Themenüberblick
Mängel als „reine Kopfsache“
„Die Lehre, die ich auch diesem Spiel ziehe, ist, dass wir mit einem frühen Tor besser ausgesehen hätten. Mit Fortdauer wurde es ein Zitterspiel mit einigen Fehlern. Ein echtes Stressspiel, in dem wir den Pflichtsieg geschafft haben“, analysierte der Tiroler, der auch gleich die Gründe für die schwache Leistung mitlieferte: „Es gab einige Fehler im Spielaufbau. Wir haben die Bälle zu langsam nach außen gespielt und zu viele Ballverluste gehabt.“
Idee mit Linz kam am Spieltag
Dass das Team trotz mehr als einwöchiger Vorbereitung abermals taktisch und spielerisch wenig bis gar nicht überzeugen konnte, beunruhigt Constantini indes nicht. „Das ist ein reine Kopfgeschichte. Außenseiter haben es vom Kopf her immer leichter“, so die Begründung. Kasachstan-Coach Bernd Storck, dessen Team gegen die Türken 0:3 verloren hatte, merkte allerdings diesbezüglich nach dem Spiel an: „Die Türkei wirkte wesentlich eingespielter als Österreich.“
Vielleicht liegt das auch daran, dass Constantini die Idee mit der unorthodoxen Rolle von Roland Linz als Ballverteiler nach eigenen Angaben erst beim Radfahren in der Früh am Spieltag gekommen ist. Da stellt sich natürlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Trainingslagers, wenn das Konzept erst wenige Stunden vor dem Spielbeginn aus dem Hut gezaubert wird. Ein Umstand, der in die Constantini-Ära mit permanent veränderten Taktiken und Aufstellungen passt.
GEPA/Hans SimonlehnerSpäter Jubel ist am schönsten.„Es fehlt an Selbstsicherheit“
Die Stimmung im Nationalteam mag ja gut sein, von einer homogenen Truppe ist das ÖFB-Team noch meilenweit entfernt. „Es fehlt eben an Selbstsicherheit. Um die zu bekommen, braucht man Punkte und Siege. Gegen Kasachstan haben wir einen geschafft. Wenn wir im nächsten Spiel wieder gewinnen, dann wächst auch das Vertrauen“, gibt sich Constantini optimistisch.
Ein Eingeständnis machte der 55-Jährige aber immerhin in Bezug auf den fehlenden Spielmacher, der in den entscheidenden Phasen das Team zusammenhält und die entscheidenden Akzente setzen kann. „Ein Spieler, an dem man sich aufbauen kann, fehlt halt. Es gibt aber schon welche, die laut werden in der Kabine. So etwas hat man oder hat man nicht. Diese Spieler sind aber natürlich auch nicht frei von Fehlern.“
ORF.at/Christian ÖserDer Teamchef erklärt seine Sicht der Dinge.„Die Pfiffe helfen natürlich nicht“
Das Verhalten der Zuschauer habe aber auch dazu beigetragen, dass der Druck und die Unsicherheit der Spieler größer wurden. „Die Pfiffe der Zuschauer helfen im Spiel natürlich nicht. Es ist aber das gute Recht der Fans, ihren Unmut auszudrücken. Manche pfeifen, manche sind neutral, manche jubeln. Als Profi muss man so etwas wegstecken.“ Im speziellen Fall Marc Janko, der bei seiner Auswechslung mit einem gellenden Pfeifkonzert begleitet wurde, meinte Constantini: „Die Fans vergessen eben schnell, was ein Spieler für den Club geleistet hat.“
Auch die Spieler fanden für das Verhalten der Zuschauer nur wenig Verständnis. „Für mich waren die Fans ein wenig zu ungeduldig“, meinte Flügelspieler Jakob Jantscher. „Aber in Österreich ist es halt so: Wenn es nach einer halben Stunde nicht läuft, wird gleich gepfiffen.“ Ähnliches Unverständnis äußerte Stefan Maierhofer. „Da spielst du zu Hause und hast das Publikum gegen dich“, betonte der Duisburg-Legionär. „Das ist nicht schön, aber typisch für Österreich. Das Spiel ist dadurch nur noch nervöser geworden.“
Christian Wagner, ORF.at aus Salzburg
Links:
Publiziert am 09.09.2010