Themenüberblick
„Unbeholfen und naiv gespielt“
„Der Alptraum geht weiter“ und „katastrophal“ versuchten die beiden großen Tageszeitungen „Le Parisien“ und „L’Equipe“ die Enttäuschung der Fans in Worte zu fassen, nachdem der eingewechselte Sergej Kisljak in der 86. Minute die Blamage besiegelt hatte. Nach dem desaströsen Auftritt in Südafrika mit nur einem Remis im Auftaktspiel gegen Uruguay setzte es für den einstigen Welt- und Europameister bereits die vierte Niederlage (Mexiko, Südafrika, Norwegen und Weißrussland) in Folge.
Blanc, der Raymond Domenech direkt nach der WM ablöste, wurde zwar Zeit für einen Umbruch im Nationalteam zugestanden, mit einer Blamage bei seinem Pflichtspieldebüt im Stade de France vor rund 76.000 Zuschauern hätte aber niemand gerechnet. „Wir haben unbeholfen und naiv gespielt“, versuchte der 44-Jährige die Leistung seiner Auswahl nicht schönzureden. „Es ist schwer, irgendetwas Positives aus dieser Niederlage mitzunehmen.“
Zuversicht weicht Tristesse
„Das Team war unproduktiv, mutlos und kaum gefährlich“, lautete das Urteil des Fachmagazins „France Football“. Andere Medien sprachen von einer „Demütigung“ und einem „harten Schlag“. Dabei war die Hoffnung auf den Neuanfang unter „Le President“ Blanc trotz der 1:2-Schlappe im Freundschaftsspiel in Oslo gegen Norwegen doch so groß gewesen.
Die Fans im Stadion feuerten die Equipe wider Erwarten pausenlos an, so „als hätte es die WM-Blamage nie gegeben“ („France Football“). Immer wieder hallte das „Allez la France“ durchs Stadion. Vor den Fernsehern saßen knapp neun Millionen Franzosen, so viele wie selten zuvor bei einem Qualifikationsspiel der „Grande Nation“.
Benzema soll helfen
Nun steht Blanc am Dienstag im zweiten Spiel in Bosnien unter immensem Erfolgsdruck. Ob das ein für die EM-Chancen schon vorentscheidendes Spiel sei, wurde der 44-Jährige gefragt. „Sicher, sehr wichtig, wir müssen uns in Bosnien wieder fangen“, antwortete der Ex-Meistermacher von Girondins Bordeaux (2009).
Helfen soll dabei Karim Benzema. Blanc kündigte am Samstag an, dass der Stürmerstar bis Dienstag fit wird. Benzema hatte das Auftaktmatch der EM-Qualifikation wegen einer Knöchelverletzung verpasst. Am Freitag haben sich die Angreifer Loic Remy und Louis Saha verletzt, deshalb hat Blanc Olympique-Lyon-Stürmer Jimmy Briand nachnominiert.
Portugal nur 4:4 gegen Zypern
Eine Blamage wie jene Frankreichs blieb Portugal zwar erspart. Doch im Land des Vizeeuropameisters 2004 empfand man das 4:4 gegen Zypern durchaus als Niederlage. Portugal lag vor eigenem Publikum zweimal im Rückstand, schien nach der 4:3-Führung durch Fernandes in der 60. Minute wieder auf Kurs zu sein. Mit einem Kopfballtreffer in der 89. Minute machte Andreas Avraam per Kopf aber die Schmach der Portugiesen perfekt.
Trainer Carlos Queiroz sah wegen einer sechsmonatigen Sperre von der Tribüne aus, wie sein Team ohne den am Knöchel verletzten Superstar Cristiano Ronaldo gegen die konterstarken Gäste immer wieder in Probleme kam, vor allem die Verteidigung oftmals eine schlechte Figur machte. „Wir wussten, dass Zypern im Konter schnell ist, und wir konnten dem heute einfach nichts entgegenhalten“, resümierte Queiroz-Ersatz Agostinho Oliveira. Am Dienstag wartet das Auswärtsspiel in Norwegen, das seinerseits beim 2:1-Erfolg in Island nicht überzeugen konnte.
Links:
Publiziert am 04.09.2010