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Chaos in Moskau

Der Skitross ist aus Moskau wieder abgezogen. Die Parallel-Bewerbe am Mittwoch brachten neben der Weltcup-Führung für Marcel Hirscher neben Lob für die Idee auch viel Kritik. Vor allem Modus, Organisation und die Vergabe von Weltcup-Punkten bei einem Show-Event sorgten für Diskussionen. Auch der erwartete Besucheransturm blieb diesmal aus.

Die Verlegung der 50 Meter hohen Rampe vom Vorplatz der Universität neben das Lushniki-Stadion wurde für die Organisatoren zum Eigentor. Aufgrund des unmittelbar nach den Skibewerben ausgetragene Champions-League-Spiels zwischen ZSKA Moskau und Real Madrid hielt sich die Stimmung an der Rampe in Grenzen. Die Terminkollision brachte die Veranstalter gehörig in Stress. Die Slaloms wurden im Eiltempo durchgepeitscht, die Fehlerquote dadurch erhöht.

Philipp Schörghofer kracht gegen die Absperrung

APA/EPA/Sergei Chirikov

Organisatorische Mängel stellten die Action auf der Piste in den Schatten

Verwirrung um Schild

Augenscheinlich war das Chaos beim Viertelfinale zwischen Marlies Schild und der Deutschen Maria Höfl-Riesch. Schild war in der ersten Runde zeitgleich mit der Französin Tessa Worley. Die Österreicherin wurde aufgrund ihrer Bestzeit im ersten Lauf zur Siegerin erklärt und durfte gegen Höfl-Riesch starten. Während der erste Lauf noch ohne Probleme ablief, wurde Schild vor dem zweiten Heat vom Start zurückbeordert. Nach kurzer Verwirrung durfte die Salzburgerin doch fahren, zog aber gegen die Deutsche den Kürzeren.

Bezeichnend: Beim ersten Lauf stand zwar Schild im Starthaus, das TV-Insert beharrte jedoch auf einen Start der Französin Worley. „Es war unsicher, wer starten darf. Aber das war nicht der Grund, warum ich ausgeschieden bin“, sagte Schild diplomatisch. Höfl-Riesch musste übrigens mit geborgten Skiern des Amerikaners Ted Ligety an den Start gehen. Beim Transport der Ausrüstung von Sotschi nach Moskau waren vier Paar Ski der Deutschen „verloren“ gegangen.

Auch die Torrichter waren des Öfteren nicht im Bild. Der spätere Herren-Sieger Alexis Pinturault ließ im ersten Lauf gegen Hirscher klar ein Tor aus, wurde jedoch nicht mit der Strafzeit von 0,50 Sekunden, sondern mit 0,24 Sekunden Rückstand gewertet. Da Hirscher im zweiten Lauf ausrutschte, fiel der Fauxpas der Jury allerdings nicht ins Gewicht.

Diskussion um Weltcup-Punkte

Mehr als die organisatorischen Mängel erregte die Vergabe von Weltcup-Punkten die Gemüter. Aufgrund des begrenzten Teilnehmerfeldes von jeweils 16 Läuferinnen und Läufern bekam man bereits für einen Antritt 15 Punkte gutgeschrieben. Hätte der verletzte Ivica Kostelic genannt, würde der neue Führende im Kampf um die „Große Kristallkugel“ nicht Hirscher heißen. „Die Frage ist, ob man für so etwas Weltcup-Punkte geben soll“, sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. „Kostelic ist ein fairer Bursche, es wäre eine Farce gewesen, wenn er gekommen wäre.“

Österreichs oberster Skifahrer kritisierte die Wettbewerbsverzerrung aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl. „Ich finde es gut, dass Hirscher und (Beat) Feuz von Moskau gleich viele Punkte mitnehmen, denn ich glaube, keinen hätte es gefreut, wenn er durch die Punkte von hier den Weltcup gewonnen hätte“, sagte Schröcksnadel. Für den Tiroler sind Veranstaltungen wie jene in Moskau „eher Promotion für den Skisport“. Trotz aller Kritik begrüßt aber nicht nur der ÖSV-Boss die Eroberung der Städte.

Julia Mancuso im Duell mit Nicole Hosp

GEPA/Christian Walgram

Trotz Eventcharakters gab es in Moskau für die Sieger 100 Weltcup-Punkte

Wien oder New York?

„Es ist lässig zu fahren, es ist einmal ganz was anderes“, sagte Schild. Michaela Kirchgasser stieß ins selbe Horn: „In einer Großstadt zu fahren hat schon einen ganz besonderen Reiz.“ Auch Hirscher, 2010 Sieger in Moskau, steht voll hinter den Parallel-Bewerben. „Uns Athleten taugt es. Wenn es den Zuschauern auch taugt, dann sollte man es beibehalten“, sagte der Salzburger. „Es hat Zukunft, dass man in die Städte geht. Der Modus ist sicher noch nicht optimal. Es ist ausbaufähig“, meinte auch Hirschers Konkurrent Feuz.

Das mangelnde Interesse der Fans könnte aus Sicht der Athleten leicht behoben werden. Auf der Liste der Wunschstädte ganz oben steht Wien. „Ein Rennen in Wien, etwa im Happel-Stadion, wäre sicher sehr lustig“, sagte Schröcksnadel und kündigte ein Vorfühlen in dieser Richtung an: „Ich denke, wir müssen mit dem Bürgermeister reden.“

FIS-Renndirektor Günther Hujara geht noch einen Schritt weiter. Ein Parallel-Slalom in Asien zur Bewerbung der Winterspiele 2018 in Pjöngchang in Südkorea steht im Raum. „Peking ist ein Thema“, wird Hujara in der „Krone“ zitiert. Auch New York City, wo vor einem Jahr ein geplanter Event kurzfristig wieder abgesagt wurde, steht auf der Liste des Deutschen.

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