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„Das Team muss sich bald entscheiden“

Nach seinem zweiten Platz beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps und Sebastian Vettels erneutem Blackout hat der Australier Mark Webber am Sonntag die Diskussion über einen Nummer-eins-Fahrer bei Red Bull wieder angeheizt. Das Team müsse sich bald entscheiden, auf wen man künftig setzen will.

Derzeit sei es zwar „noch zu früh“, um einen Piloten vorzuziehen. Doch der Zeitpunkt, an dem sich Red Bull im Kampf um den WM-Titel auf einen Fahrer festlegen muss, werde „bald kommen“, sagte Webber auf der Pressekonferenz nach dem turbulenten Ardennen-Rennen. Als Zweiter baute der 34-Jährige seinen Vorsprung in der WM-Fahrerwertung auf den 23-jährigen Vettel auf 28 Punkte aus, verlor die Führung allerdings an Sieger Lewis Hamilton. Der britische McLaren-Pilot liegt nach 13 von 19 Saisonrennen mit 182 Zählern drei Punkte vor Webber.

Mark Webber und Lewis Hamilton während der Pressekonferenz in SpaGEPA/xpb.ccWebber und Hamilton auf der Pressekonferenz nach dem Belgien-GP

Als Reporter auf der Pressekonferenz gefragt hatten, ob Hamilton und Webber erwarten, dass ihre Teams nun den Fokus auf sie richten würden, schloss der britische Weltmeister von 2008 eine Sonderbehandlung definitv aus. McLaren, das bislang zwölf Weltmeister gestellt und insgesamt 169 Rennen gewonnen hat, könne „eine recht beeindruckende Trophäensammlung“ vorweisen, meinte Konkurrent Webber.

„Es hängt davon ab, wie hungrig wir sind“

Red Bull habe mittlerweile auch schon viel erreicht, sei allerdings noch weit von McLarens Erfolgen entfernt. Für den Australier stand daher fest, dass sich sein Rennstall bald auf eine Nummer eins festlegen muss, wenn es erstmals den Weltmeister stellen will. „Es hängt davon ab, wie hungrig wir sind, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte der 34-Jährige, der zwischen den Zeilen durchklingen ließ, dass er der richtige Mann dafür sei.

Auch wenn Vettel zuletzt die Nerven wegwarf, will sich Christian Horner nicht auf Webber als Nummer-eins-Piloten festlegen. Der Red-Bull-Teamchef sagte auch nach dem Grand Prix von Belgien klar, dass beide Fahrer weiter die gleiche Behandlung bekommen werden: „Es sind immer noch 150 WM-Punkte zu erobern.“

Hamilton und Webber hätten sich zwar ein wenig absetzen können, doch auch mit Vettel, Jenson Button und Fernando Alonso (alle drei blieben in Spa ohne Punkte) müsse man weiter rechnen. „Ich glaube, dass alle fünf noch Chancen auf den Weltmeistertitel haben“, meinte Horner - das neue Punktesystem mache das möglich. „Mark ist ein Sportsmann und Realist. Er kennt die Zahlen genauso gut wie jeder andere auch.“

„Nur ein Narr würde Vettel jetzt schon abschreiben“

Webber sei „realistisch genug um zu wissen, dass sich die Dinge rasch ändern können“, fügte der Red-Bull-Teamchef hinzu. Auch wenn es derzeit „sehr gut“ für den Australier aussehe, würde „nur ein Narr Vettel jetzt schon abschreiben“.

In Anbetracht der Tatsache, dass Vettel zuletzt wegen Eigenfehlern und zu Saisonbeginn wegen Technikproblemen viele Punkte verloren hat, muss man Horner in seiner Einschätzung recht geben. Doch wenn der 23-jährige Deutsche weiterhin die Nerven wegwirft, dann degradiert er sich über kurz oder lang selbst zur Nummer zwei - eine Position, die bislang Webber für sich „beansprucht“ hat. Die Teamstrategie bei Red Bull sei wohl generell „ein wenig anders“ als bei McLaren, meinte Webber auf der PK.

Webber ortete Bevorzugung Vettels

Der Australier hatte bereits im Juli gemutmaßt, dass sein Teamkollege bevorzugt behandelt werde. Vettel bekam beim Grand Prix von Großbritannien kurzfristig einen neuen Frontflügel für seinen Boliden, der ursprünglich Webber zugesagt gewesen war.

„Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer“, giftete der Australier damals über Boxenfunk in Richtung Teamchef Horner, nachdem er das Rennen in Silvertone gewonnen hatte. Horner versuchte später, den Vorfall herunterzuspielen. Die ganze Geschichte sei etwas aufgebauscht worden, „da ist mehr draus gemacht worden, als wirklich passiert ist“, sagte der Red-Bull-Teamchef. Vettel, der in Silverstone Siebenter wurde, wollte sich nicht dazu äußern: „Ich habe meine Meinung dazu, und die behalte ich lieber für mich.“

Gemüter waren schon vorher erhitzt

Bereits vor Silverstone waren die Gemüter im Team erhitzt gewesen. Beim Grand Prix der Türkei in Istanbul Ende Mai beraubten sich Webber und Vettel eines Doppelerfolges, als der Deutsche zu einem Überholmanöver ansetzte und mit seinem in Führung liegenden Teamkollegen kollidierte. Vettel konnte das Rennen nicht beenden, Webber wurde Dritter.

Das McLaren-Duo Lewis Hamilton und Button profitierte von der „Hornochsen“-Aktion und feierte einen Doppelerfolg. Teamintern blieb die Schuldfrage umstritten. Vettel sei „ziemlich aggressiv hineingestochen“, sagte Horner damals. Die Alleinschuld wollte er dem jungen Deutschen aber nicht in die Schuhe schieben.

Sebastion Vettel kolidiert mit Mark Webber beim Grand Prix von IstanbulGEPA/ xpb.ccDie Folgen der „Hornochsen“-Aktion in Istanbul

Mehr Tiefen als Höhen in Vettels Saison

Vettel, der sich gerne zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte küren würde, durchlebt in dieser Saison allerdings mehr Tiefen als Höhen. Bereits bei den ersten beiden Rennen in Bahrain und Australien ließ der Deutsche wegen technischer Probleme WM-Punkte liegen. In Istanbul und Silverstone wurde der teaminterne Konflikt mit Webber offensichtlich, auch wenn Red Bull immer wieder versucht, diesen herunterzuspielen.

Bei den letzten beiden Grand Prix in Ungarn und am Sonntag in Spa-Francorchamps waren es Eigenfehler, die den 23-Jährigen wichtige Zähler im Kampf um den Titel kosteten. Derzeit hält Vettel bei zwei Saisonsiegen (Malaysia und Valencia), sein Teamkollege Webber hält bei vier, und WM-Leader Hamilton konnte sich heuer dreimal in die Siegerliste eintragen.

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Publiziert am 31.08.2010