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Kindheitstraum bald Realität?

Bei der U20-WM in Kanada, die Österreich 2007 auf dem sensationellen vierten Platz beendete, hat sich Zlatko Junuzovic erstmals ins Rampenlicht gespielt. Fast vier Jahre danach will sich der offensive Mittelfeldmann mit dem A-Team für die EM 2012 qualifizieren - und mit der Wiener Austria im Bundesliga-Titelkampf ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Das erste Pflichtspiel der Violetten nach der Winterpause am Samstag gegen Ried kommt Junuzovic gerade recht. Der nur 1,73 Meter große „Wirbelwind“ hinter den Spitzen fühlt sich körperlich hundertprozentig fit und machte im Interview mit ORF.at einen mehr als motivierten Eindruck. Junuzovic sprach aber nicht nur über die Chancen auf nationale Meisterehren, sondern auch über die mögliche Erfüllung seines Kindheitstraums von einem Transfer nach Deutschland, seine Rolle als Führungsspieler und die des Geldes in seiner Karriereplanung.

ORF.at: Darf man sich auch für die Frühjahrsrunde auf einen Zlatko Junuzovic in Topform freuen?

Zlatko Junuzovic: Die Pause hat mir sehr gutgetan, und ich habe die Zeit genützt. Vorbereitung und Trainingslager waren gut. Persönlich habe ich heuer vor allem im Ausdauerbereich noch mehr getan, weil mir das bei meiner Spielweise sicher viel bringt. Meine Laktatwerte sind so gut wie nie, aber das sind sie auch bei allen anderen in der Mannschaft. Ich habe an körperlichen Schwächen noch härter gearbeitet, und das bringt jetzt Resultate.

ORF.at: Auch die Resultate, die der Austria im Herbst trotz guter Leistungen hin und wieder gefehlt haben?

Junuzovic: In der Hinrunde hat uns noch die Konstanz gefehlt, jetzt wollen wir uns auch in diese Richtung weiterentwickeln. Spiele, in denen wir mehr Ballbesitz und mehr Torschüsse haben, müssen wir auch gewinnen. Wir wollen weiter attraktiven Fußball spielen, aber was zählt, sind die Punkte.

ORF.at: Ist der Meistertitel das logische Ziel?

Junuzovic: Wir brennen auf das richtungsweisende Heimspiel gegen Ried, mit einem Sieg könnten wir den Rückstand auf zwei Punkte verkürzen. Aber die muss man erst einmal biegen. Über den Titel wollen wir vorerst nicht reden, dazu würden wir eine sehr starke Serie brauchen. Aber ich bin sicher, dass wir uns noch steigern werden. Bis auf den letzten Test (0:1 gegen Brijeg am Samstag, Anm.) haben wir das auch schon erkennen lassen.

ORF.at: Nach diesem Spiel soll Trainer Karl Daxbacher ziemlich böse gewesen sein.

Junuzovic: Die erste Hälfte war einfach nicht okay, da haben wir überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Das darf man aber auch nicht überbewerten, wir hatten bis zur Pause starken Gegenwind und taten uns bei den Angriffen sehr schwer. Vielleicht war es ein gutes Warnsignal vor dem Meisterschaftsstart, jetzt können wir uns voll auf Ried konzentrieren.

Austria-Trainer Karl Daxbacher und Zlatko JunuzovicGEPA/Christian OrtDer Headcoach und sein Offensivgeist bilden ein gutes Gespann.

ORF.at: Stellt der Trainer an Sie besonders hohe Erwartungen?

Junuzovic: Grundsätzlich behandelt er alle Spieler gleich. Aber natürlich spreche ich mit ihm über Standardsituationen und spezielle Situationen. Er weiß, wo er mich einsetzen muss - und er gibt mir alle Freiheiten. Ich fühle mich sehr wohl beim Verein, auch weil alles offen angesprochen wird. Jeder Spieler übernimmt Verantwortung, und das ergibt ein gutes Klima. Wenn mir etwas nicht passt, kann ich auch auf den Putz hauen.

ORF.at: Roland Linz ist bei der Austria Kapitän, wären Sie das auch gerne?

Junuzovic: Ich wäre sicher nicht abgeneigt, jeder würde gerne Austria-Kapitän sein. Aber das ist eine Entscheidung des Trainers. Ich habe meine Rolle im Spiel, und die versuche ich zu erfüllen. Wichtig sind die Erfolge, nicht wer die Schleife auf dem Arm trägt.

ORF.at: Ihr Vertrag läuft noch bis 2012, man hört aber immer wieder von Anfragen ausländischer Vereine.

Junuzovic: Die gibt es von einigen Clubs, aber ich mache mir keinen Druck oder Stress. Zuerst muss alles mit der Austria besprochen sein, da geht es natürlich um die Ablöse. Ich konzentriere mich voll auf die Austria und das Nationalteam. Wenn ich weiter meine Leistung bringe, ergibt sich alles andere von alleine. Aber ich habe immer gesagt, dass es mein Ziel ist, diesen Schritt ins Ausland zu wagen.

ORF.at: Gibt es diesbezüglich Präferenzen, was die Liga oder einen möglichen Club betrifft?

Junuzovic: Grundsätzlich bin ich für alles offen, aber von der deutschen Bundesliga träume ich schon seit meinem sechsten Lebensjahr. Das war immer mein Traum, und es ist sicher die am professionellsten geführte Liga. Die gleiche Sprache würde auch die Integration wesentlich erleichtern, und es spielen ja schon einige Österreicher in Deutschland.

ORF.at: Welche Rolle spielt Geld in Ihrer Karriereplanung?

Junuzovic: Bisher waren es immer sportliche Gründe, warum ich vom GAK zu Kärnten und dann zur Austria gegangen bin. Ich will spielen und mich weiterentwickeln. Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass Geld kein wichtiger Faktor ist. Eine Fußballerkarriere dauert vielleicht 15 Jahre, man will eine finanzielle Basis legen und die Familie versorgen.

Das Gespräch führte Harald Hofstetter, ORF.at

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Publiziert am 11.02.2011