zum Vergessen und schied sechs Runden vor dem Ende des Grand Prix nach einem Crash aus. Der Spanier parkte seinen Boliden so unglücklich auf dem Asphalt, dass das Safety-Car zum zweiten Mal an diesem turbulenten Nachmittag ausrücken musste. Sein brasilianischer Teamkollege Felipe Massa wurde Vierter.

Den Durchblick bei der chaotischen Berg-und-Tal-Fahrt in Spa mit mehrmals einsetzendem Regen behielt Rekordweltmeister Michael Schumacher. Der deutsche Mercedes-Pilot stürmte wie zu besten Zeiten in seinem „Wohnzimmer“ vom 21. Startplatz auf den siebenten Rang nach vorne, sein Teamkollege Nico Rosberg (14. Startplatz) wurde sogar Sechster. Beide waren nur einmal an der Box.

„Es war ein nettes Rennen mit einer vernünftigen Strategie. Sechster und Siebenter, da kann man nicht meckern“, sagte der 41-jährige Schumacher, der sich mit seinem Teamkollegen einige rassige Duelle auf der Strecke lieferte.

Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps

Endstand nach 44 Runden:
1. Lewis Hamilton GBR McLaren 1:29:04,268
2. Mark Webber AUS Red Bull + 1,571
3. Robert Kubica POL Renault 3,493
4. Felipe Massa BRA Ferrari 8,264
5. Adrian Sutil GER Force India 9,094
6. Nico Rosberg GER Mercedes 12,359
7. Michael Schumacher GER Mercedes 15,548
8. Kamui Kobayashi JPN Sauber 16,678
9. Witali Petrow RUS Renault 23,851
10. Vitantonio Liuzzi ITA Force India 34,831
11. Pedro de la Rosa ESP Sauber 36,019
12. Sebastien Buemi SUI Toro Rosso 39,895
13. Jaime Alguersuari* ESP Toro Rosso 49,457
14. Nico Hülkenberg GER Williams 1 Runde
15. Sebastian Vettel GER Red Bull 1 Runde
16. Heikki Kovalainen FIN Lotus 1 Runde
17. Lucas di Grassi BRA Virgin 1 Runde
18. Timo Glock GER Virgin 1 Runde
19. Jarno Trulli ITA Lotus 1 Runde
20. Sakon Yamamoto JPN Hispania 2 Runden

* 20-Sekunden-Strafe wegen unerlaubten Abkürzens

Out: Fernando Alonso (ESP/Ferrari) Jenson Button (GBR/McLaren), Bruno Senna (BRA/Hispania), Rubens Barrichello (BRA/Williams)

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Publiziert am 30.08.2010