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„Entschuldigung“ für Tiebreak

Nach der 3:6 6:7 (4/7) 3:6-Niederlage im Achtelfinale der US Open hat Jürgen Melzer nach dem Matchball am Netz noch ein paar nette Worte von Roger Federer gehört. Der Schweizer „entschuldigte“ sich quasi für das für ihn glücklich verlaufene Tiebreak im zweiten Satz.

Auch in der mitternächtlichen Pressekonferenz in den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadions fand der Weltranglistenzweite und 16-fache Major-Sieger ein paar sehr wohlwollende Worte für einen der Aufsteiger des Jahres im Herren-Tennis.

„Er ist ein großartiger ‚shot maker‘. Er trifft immer ein paar wirklich gute, gefährliche Schläge. Es gibt auch nicht viele Burschen da draußen, die aus einem ersten Aufschlag so einen Return rausholen können“, sagte Federer nach seinem nun schon wieder vierten Sieg ohne Satzverlust im laufenden Turnier über Melzer. Federer stürmt offenbar unaufhaltsam in Richtung siebentes US-Open-Finale en suite.

„Es war schwer heute“

So einfach, wie es das Resultat aussagt, war es für Federer im ausverkauften Stadion jedenfalls nicht. „Es war schwer heute. Jürgen ist ein guter Spieler, hat großartiges Potenzial. Für ihn ist es auch wichtig, dass er so etwas konstant Woche für Woche bringt, was nicht leicht ist. Aber es scheint, als hätte er den Dreh heraußen.“

Jürgen Melzer ärgert sich.APA/EPA/Justin LaneDas Netz brachte Jürgen Melzer zur Verzweiflung.

Und zum Tiebreak meinte Federer: „Ich hatte wirklich Glück. Vielleicht hätte ich den Tiebreak sowieso gewonnen, aber so ist es eben. Ich habe seine große Frustration nach den zwei Netzrollern und dem ‚overrule‘, das mir einen neuerlichen ersten Aufschlag gegeben hat und ich dann einen Servicewinner bekam, gesehen.“ Danach habe er Melzer mit drei unrein getroffenen Schlägen gebreakt. „Das waren gute zehn Minuten für mich“, gestand Federer.

„Die schönste Tennisbühne der Welt“

Den Zuschauern hat das zweite Duell Federer gegen Melzer gefallen, wohl auch den Stars Cameron Diaz, Gwen Stefani und der New-York-Yankees-Ikone Alex Rodriguez. Auch Melzer ist das nicht entgangen, wenn es auf den Leinwänden im Stadion gezeigt wurde.

„Es ist sicherlich die schönste Tennisbühne der Welt. So eine Atmosphäre ist einzigartig. Die Night Session hier in New York ist, glaube ich, der Traum eines jeden Tennisspielers“, war Melzer doch angetan. „Wenn man hier auch noch so gut spielt, wie ich das heute gemacht habe ... leider mit dem falschen Ergebnis, aber ich hoffe, dass es nicht die letzte Partie auf diesem Platz war.“

Bei Melzer überwiegt Enttäuschung

Für Melzer überwog trotzdem eindeutig die Enttäuschung. „Ich habe das Gefühl gehabt, ich war so knapp dran, das Match mehr als nur offen zu gestalten.“ Dass er bei den Majors in Paris, Wimbledon und den US Open erst an Nadal und zweimal an Federer scheiterte, gibt Hoffnung auf mehr. „Es ist ein bisschen schade, dass ich jetzt in Wimbledon und hier gleich in den Roger reinrenne. Es ist zwar schön, die Setzung so hoch zu haben, aber es gibt ja auch noch andere.“

Dabei war Melzer gar nicht in Topform nach New York gekommen, hatte sich erst über den Kampf mit zwei Fünfsatzsiegen in die dritte Runde gespielt. Erst dort habe er sich beim glatten Erfolg gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero wieder in seine „alte Form“ hineingespielt. „Ich habe mich von einer anderen Seite präsentiert und Matches gewonnen, in denen ich nicht gut gespielt habe.“

Auch sein Manager Ronnie Leitgeb war zufrieden. „Das war eine deutliche Steigerung zu Wimbledon, er braucht sich für die Leistung nicht zu genieren.“ Die vergangenen drei Auftritte seines Schützlings bei Majors konnten sich sehen lassen. „Er verliert gegen die Nummern eins und zwei der Welt, und den Rest schlägt er. Wenn das immer so weitergeht, sind wir sehr zufrieden.“

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Publiziert am 10.09.2010