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Cuche fühlt sich „in Kitz einfach wohl“

Didier Cuche ist seiner Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht geworden und hat die Abfahrt in Kitzbühel zum zweiten Mal in Folge und zum insgesamt vierten Mal für sich entschieden. Der Schweizer verwies am Samstag US-Star Bode Miller um fast eine Sekunde auf den zweiten Platz, Dritter wurde der Franzose Adrien Theaux. Als bester Österreicher freute sich Mario Scheiber über Platz vier, Michael Walchhofer stürzte.

Cuche, schon im Training am schnellsten, zog in der ewigen Bestenliste damit mit Franz Klammer gleich, der als bisher einziger Fahrer die Streif-Abfahrt viermal gewinnen konnte. Zugleich avancierte er mit 36 Jahren zum ältesten Abfahrtssieger und überhaupt ältesten Gewinner eines Weltcup-Rennens. Im Vorjahr hatte Cuche als erst dritter Athlet nach Stephan Eberharter und Hermann Maier in Kitzbühel das Double (Siege in Super-G und Abfahrt) geschafft. Im Ziel ließ er am Samstag seinen Emotionen bei Kaiserwetter und rund 40.000 Zuschauern nach entfesselter Fahrt freien Lauf - Highlights aus Kitzbühel in insider.ORF.at.

Bode Miller, Didier Cuche und Adrien Theaux am Siegerpodest

GEPA/Ch. Kelemen

Miller, Cuche, Theaux (v. l. n. r.) - das Siegespodest der Kitzbühel-Abfahrt 2011

Auch Klammer zollte Respekt: „Das war sensationell, es war ein Traum, Didier zuzuschauen. Man hat gesehen, er wollte gewinnen, es war eine Freude.“ Dabei hatte Cuche nach einem schweren Fehler am Start gar nicht mehr mit dem Triumph gerechnet. „Ich dachte zuerst, das würde diesmal nicht reichen, weil ich oben Probleme hatte. Der Stock blieb im Starthaus irgendwie hängen. Aber ich danke meiner Skifirma, denn der Ski war extrem schnell. Ich fühle mich hier einfach wohl“, sagte der Fleischermeister, der an das Leid von Hans Grugger erinnerte. „Der Grat ist so schmal, auch im Erfolg darf man nicht vergessen, dass man sich auf ganz dünnem Eis bewegt.“

Didier Cuche fährt zum Sieg

ORF.at/Dominique Hammer

Didier Cuche fand am Samstag auf der Streif die beste Linie.

Scheiber kann mit Platz vier „super leben“

Zufrieden und nachdenklich war freilich auch Scheiber, der - in seinen bisherigen zwei Kitz-Abfahrten war er Zweiter und Vierter geworden - seinen zweiten Podiumsplatz um nur 18 Hundertstel verpasste. Platz vier war für den 27-Jährigen angesichts der schwierigen Umstände nach dem schweren Trainingssturz Gruggers wie ein Sieg. Im Super-G wirkte er noch verunsichert. „Ich kann nicht ans Limit gehen“, gestand der Osttiroler. Nach der Abfahrt fiel er im Ziel ausgepumpt in den Schnee. Scheiber hatte alles riskiert und Platz vier gewonnen.

Mario Scheiber bei der Kitzbühel-Abfahrt

ORF.at/Dominique Hammer

Mario Scheiber fuhr als Vierter um 0,18 Sekunden am „Stockerl“ vorbei.

Im Ziel strahlte er. „Damit kann ich super leben. Dass ich das Podium verpasste, ist mir diesmal vollkommen wurscht“, sagte Scheiber, gedanklich immer noch bei seinem verunglückten Teamkollegen. „Deshalb bin ich die Mausefalle mit angezogener Handbremse gefahren. Danach wusste ich: Jetzt muss ich Vollgas geben. Und das klappte gut. Ich habe die richtige Spannung und fühle mich sicher am Ski. Irgendwann wird es auch mit dem ersten Sieg hinhauen“, so Scheiber, der immerhin auf 13 Weltcup-Podien verweisen kann.

Walchhofer scheidet aus

Mit einer Schrecksekunde ging dagegen der letzte Hahnenkamm-Auftritt von Walchhofer zu Ende. Der 35-jährige Salzburger stürzte nach der Ausfahrt aus der Alten Schneise. Walchhofer, der 2006 als bisher letzter ÖSV-Fahrer die Abfahrt in Kitzbühel für sich entscheiden konnte, blieb zwar unverletzt, seinen Abschied von der Streif hätte er sich aber anders vorgestellt.

