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Degradierung zum Wasserträger droht

Nach Sebastian Vettels Belgien-Blamage am Sonntag droht dem deutschen Red-Bull-Piloten die Degradierung zum Wasserträger für Stallrivalen Mark Webber. „Es ist noch nicht ganz so weit, aber so lange sollten wir es nicht hinauszögern“, forderte der WM-zweite Australier bei der Jagd auf Spitzenreiter Lewis Hamilton eine schnelle Entscheidung über den Nummer-eins-Status im Team.

Vettel, der in Spa-Francorchamps schon wieder patzte, steht nach seiner Frustserie mit dem Rücken zur Wand. Die Zahl seiner Pannen und Missgeschicke hat ihn sechs Rennen vor Saisonende schwer in die Bredouille gebracht. Nur bei seinen Siegen in Malaysia und Valencia lief alles nach Plan.

Zu oft aber ließ der 23-Jährige Punkte liegen. So raste er schon siebenmal auf die Poleposition, im Rennen kam der „Trainingsweltmeister“ danach aber nur einmal als Erster (in Valencia) ins Ziel. Insgesamt hält der Deutsche bei zwei Saisonsiegen, den ersten holte er in Malaysia vom dritten Startplatz. Statt komfortabel die WM anzuführen und im stärksten Auto dem Titel entgegenzusteuern, fährt Vettel nun schon einem Rückstand von 31 Punkten auf Hamilton (182 Zähler) und 28 auf Webber (179) hinterher.

„Er hat nicht nur heute Mist gebaut“

„Es hätten einfache Punkte sein können, aber ich kann es nicht mehr ändern. Natürlich bin ich nicht stolz drauf“, klagte der 23-Jährige nach dem Debakel in den Ardennen, das mit Rang 15 endete. Ein Satz, wie er von Vettel in dieser Saison schon mehrfach zu hören war. „Er hat nicht nur heute Mist gebaut, sondern auch schon das eine oder andere Mal in diesem Jahr“, urteilte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh knallhart.

Bestes Beispiel war der Spa-Crash mit Jenson Button, als Vettel wieder einmal mit der Brechstange am Gegner vorbeiwollte. Das Manöver im Kampf um Platz zwei ging schief, für beide ein empfindlicher Dämpfer im WM-Fight. „Sebastian ist da ein Fehler unterlaufen, den man sonst nur in Nachwuchsformeln sieht und nicht in der Formel 1“, ätzte Whitmarsh.

Auch deutsche Presse kritisiert Vettel

Selbst in der deutschen Presse hagelte es Kritik an dem 23-Jährigen. „Wenn das Team klug agiert, bündelt es nun alle Kräfte auf Mark Webber“, wurde die „Süddeutsche Zeitung“ am deutlichsten. „Vettel als Bruchpilot verhöhnt“, titelte die „Welt“. Auch die „Bild“-Zeitung schrieb von einem „trostlosen Rennen“ Vettels und fragte: „Ist jetzt sogar der Titel weg?“ Für die „F.A.Z“ wurde dem Red-Bull-Piloten wieder einmal „seine mangelnde Geduld zum Verhängnis“.

„Wir werden sehen, ob ihn dieser Fehler die WM kosten kann. Er wird sich sicher ärgern“, sagte der dreifache Weltmeister Niki Lauda. „Man hat Druck, und damit muss man klarkommen. Wenn es um die WM geht, erwartet jeder Großes von einem“, meinte Adrian Sutil, der als Fünfter im Force India bester Deutscher in Spa war.

„Er weiß schon selbst, was er zu tun hat“

Trost für Vettel gab es von Rekordchampion Michael Schumacher. „Ich kann nur sagen: Das Jahr ist noch lang. Er weiß schon selbst, was er zu tun hat“, sagte der 41-Jährige. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hat den Vizeweltmeister noch nicht abgeschrieben. „Es ist für Sebastian noch lange nicht aus“, sagte Haug.

Wie man das Beste aus seinen Möglichkeiten macht, zeigt in dieser Saison Hamilton. Zwar sind die McLaren auf den meisten Strecken nicht so schnell wie die Red Bulls, dennoch hat der Weltmeister von 2008 beste Aussichten auf seinen zweiten Titel. Der Erfolg von Spa war ein Meisterstück, auch beim nächsten Rennen in Monza gilt Hamilton dank des starken Mercedes-Motors als Favorit. „Wir machen immerzu Druck, und wenn wir dran sind, dann holen wir das Maximum heraus“, erklärte er.

Hamilton in höchsten Tönen gelobt

Die internationale Presse lobte den Briten nach seiner Gala in den höchsten Tönen. „Hamilton zaubert“, schwärmte die italienische „La Gazzetta dello Sport“. Die spanische „Marca“ urteilte: „Hamilton erwies sich in einem Rennen für Experten als unfehlbar.“ Und die britische „Daily Mail“ titelte überschwänglich: „Allmächtiger Lewis!“

Abgehängt haben Hamilton und Webber vorerst neben Vettel auch Button (147 Punkte) und Ferrari-Pilot Fernando Alonso (141), die nach ihren Unfällen ebenfalls ohne Zähler aus Belgien zurückkehrten. Dennoch warnte der Spitzenreiter: „Die Meisterschaft ist offen. Wir haben in den letzten Rennen gesehen, wie schnell sich die Dinge ändern.“ Genau daran dürfte sich auch Vettel klammern.

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Publiziert am 31.08.2010