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Eine Stadt wird zum Tollhaus
Reuters/Mike SegarDie Fanzone ist bereit für den großen AndrangZwischen 250.000 und 500.000 Besucher - so diverse Schätzungen - verwandeln das rund 830.000 Einwohner zählende Indianapolis bereits seit einer Woche in ein Tollhaus. Das Zentrum der ansonsten beschaulichen Stadt in Gehweite zum Finalschauplatz Lucas Oil Stadium wurde für die Super Bowl in eine gewaltige Fanzone verwandelt. Vorbild: die Olympischen Spiele 2010 im kanadischen Vancouver. Dem Fan werden jegliche Attraktion geboten, die das Herz begehrt.
Alles erinnert an die Super Bowl
Von Konzerten über Lichtshows bis hin zur „NFL Experience“ – eine interaktive Ausstellung in Sachen NFL und Super Bowl - reicht das Angebot. Im Zentrum der Stadt rund um den Monument Circle erinnert der überdimensionale Schriftzug XLVI, der in der Nacht mit Szenen aus der abgelaufenen Saison beleuchtet wird, daran, worum es am 5. Februar geht.
Die Straße, die so wie alle in Downtown Indianapolis vorübergehend nach einem NFL-Team benannt ist, ist der Beginn der Fanmeile, die sich fast bis zum Stadion erstreckt. Trotz Massenandrangs und alkoholgeschwängerter Stimmung ging es bisher friedlich zu. Ein Großaufgebot der Polizei und 8.000 freiwillige Helfer sorgen dafür.
„Ein sehr guter Platz“
Die räumliche Nähe von Innenstadt und Arena lässt nicht nur die Fans, sondern auch internationale Berichterstatter schwärmen. „Indianapolis ist ein sehr guter Platz für die Super Bowl“, so Bob Costas, seines Zeichens Starreporter des übertragenden TV-Senders NBC. Zum Vergleich: Das Endspiel 2011 fand weit vor den Toren von Dallas, praktisch in der Wüste, statt.
Costas ist nur einer von über 5.000 akkreditierten Journalisten und Reportern. Seine Arbeitsstätte hat der NBC-Analyst so wie seine Kollegen im neu erbauten JW Marriot, in dem das Medienzentrum eingerichtet wurde. Bereits von weitem weist das überdimensionale Bild der Lombardi-Trophy nicht nur Einheimische und Gäste seit einem Jahr auf die Super Bowl hin.
Zuerst Aufregung, dann Stolz
Dabei hätten die Einwohner der Stadt die Austragung der Super Bowl fast noch verhindert. „Viele wollten das neue Stadion nicht, weil es sehr viel Steuergeld gekostet hat“, so ein Einheimischer, der sich unter die zahlreichen Fans aus allen Teilen der USA gemischt hat, „aber jetzt sind wir sehr stolz, Gastgeber sein zu dürfen.“ Sein Sitznachbar pflichtet bei: „Es ist eine unglaubliche Werbung für unsere Stadt.“
AP/Mark HumphreyAuch die Colts-Fans freuen sich auf das Großereignis in ihrer StadtOptimistische Prognosen rechnen zusätzlich zum Werbewert mit Einnahmen für die Stadt von 400 Millionen Dollar. Glück mit dem Wetter kommt dazu: Während im Vorjahr zur gleichen Zeit ein Eissturm Indianapolis in einen überdimensionalen Eislaufplatz verwandelte, herrschen zumindest an den Tagen vor dem Spiel fast frühlingshafte Temperaturen.
Explosion der Zimmerpreise
Das erstmalige Gastspiel des Super-Bowl-Zirkus in Indianapolis bringt aber auch die Schattenseiten des Events zum Vorschein. Zahlreiche evangelikale Prediger, die die Besucher der Fanzone zu bekehren versuchen, sind dabei das geringste Übel. Was Sorgen bereitet, ist die Preisexplosion – vor allem bei Hotelzimmern.
Offiziell fordert die NFL 20.000 Hotelbetten in einer Super-Bowl-Stadt, Indianapolis verfügt jedoch nur über rund 6.000. Für ein Standardzimmer in Zentrumsnähe sind 400 Dollar pro Nacht keine Seltenheit, die Luxushotels in Downtown berechnen gleich 4.000 Dollar für ein Zimmer. Zum Vergleich: Bei früheren Super Bowls waren auch noch kurzfristig Unterkünfte für 200 Dollar zu haben.
AP/Patrick Semansky^Ob horrende Zimmer- oder Kartenpreise - dabei sein ist allesSelbst bei den kommenden Olympischen Spielen in London machen die Zimmerpreise nur ein Drittel der Beherbergungskosten in Indianapolis. Billigere Zimmer gab es nur Monate voraus und rund 20 Autominuten vom Zentrum entfernt - oder erst wieder ab Montag nach dem Spiel, wenn die Preise von 400 auf rund 75 Dollar im Schnitt fallen werden.
Ausweichen nach Chicago
Die Zimmerknappheit in der Stadt sorgt für kuriose Situationen. Zahlreiche Fans weichen ins knapp drei Autostunden entfernte Chicago aus und pendeln per Bus nach Indiana. Selbst dem NBA-Team der Orlando Magic waren die Preise in Indianapolis zu hoch. Die Mannschaft rund um Superstar Dwight Howard residierte vor dem Gastspiel bei den Indiana Pacers lieber in Cincinnati im Bundesstaat Ohio – rund eineinhalb Autostunden von Indianapolis entfernt.
„Es ist verrückt“, wird ein amerikanischer Reporter, der zum 16. Mal bei einer Super Bowl dabei ist, auf Nj.com zitiert, „solche Preise habe ich noch nie gesehen.“ Auch ein Besuch der Fanzone ist nicht billig. Leichtbier wird zu Stadionpreisen verkauft, für simple Hot Dogs werden ebenfalls Gourmetpreise fällig, auch Parkhäuser machen durch die Super Bowl ein großes Geschäft.
Der Schwarzmarkt blüht
Doch die Fans sind gerne bereit zu zahlen - dabei sein ist alles. Wer noch an Karten für das Spiel selbst gelangen will, muss zusätzlich tief in die Tasche greifen „Ich hatte Super-Bowl-Tickets für 900 Dollar pro Stück und habe sie um jeweils 3.000 Dollar verkauft. Ich war schon zweimal bei der Super Bowl“, so ein Einheimischer, der sich so wie die Stadt über ein großes Geschäft freuen kann und wie die meisten Colts-Fans am Sonntag den New York Giants die Daumen drücken wird.
Karl Huber, ORF.at aus Indianapolis
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Publiziert am 05.02.2012