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Gold für den Garmisch-Spezialisten

Erik Guay hat sich am Samstag in überlegener Manier zum neuen Abfahrtsweltmeister gekrönt und damit die erste Medaille in seiner Karriere in Gold geholt. Der Kanadier markierte über die 3.320 Meter lange Kandahar in 1:58,41 Minuten Bestzeit, die von keinem Läufer mehr unterboten werden konnte. Silber ging an Didier Cuche (+ 0,32), Bronze holte Super-G-Weltmeister Christof Innerhofer (0,76).

Für Österreichs Abfahrtsasse geriet das Rennen hingegen zur Enttäuschung: Romed Baumann belegte als bester ÖSV-Athlet den undankbaren vierten Rang. Sein Rückstand auf Bronze betrug 0,34 Sekunden. Michael Walchhofer kam in seinem letzten großen Rennen über Rang sieben (1,87) nicht hinaus. Klaus Kröll wurde Elfter (2,17), Hannes Reichelt fuhr auf Platz 16 (2,58). Die ÖSV-Abfahrer müssen damit zumindest bis zur Heim-WM in Schladming 2013 weiter auf das erste Gold seit 2003 warten.

Mit Traumlauf zum Triumph

Zum überragenden Mann auf der extrem kräfteraubenden Abfahrt, bei der im sehr kurz bemessenen Zielauslauf etliche Läufer völlig ausgepumpt zu Sturz kamen, mutierte aber Guay. Der 29-Jährige aus Quebec machte seinem Ruf als Garmisch-Spezialist alle Ehre, gewann er doch bereits 2007 die Abfahrt und 2010 den Super-G im WM-Ort. Bereits mit Startnummer zehn gelang Guay sein Traumlauf mit Streckenrekord, an dem in weiterer Folge alle Läufer zerbrachen - darunter auch alle Österreicher.

Erik Guay (Kanada)

APA/EPA/Christophe Karaba

Guay auf der Fahrt zum größten Erfolg seiner Karriere.

Guay war nach seinem Triumph trunken vor Glückseligkeit. „Ich muss aufpassen, dass ich nicht ausraste. Das ist ein großartiger Tag, dieser Sieg war auf meiner To-do-Liste ganz oben. Heute Abend werden wir ordentlich feiern, das kann ich versprechen“, jubelte Guay, der sich zum zweiten kanadischen Abfahrtsweltmeister in Folge nach John Kucera 2009 in Val d’Isere krönte.

Baumann „hatte es selbst in der Hand“

Die besten Chancen auf eine Medaille hatte im ÖSV-Lager Baumann. Obwohl dem 25-jährigen Tiroler im oberen Teil zwei schwere Fehler unterliefen, hielt er lange mit. Am Ende fehlte Baumann auf Guay aber über eine Sekunde. „Die Leistung war eine gute, dafür muss ich mich nicht schämen. Vor dem Tröglhang hatte ich einen Fehler. Unten war die Fahrt dann relativ gut, aber mit so einem Fehler reißt man halt nichts. Hier muss man fehlerfrei bleiben und was riskieren. Ich hatte es selbst in der Hand, konnte aber meine Trainingsleistung nicht ganz umsetzen. Vielleicht geht es in der Superkombi besser.“

Romed Baumann (Österreich)

APA/Roland Schlager

Romed Baumann musste sich mit Blech trösten.

Auch Walchhofer, der mit einem guten Gefühl ins Rennen ging, gelang keine problemlose Fahrt. Im Ziel summierten sich die Fehler auf einen Rückstand von fast zwei Sekunden. „1,87 Sekunden hätte ich heute nicht schneller fahren können. Die Sicht hatte vielleicht einen kleinen Anteil, aber das ist kein Grund für meinen Rückstand“, bilanzierte Österreichs letzter Weltmeister.

