Themenüberblick

Erstmals Satz abgegeben

Titelverteidigerin Kim Clijsters und der Weltranglistenerste Rafael Nadal werden bei den US Open in New York ihren Favoritenrollen weiter gerecht. Die Belgierin verhinderte am Dienstagabend beim mühsamen 6:4 5:7 6:3 im Viertelfinale gegen die australische French-Open-Finalistin Samantha Stosur aber nur mit einem starken Endspurt ihre erste Niederlage in Flushing Meadows seit sieben Jahren.

Trotz ihres 19. Sieges in Serie gab Clijsters nicht nur erstmals in diesem Jahr einen Satz ab, sondern stand mehrfach mit dem Rücken zur Wand. „Ich habe mich selbst nach dem Match gefragt, wie ich es eigentlich gewonnen habe. Im nächsten Spiel muss alles viel besser werden“, betonte die 27-Jährige, die trotz der 43 unerzwungenen Fehler in einem Match mit zahlreichen Breaks auf beiden Seiten gelassen blieb. „Ich habe keine gute Partie gespielt, aber war offensichtlich in der Lage, sie zu gewinnen. Am Ende des Tages geht es doch nur darum, dass man sein Match gewinnt, ob man nun gut oder schlecht spielt.“

Ihre Halbfinal-Gegnerin ist Venus Williams. Die US-Amerikanerin schaffte durch ein 7:6 (7/5) 6:4 gegen Paris-Siegerin Francesca Schiavone (ITA) erstmals seit 2007 wieder den Sprung in die Vorschlussrunde.

Kim Clijsters mit Samantha StosurReuters/Mike SegarStosur musste sich mit einem Küsschen der Siegerin trösten.

Williams allein auf weiter Flur

Nachdem bei den Herren die letzten US-Amerikaner im Achtelfinale ausgeschieden sind, muss Williams die Ehre der Gastgeber alleine retten. Und das tut sie bisher gut, verläuft das Turnier für sie doch um einiges besser, als man erwarten durfte. Die Nummer drei der Setzliste war mit einem lädierten Knie und einer mehr als zweimonatigen Spielpause nach New York gekommen. Zudem hatte sie seit mehr als einem Jahr kein Semifinale bei einem Major-Turnier mehr erreicht. Nun fehlen ihr nur noch zwei Siege zu ihrem dritten US-Open-Triumph nach 2000 und 2001. „Ich möchte natürlich ins Finale, schließlich ist es ja nur noch ein Schritt bis dorthin“, erklärte die 30-Jährige. „Aber ich konzentriere mich jetzt einmal auf das Semifinale.“

Im Head-to-Head mit Clijsters steht es 6:6, die Belgierin hat aber die letzten vier Duelle gewonnen, darunter auch im Achtelfinale des Vorjahres in New York. „Venus ist eine tolle Spielerin. Sie hat hier in den letzten Partien großes Tennis geboten“, so Clijsters über ihre nächste Gegnerin. „Ich freue mich auf das Match, es wird eine Herausforderung.“

Fans müssen lange auf Nadal warten

Nadal entschied die „spanische Nachtschicht“ gegen seinen Landsmann Feliciano Lopez nach 2:08 Stunden mit 6:3 6:4 6:4 für sich und erreichte mit seinem 18. Sieg in Serie bei einem Grand-Slam-Turnier souverän das Viertelfinale.

Nachdem die vorangegangenen Nachmittagsspiele Überlänge hatten und auch Clijsters nicht wie gewohnt im Schnelldurchgang eine Runde weiter kam, begann die Partie der beiden Freunde erst um 23.08 Uhr Ortszeit. „Ich denke, es war viel härter für die Fans, so lange hierzubleiben“, blieb Nadal nach dem verwandelten Matchball um 1.16 Uhr dennoch gelassen. Der 24-Jährige ist bei der mit 22,6 Millionen Dollar dotierten Hartplatz-Veranstaltung noch ohne Satzverlust und trifft in der Runde der letzten acht auf seinen Landsmann Fernando Verdasco. Die Nummer acht der Setzliste konnte das zweite spanische Duell des Tages gegen David Ferrer in einem Marathon-Match nach 4:22 Stunden und trotz eines 0:2-Satzrückstandes noch mit 5:7 6:7 (8/10) 6:3 6:3 7:6 (7/4) für sich entscheiden.

Rafael NadalAPA/EPA/Andrew GombertNadal hat weiter Grund zur Freude.

„Ich spiele noch nicht mein bestes Tennis“

Neben dem fünffachen US-Open-Champion Roger Federer ist Nadal als einziger Spieler ohne Satzverlust ins Viertelfinale vorgestoßen. „Wenn du bei den US Open bis hierhin keinen Satz abgibst, müssen zwei Sachen stimmen: dein Aufschlag und die Konzentration. Beides war bei mir sehr gut“, freute sich der 24-Jährige. Er spiele besser und besser, stellte er zufrieden fest. „Aber ich spiele noch nicht mein bestes Tennis.“ Dennoch ist Nadal auf der ganz großen Bühne seit seiner Aufgabe wegen Knieproblemen im Viertelfinale der Australien Open am 26. Jänner gegen den Schotten Andy Murray unbesiegt. Den Grand-Slam-Titeln in Paris und Wimbledon soll am Sonntag der nächste Coup folgen.

Davor steht aber erst einmal die Partie gegen Verdasco an. Dabei gibt es das erste rein spanische Viertelfinalduell überhaupt bei den US Open und die Wiederholung des legendären Halbfinales von Australien aus dem Vorjahr, das der spätere Turniersieger Nadal erst nach 5:14 Stunden für sich entschieden hatte.

USA im Tief, Schweiz im Hoch

Immerhin 4:28 Stunden dauerte am Dienstag der Fünfsatzkrimi zwischen dem Schweizer Stanislas Wawrinka und Sam Querrey aus den USA, den der Eidgenosse dank eines Breaks im letzten Game 7:6 (11/9) 6:7 (5/7) 7:5 4:6 6:4 gewann. Damit schied bei den Herren auch der letzte US-Amerikaner aus. Ein Viertelfinale ohne Gastgeber hatte es auch im Vorjahr gegeben, davor allerdings noch nie in der Geschichte der US Open.

Mit dem Erfolg von Wawrinka stehen dafür erstmals zwei Schweizer im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Er muss sich in der nächsten Runde mit Michail Juschni auseinandersetzen. Der Russe setzte sich gegen Tommy Robredo aus Spanien 7:5 6:2 4:6 6:4 durch.

Links:

Publiziert am 08.09.2010