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„Kann noch aggressiver spielen“

Nicht weniger als 6:50 Stunden ist Jürgen Melzer bei den US Open in den ersten beiden Runden heuer bereits auf dem Platz gestanden. Lohn für die harte Arbeit ist nicht nur der nach 2004 und 2008 dritte Einzug in der Runde der letzten 32, sondern auch ein mögliches Duell mit Roger Federer, der mit einem 6:4 6:3 6:3-Sieg gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu locker ins Achtelfinale einzog.

Juan Carlos Ferrero (ESP)Reuters/Eduardo MunozFerrero gewann vier der bisherigen sechs Duelle mit Melzer.

Bevor sich Melzer allerdings im Achtelfinale mit dem Schweizer Weltranglisten-Zweiten messen darf, gilt es noch einen schwerer Brocken aus dem Weg zu räumen. Wenn es der herannahende Hurrikan „Earl“ zulässt, trifft der als Nummer 13 gesetzte Niederösterreicher am Samstag auf den Spanier Juan Carlos Ferrero.

„Das wird ein enorm schwieriges Match, sehr viel wird von der Grundlinie bestimmt werden“, prophezeite Melzer. „Man darf ihn nicht aus seiner Rückhand-Ecke seine Vorhand spielen lassen. Wenn ich das verhindern kann, habe ich auch ganz gute Chancen.“

Melzer sieht noch Potenzial

Melzer kann sich in mehreren Bereichen noch steigern. Und das wird auch nötig sein, um sich nach Wimbledon neuerlich im Achtelfinale ein mögliches Duell mit dem 16-fachen Major-Sieger Federer zu sichern, sollte sich dieser in der dritten Runde gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu durchsetzen. „Wenn es so weit kommt, wäre es super, weil dann stehe ich im Achtelfinale. Sollte es zu dem Match kommen, werde ich es hoffentlich besser machen als in Wimbledon“, so Melzer.

„Ich kann noch aggressiver spielen, bei den Ballwechseln früher das Tempo übernehmen, und beim Aufschlag ist natürlich einiges drinnen“, sagte der 29-Jährige, den eine 2:4-Head-to-Head-Bilanz gegen Ferrero nicht abschrecken darf. Fix ist für ihn, dass man ein schönes Match sehen wird. „Gegen ihn war es immer ein gutes Match, weil man einen Super-Rhythmus kriegt.“

Der bevorstehende Wetterwechsel von der Hitze zur Abkühlung, wenn der Hurrikan zumindest die Ostküste der USA streifen sollte, könnte für Melzer zum Vorteil werden. Denn bei so hohen Temperaturen spielt er ohnehin nicht so gerne. „Ich habe am Anfang, als ich hergekommen bin, nicht so gut gespielt und mich nicht ganz so wohl gefühlt“, so der Niederösterreicher.

Dramatik kaum zu überbieten

Zumindest von der Dramatik her wird Melzer seine ersten beiden Auftritte in Flushing Meadows im New Yorker Stadtteil Queens nur schwer überbieten können. Einem 6:4 6:2 3:6 4:6 6:2 gegen den Russen Dmitrij Tursunow zum Auftakt ließ der 29-jährige ein 6:4 6:7 (4/7) 6:3 1:6 7:5 über Ricardas Berankis folgen.

Jürgen Melzer (AUT) AP/Frank Franklin IIInsgesamt 6:50 Stunden stand Melzer bei den US Open bereits auf dem Platz.

Gegen den litauischen Qualifikanten in Runde zwei stand der French-Open-Halbfinalist und Wimbledon-Achtelfinalist allerdings noch knapper vor dem Aus. „Wenn man 2:4 im fünften Satz hinten ist, dann ist man sehr knapp dran, das Match zu verlieren“, meinte Melzer. „Umso zufriedener bin ich, dass ich das gedreht habe und wirklich nicht aufgegeben habe.“

„Er hat die Bälle sehr früh genommen, viel Druck gemacht und wirklich den einen oder anderen Zauberball gespielt“, lobte der Deutsch-Wagramer den erst 20-jährigen Litauer, der im Ranking sicher bald weit besser klassiert sein wird als auf Platz 124.

Melzer als „Arbeitstier“

Stolz sein kann Melzer, dass er er nach vielen, auch unnötigen, Niederlagen in der Vergangenheit gerade über die volle Distanz nun endgültig zum „Arbeitstier“ geworden ist: Die letzten fünf Fünfsatz-Partien hat der Wimbledon-Doppelchampion alle gewonnen, seine Gesamtbilanz liest sich mit 12:10 nun schon weit besser. „Ich hatte ja auch etwas gutzumachen“, sagte er müde, aber zufrieden.

Melzer, der freilich auch diesmal unter anderen von seiner Freundin Mirna Jukic angefeuert wird, präsentiert sich in neuem, blauem Outfit mit weißen Schuhen. An einem Schuh blinkt es allerdings auffällig. Es ist ein Ring, den ihm die Schwimmerin geschenkt hat, und den er beim Match als Glücksbringer, gut verschnürt mit Schuhbändern, am Schuh trägt.

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Publiziert am 04.09.2010