„Vor der Rechtskurve zum Seidlalm-Sprung bekam ich hinten einen Schlag. Ich war voll in Position, da drückte es brutal hinein. Keine Chance, da wieder herauszukommen. Aber Licht und Schatten wechselten, ich muss eine Welle total übersehen haben“, erklärte Walchhofer, der seine Karriere nach dieser Saison beenden wird, und bedauerte: „Hier vor diesen Massen an Zuschauern nicht ins Ziel zu kommen ist schon schade, das tut weh.“ Immerhin versprach er für die nächsten Rennen Wiedergutmachung - und die Rückkehr auf das Podium.

Wieder Probleme für Kröll

Mit dem neunten Platz auch nicht ganz glücklich war Klaus Kröll, der mit der Empfehlung seines Sieges in Wengen nach Kitzbühel gekommen war, nach seinem Ausfall im Super-G aber auch in der Abfahrt nicht um das Podium mitfahren konnte. „Ich bin nie richtig in Schwung gekommen, aufgrund der vielen Schläge kämpfte ich mehr mit der Linie, als dass ich irgendwann Tempo gewonnen hätte. Ich fuhr die ganze Zeit nur hinten nach“, bilanzierte der 31-jährige Steirer.

Romed Baumann war als erster der sieben Österreicher ins Rennen gegangen und blieb als Zehnter im Rahmen der Erwartungen. Mit Startnummer neun im oberen Teil zu diesem Zeitpunkt noch Schnellster, verhinderten ein paar kleine Schnitzer ein noch besseres Ergebnis des 25-Jährigen. Der Super-G-Zweite Georg Streitberger komplettierte das mannschaftlich gute ÖSV-Ergebnis als Elfter, zeitgleich mit Super-G-Sieger Ivica Kostelic.

Kostelic erneut schnell

Der Kroate, der nach dem Super-G-Sieg in Kitzbühel ein weiteres Topresultat in einem Speed-Rennen verbuchte, hatte vor dem Rennen gemeint: „In der Abfahrt ist es wichtig, zuerst zu überleben und dann ein gutes Resultat zu haben.“ Das gelang ihm mit Platz elf eindrucksvoll. Die Hahnenkamm-Kombination scheint ihm damit kaum mehr zu nehmen zu sein, womit der Gesamtweltcup wieder ein Stück näher rücken würde.

Michael Fruhmann, ORF.at aus Kitzbühel

Herren-Abfahrt in Kitzbühel

1. Didier Cuche SUI 1:57,72
2. Bode Miller USA 1:58,70
3. Adrien Theaux FRA 1:58,90
4. Mario Scheiber AUT 1:59,08
5. Peter Fill ITA 1:59,10
6. Christof Innerhofer ITA 1:59,22
7. Werner Heel ITA 1:59,36
8. Ambrosi Hoffmann SUI 1:59,37
9. Klaus Kröll AUT 1:59,50
10. Romed Baumann AUT 1:59,54
11. Georg Streitberger AUT 1:59,63
. Ivica Kostelic CRO 1:59,63
13. Silvan Zurbriggen SUI 1:59,89
14. Andrej Sporn SLO 2:00,19
15. Yannick Bertrand FRA 2:00,23
16. Erik Guay CAN 2:00,26
17. Aksel Lund Svindal NOR 2:00,28
18. Beat Feuz SUI 2:00,35
19. Hannes Reichelt AUT 2:00,55
20. Carlo Janka SUI 2:00,63
21. David Poisson FRA 2:00,82
22. Patrick Küng SUI 2:00,84
23. Andrej Jerman SLO 2:00,94
24. Johan Clarey FRA 2:00,96
25. Dominik Paris ITA 2:01,02
26. Benjamin Thomson CAN 2:01,19
27. Ted Ligety USA 2:01,39
28. Travis Ganong USA 2:01,51
29. Guillermo Fayed FRA 2:01,53
30. Matteo Marsaglia ITA 2:01,62
Ausgeschieden u.a.: Michael Walchhofer (AUT), Joachim Puchner (AUT), Manuel Osborne-Paradis (CAN)

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