Kröll war indes nach seiner Fahrt ein wenig ratlos: „Ich habe mich nicht richtig zurechtgefunden, auch aufgrund der vielen Schläge auf der Piste. Ich bin von Anfang an nicht ins Fahren gekommen. Nach dem Training von Freitag war das Gefühl schon besser, aber es hat der letzte Schritt gefehlt. Wie schon in Kitzbühel, da passt irgendwas nicht ganz bei mir.“

Cuche trotzt den Verhältnissen

Walchhofer und Kröll waren aber in guter Gesellschaft, denn fast alle Fahrer der Topgruppe, darunter Aksel Lund Svindal (5./1,42) und Bode Miller (15./2,42), landeten auf der im Vergleich zum Super-G wesentlich weicheren Piste im geschlagenen Feld. Niedrige Startnummern waren bei diesen Verhältnissen sicher kein Nachteil. Die Plusgrade mischten die Karten neu. Einzig Routinier Didier Cuche zeigte mit einer aggressiven Fahrt seine große Klasse und trotzte den Bedingungen. Am Ende reichte es für den Schweizer aber dennoch nicht zum erhofften ersten Abfahrtsgold seiner langen Karriere.

Didier Cuche (Schweiz), Weltmeister Erik Guay (Kanada) und Christof Innerhofer (Italien) am Podium nach der Abfahrt der Herren in Garmisch

APA/Barbara Gindl

Cuche (li.), Guay (mi.) und Innerhofer (re.) standen über der Konkurrenz.

Fehlten dem 36-jährigen Schweizer 2009 in Val d’Isere nur 0,04 Sekunden auf den Kanadier John Kucera, musste er sich diesmal dessen Landsmann Guay geschlagen geben. „Für mich ist das gewonnenes Silber, statt verlorenes Gold. Denn vor dem Start wusste ich schon, dass das schwierig wird. Mit Christof (Innerhofer, Anm.) hätte ich schon gerechnet, vor allem wenn die Piste härter geblieben wäre, und Erik (Guay, Anm.) war schon letztes Jahr beim Weltcup-Finale schnell, als es etwas weicher war. Also für mich sind das keine Überraschungen.“

Zweite Medaille für Innerhofer

Über seine zweite Medaille in Garmisch-Partenkirchen durfte sich Innerhofer freuen. Der Italiener markierte mit Startnummer neun überlegene Bestzeit, unmittelbar danach wurde er aber von Guay gleich von Platz eins verdrängt. Innerhofer, der wegen einer Verkühlung etwas gehandicapt an den Start ging, verpasste damit, sich auf eine Stufe mit Hermann Maier und Bode Miller zu stellen, die in den Jahren 1999 bzw. 2005 das Speed-Double schafften.

Super-G-Vizeweltmeister Reichelt, der bei der Auslosung Pech hatte und statt einer Nummer zwischen eins und sieben als 26. fahren musste, haderte mit den schlechter werdenden Bedingungen. Für den 30-Jährigen war daher vor allem die Leistung von Cuche hervorzuheben, denn „es war ein bisserl ein Nummernrennen. Die Piste wird immer weicher und saugt den Ski an. Im Großen und Ganzen hatte ich keine schlechte Fahrt, ich bin nicht unzufrieden.“

Christian Wagner, ORF.at aus Garmisch

WM-Abfahrt der Herren

1. Erik Guay CAN 1:58,41
2. Didier Cuche SUI 1:58,73
3. Christof Innerhofer ITA 1:59,17
4. Romed Baumann AUT 1:59,51
5. Aksel Lund Svindal NOR 1:59,83
6. Andrej Sporn SLO 2:00,25
7. Michael Walchhofer AUT 2:00,28
8. Johan Clarey FRA 2:00,35
9. Beat Feuz SUI 2:00,47
10. Ambrosi Hoffmann SUI 2:00,48
11. Klaus Kröll AUT 2:00,58
12. Silvan Zurbriggen SUI 2:00,75
13. Steven Nyman USA 2:00,80
14. Peter Fill ITA 2:00,81
15. Bode Miller USA 2:00,83
16. Hannes Reichelt AUT 2:00,99
17. Andrej Jerman SLO 2:01,16
18. Benjamin Thomsen CAN 2:01,18
19. Rok Perko SLO 2:01,50
20. Dominik Paris ITA 2:01,55
21. Ondrej Bank CZE 2:01,77
22. Werner Heel ITA 2:01,79
23. Guillermo Fayed FRA 2:01,99
24. Travis Ganong USA 2:02,19
25. Jan Hudec CAN 2:02,45
26. Hans Olsson SWE 2:02,49
27. Andreas Romar FIN 2:02,50
28. Natko Zrncic-Dim CRO 2:02,57
29. Yannick Bertrand FRA 2:02,66
30. Gasper Markic SLO 2:02,99
Out u.a.: Adrien Theaux (FRA), Patrik Järbyn (SWE)

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