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Österreich mit Quartett vertreten

Weltmeisterschaften im Mutterland des Judo sind für viele Athleten etwas Besonderes. Für Japaner sowieso, aber auch für Ludwig Paischer und Sabrina Filzmoser, die schon viel auf asiatischen Matten trainiert haben und wissen, was auf sie zukommt. Die letzte WM-Medaille hat 2007 Paischer mit Bronze in Rio de Janeiro geholt, in Tokio geht es aber auch um wichtige Punkte für die Olympiaqualifikation.

Das vierköpfige österreichische Team, dem neben den Vizeeuropameistern von Wien, Filzmoser (Klasse bis 57 kg) und Paischer (bis 60 kg), auch Andreas Mitterfellner (bis 66 kg/EM-Dritter) und Max Schirnhofer (bis 90 kg/EM-Fünfter) angehören, reiste am vergangenen Freitag nach Japan und hatte so eine gute Woche Zeit für die Akklimatisierung, beginnen die Bewerbe im Yoyogi Gymnasium doch erst am Freitag.

„Ich habe in den letzten Jahren unzählige Wochen in Japan verbracht, eigentlich ist das fast schon ein Heimspiel für mich. Acht Tage zur Umstellung des Körpers sind optimal“, sagte der 28-jährige Salzburger Paischer, der am Sonntag im Einsatz ist.

Filzmoser denkt auch an Olympia

Filzmoser kämpft bereits einen Tag früher, ein gutes Abschneiden wäre in zweierlei Hinsicht wertvoll. Zum einen, weil die WM als Einzelereignis nach Olympia das wichtigste Event ist, zum anderen, weil sie zum bereits vierten Mal für die Rangliste um einen Startplatz bei den Sommerspielen 2012 in London anschreiben möchte.

„Bis zur EM nächstes Jahr zählen nur fünf Resultate, drei habe ich schon. Ein super Polster, ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich das Olympiaranking anführe. Mit einem guten WM-Resultat könnte ich 2011 ein paar taktische Spielchen machen“, weiß die 30-Jährige, dass mit einem Topergebnis in Tokio das kommende Jahr um einiges einfacher werden könnte. Andererseits geht die „Welt nicht unter“, wenn es in Japan nicht klappen sollte.

In der WM-Vorbereitung hat die Oberösterreicherin auf das traditionelle Formüberprüfungsturnier in Hamburg „nicht freiwillig“ verzichtet und stattdessen die entzündete Schulter auskuriert und gestärkt. Ihre Generalprobe war deshalb bereits zuvor der Sieg beim Grand-Slam-Turnier in Moskau. „Und da habe ich ja gesehen, dass die Schulter stabil ist und hält.“ Der Erfolg in Russland brachte auch eine Verbesserung in der Weltrangliste mit sich. In der am Dienstag veröffentlichten Wertung machte Filzmoser einen Sprung von Rang fünf auf Platz drei.

Judo ist nicht plan- und messbar

Anders als 2009 verlief auch die WM-Vorbereitung für Paischer, was aber nicht schlecht sein muss, gestaltete sich das Großereignis damals ja unerfreulich für ihn. „Für Rotterdam war ich top vorbereitet, habe geglaubt, dass ich Bäume ausreißen kann, und dann bin ich in der ersten Runde am Rücken gelegen. Im Judo ist eben nicht alles plan- und messbar, es kommt auf Kleinigkeiten während des Kampfes an. Unsere Vorbereitung war in Anbetracht der Umstände optimal“, so der Gewinner von zehn Medaillen bei Olympia, WM und EM, der seine Fingerverletzung in den Griff bekommen hat.

Im Gegensatz beispielsweise zu Paris, wo die Zuschauer alle Kämpfer anfeuern, unterstützt das japanische Publikum vorrangig die Lokalmatadore. Filzmoser: „Aber wenn du Weltmeister wirst, hast du genauso viel Aufmerksamkeit wie ein Japaner. Oder wenn du einen Japaner im Finale schlägst, dann hast du einen Status wie ein Gott.“ Österreich hat bisher 13 WM-Medaillen errungen, das letzte Gold holte 1985 in Seoul Peter Seisenbacher.

Keine schlechte Auslosung

Die WM-Auslosung am Mittwoch verlief für Paischer und Filzmoser recht günstig, Mitterfellner und Schirnhofer zogen hingegen schwere Auftaktgegner. Paischer trifft in der ersten Runde auf Kasim Populow aus Turkmenistan. „Lupo“ hatte Glück, denn in einem anderen Pool kommt es schon im ersten Kampf zum Duell zwischen dem regierenden Weltmeister Georgi Santaria aus der Ukraine und Olympiasieger Choi Minh Ho, der im Finale von Peking 2008 Paischer besiegt hatte. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagte ÖJV-Cheftrainer Udo Quellmalz.

Auch Filzmoser, die zum Auftakt auf die Rumänin Andrea Chitu trifft, braucht drei Siege für eine Platzierung und Punkte in der Olympiaqualifikation. Naori Matsumoto, die als einer der sichersten Gold-Tipps der Japaner gilt, ist auf der anderen Seite des Tableaus, die französische Weltmeisterin Morgane Ribout fehlt wegen Grippe.

Mitterfellner bekommt es hingegen gleich mit dem WM-Dritten An Jeong Hwan aus Südkorea zu tun. Auch Weltmeister Tsagaanbaatar Khasbaatar aus der Mongolei wird nur schwer zu bezwingen sein. Schirnhofer, der am Freitag als erster Österreicher im Einsatz ist, trifft gleich auf den regierenden Weltmeister Lee Kyu Won aus Südkorea. Für den EM-Fünften von Wien eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Quellmalz: „Für ihn gilt das gleiche wie für Mitterfellner. Ein Sieg über Lee wäre eine Sensation.“

Bisherige ÖJV-Judo-WM-Medaillen

Gold:
1980 NewYork Edith Hrovat
Gerda Winklbauer
Edith Simon
1985 Seoul Peter Seisenbacher
Silber:
1984 Wien Edith Hrovat
2005 Kairo Ludwig Paischer
Bronze:
1982 Paris Karin Posch
1984 Wien Gerda Winklbauer
1987 Essen Roswitha Hartl
1995 Tokio Patrick Reiter
1997 Paris Patrick Reiter
2005 Kairo Sabrina Filzmoser
2007 Rio de Janeiro Ludwig Paischer
2010 Tokio Sabrina Filzmoser

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Publiziert am 09.09.2010