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Heimvorteil für Feuz

Marcel Hirscher hat sich entschieden. Der 22-Jährige wird erstmals in dieser Weltcup-Saison die Super-G-Skier anschnallen. Hirscher startet am Freitag (11.30 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) beim ersten von zwei Rennen in Crans-Montana. Aber: Nicht der Ausbau seiner Führung im Gesamtweltcup ist das Ziel, sondern die Vorbereitung auf die kommenden Riesentorläufe.

„Mein Gefühl ist so, dass es für mich sicher eine Challenge ist“, so Hirscher in einer Aussendung des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV). Der Salzburger hatte bisher um Speed-Rennen immer einen großen Bogen gemacht und sich voll auf Riesentorlauf und Slalom konzentriert. Bereits nach den Rennen in Bansko, wo Hirscher zweimal den Sieg davongetragen hatte, war über ein Antreten in Crans-Montana spekuliert worden. Er fühlt sich für den Gang auf ungewohntes Terrain jedenfalls bereit.

Marcel Hirscher

GEPA/Christian Walgram

Hirscher geht zuversichtlich in den Super G am Freitag

„Gefühl ist sehr gut“

„Das gesamte Gefühl ist sehr gut“, sagte Hirscher nach der Hangbefahrung. Kein Wunder, reist er doch nicht nur mit der Führung im Gesamtweltcup, sondern auch mit acht Saisonsiegen im Gepäck in den Schweizer WM-Ort von 1987. Hirscher hat im Super-G, abgesehen von Super-Kombinationen, bisher zwei Starts im Weltcup zu Buche stehen. Beim Finale im März 2009 im schwedischen Aare kam er aber über Rang 26 nicht hinaus, im Dezember 2009 wurde der ehemalige Junioren-Vizeweltmeister im Super-G von Val d’Isere Elfter.

Mit dem Kampf um die große Kristallkugel hat sein aktueller Ausflug ins Super-G-Fach laut Eigenaussage nichts zu tun. „Primäres Ziel ist es, das Ganze als gute Vorbereitung auf den Riesentorlauf zu sehen“, so Hirscher, der am Sonntag seinen vierten RTL-Sieg feiern kann. In der Riesentorlauf-Wertung liegt der Salzburger bei noch drei ausstehenden Rennen 81 Punkte vor dem US-Amerikaner Ted Ligety an der Spitze. „Ob ich den Vorsprung im Gesamtweltcup ausbauen kann - falls dies überhaupt möglich ist -, ist sekundär“, so Hirscher.

Ziel ist Platz in Top 30

Die Erwartungen auf einen Spitzenplatz sind gering. „Platz 25 bis 30 wäre schon gewaltig“, meinte der Technikspezialist. Sein ÖSV-Teamkollege Hannes Reichelt ist dagegen überzeugt, dass der Weltcup-Spitzenreiter in der Schweiz in die Top 15 fahren kann. „Wenn ich ihm im Super-G etwas zutraue, dann auf diesem Hang, der einem Riesentorläufer entgegenkommt. Und Marcel ist ja einer der besten Riesentorläufer“, sagte der 31-jährige Routinier.

Nicht nur für Hirscher, sondern auch für die Super-G-Spezialisten geht die Saison in der zweitschnellsten Alpin-Disziplin jetzt erst so richtig los. Durch den Ausfall des Rennens in Kitzbühel hat es seit Gröden am 16. Dezember 2011 keinen Super-G im Herren-Weltcup mehr gegeben. Nun stehen aber gleich fünf Rennen in den kommenden drei Wochen auf dem Programm.

Magisches Crans-Montana

Beat Feuz, in Abwesenheit des verletzten Kroaten Ivica Kostelic der größte Konkurrent des Salzburgers im Gesamtweltcup, hat aufgrund des Restprogramms auch gute Karten, Hirscher von der Spitze der Gesamtwertung zu verdrängen. Der Schweizer Lokalmatador, im Weltcup derzeit 52 Punkte hinter Hirscher Dritter, baut nicht nur auf das Heimpublikum, sondern auch auf die Magie von Crans-Montana. Vor 25 Jahren holte die Schweiz 14 WM-Medaillen, acht davon aus Gold.

Für Österreich endeten die Titelkämpfe hingegen weniger erfreulich. Dreimal Silber und einmal Bronze waren die magere Ausbeute. Erstmals seit 14 Jahren ist Crans-Montana nun wieder Weltcup-Station. Der WM-Super-G, bei dem „Hausherr“ Pirmin Zurbriggen Gold gewann, war überhaupt der bisher letzte Super-G auf der „Piste Nationale“. Nach der Absage von Kitzbühel hat Feuz nun in der Heimat gleich zweimal die Chance, Boden auf Hirscher gutzumachen.

Beat Feuz (SUI)

APA/Helmut Fohringer

Feuz hat in den Speed-Disziplinen klar die besseren Karten in der Hand

Der Schweizer nutzte seinen Heimvorteil und absolvierte in der Vorwoche ein dreitägiges Training in Crans-Montana. „Die Piste war natürlich noch nicht so hart, wie sie sich bei den Rennen präsentieren wird. Aber es war wichtig, die vielen Wellen und Übergänge einmal zu sehen. Diese Erfahrung könnte ein Vorteil sein“, so der 25-Jährige. Der Lokalmatador ist auch das Zugpferd des Wochenendes. Auf der offiziellen Homepage wird mit seinem Bild geworben.

Cuche sagt „Adieu“

Zu einem besonderen Ereignis werden die Heimrennen in Crans-Montana auch für Didier Cuche. Zum letzten Mal können ihn seine Fans in der Schweiz im Weltcup-Einsatz bewundern. „Darauf freue ich mich natürlich,“, sagte der Führende im Abfahrtsweltcup, „aber ich muss es so angehen wie andere Rennen auch. Wichtig wird sein, konzentriert zu bleiben. Deshalb hoffe ich, dass der Rummel um meine Person nicht allzu groß sein wird.“

Dieser Wunsch wird wohl nicht in Erfüllung gehen, denn die 6.000 Zuschauer fassenden Zieltribünen sind für das Wochenende schon längst ausverkauft. Und außerdem erhält Cuche am Samstagabend nach der Super-G-Siegerehrung und der Startnummernauslosung für den Riesentorlauf auf der Eisbahn Ycoor in Montana seinen Preis für den Sieg in der Wahl zum „Schweizer des Jahres 2011“.

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