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Magere 1,17 Treffer pro Spiel

Österreichs Fußballfans werden in der tipp3-Bundesliga nicht gerade mit ansehnlichen Spielen verwöhnt, die Torausbeute ist mehr als überschaubar. Ging man eigentlich mit den mageren drei Toren in der 17. Runde von einem historischen Negativrekord aus, hat sich dieses Ereignis am Wochenende am 22. Spieltag wiederholt. Nur drei von zehn Teams konnten einmal den Ball im Tor unterbringen.

Insgesamt fielen in den ersten zwölf Spielen des Frühjahres nur magere 14 Tore, was einen Schnitt von 1,17 Treffern bedeutet. Rechnet man den 4:1-Erfolg von Mattersburg über Ried heraus, dann sind es überhaupt nur noch 0,82 Treffer pro Partie. Insgesamt 17-mal lautete in dieser Saison der Endstand schon 0:0, wobei nach der Winterpause gleich fünf Nullnummern zu „bestaunen“ waren. Zum Vergleich: In der gesamten Saison 2011/2012 gab es nur 13-mal ein torloses Remis.

Steffen Hofmann und Christopher Trimmel (Rapid) halten sich enttäuscht den Kopf

GEPA/Michael Riedler

Zum Haareraufen: Für die Rapidler ist das gegnerische Tor wie vernagelt

Rapid will, kann aber nicht

Einen großen Beitrag dazu leistet kurioserweise der Tabellenführer. Rapid lieferte am Samstag gegen Sturm bereits die dritte Nullnummer in Serie im Frühjahr sowie die fünfte in den letzten sechs Spielen ab. Die Hütteldorfer haben zwar seit zwölf Partien nicht mehr verloren, das ist jedoch nur ein schwacher Trost für mittlerweile 283 torlose Minuten. „Es ist nicht so, dass wir keine Tore schießen wollen. Momentan fehlt uns ein bisschen das Glück“, sagte Stürmer Athde Nuhiu.

Dass Rapid mit lediglich acht Siegen in 22 Spielen noch immer an der Tabellenspitze liegt, spricht zwar für die Ausgeglichenheit der Liga, ist aber nicht unbedingt gleichbedeutend mit Qualität. Selbst Ried, das insgesamt sieben der zwölf im Frühjahr erzielten Tore kassierte, ist nach drei Niederlagen in Serie mit drei Punkten Rückstand auf Rapid noch immer im Titelrennen. Selbst für Coach Paul Gludovatz ist diese Situation „pervers“ und „widersinnig“.

Trainer Paul Gludovatz (Ried)

GEPA/Walter Luger

Gludovatz konstatiert einen Verfall der Spielkultur in der Bundesliga

Mutlos durch Tabellensituation

Dass die Partien auf keinem guten Niveau geführt werden, hat aber wohl auch mit der aktuellen Tabellensituation zu tun. Mit fünf Teams innerhalb von fünf Punkten - wobei Salzburg ein Spiel weniger ausgetragen hat - kann sich keine Mannschaft einen wirklichen Umfaller leisten. Die Folge ist mutloses Agieren. Im Vordergrund steht die Defensive, frei nach dem Motto „Zuerst kein Tor kassieren und dann hoffen, dass vorne etwas passiert“.

„Wir müssen anerkennen, das momentan mehr Fußball gerauft und gekämpft und hinten zugemacht wird. Dass sieben Teams kein Tor gelungen ist, bestätigt diesen Umstand“, konstatierte Gludovatz. Auch Sturm-Spieler Jürgen Säumel gestand nach der Partie gegen Rapid: „"Wir hatten im Hinterkopf, dass bei einer Niederlage der Abstand zu Rapid schon enorm gewesen wäre. Wir waren etwas blockiert.“ Selbst Salzburg lieferte nach der 1:0-Führung gegen Ried nach der Pause nur noch eine Abwehrschlacht, um die drei Punkte zu retten.

„Wir vergessen, Fußball zu spielen“

Nur auf die Tabellensituation lässt sich die Torflaute aber nicht reduzieren. Auch die Qualität, die durch die Abwanderung von kreativen Spielern wie Zlatko Junuzovic und Nazer Barazite weiter sinkt, spielt eine gewichtige Rolle. Vor allem der Austria bereitet dieser Umstand Kopfzerbrechen. Die „Veilchen“ haben große Probleme, das Spiel zu gestalten. „Die Chancenauswertung könnte sehr viel besser sein. Von daher bin ich natürlich nicht ganz glücklich“, sagte Coach Ivica Vastic. Doch selbst der ehemalige Stürmer stärkt momentan lieber die Defensive.

Taktik ist Trumpf - ein Umstand, den auch ORF-Experte Roman Mählich feststellte. „Generell sind die Mannschaften gut organisiert, das lernt man aber schon in der zweiten Landesliga. Schon meine Lasseer können verschieben und sichern. Das ist Basic. Was wir vergessen, ist, Fußball zu spielen, zu kombinieren und in der Offensive Risiko zu nehmen. Deshalb sehen wir derzeit so viele schwache Spiele wie in den letzten Wochen“, sagte Mählich.

Stöger prognostiziert weitere Nullnummern

Wiener-Neustadt-Trainer Peter Stöger pflichtete seinem ehemaligem ÖFB-Teamkollegen bei und prognostizierte weitere Nullnummern. „Wenn man Spiele gewinnen will, muss man im offensiven Bereich mehr investieren und konsequenter sein. Wenn ich das nicht bin, dann werden wir im ganzen Frühjahr hoffen müssen, dass wir kein Tor bekommen. Dann werden wir halt noch ein paar Mal 0:0 spielen“, so Stöger.

Während die Topclubs ergebnisorientiert auftreten, ortet Wacker-Trainer Walter Kogler bei seinem Team fehlende Klasse. „Wenn man das einfachste Handwerk nicht beherrscht, kann man keine Chance herausspielen. Wir waren sehr weit davon entfernt, wie eine Mannschaft zu spielen, wie man sich das vorstellt. Das ist unbefriedigend“, ging Kogler mit seinen Spielern nach dem torlosen Remis in Wiener Neustadt hart ins Gericht.

Daniel Wolf (Wr.Neustadt) und Alexander Hauser (Wacker Innsbruck)

GEPA/Martin Hoermandinger

Einen Schönheitspreis gewinnen die Wacker-Spieler mit ihrem Kick derzeit nicht

Auch die Admira hat viel von ihrer Offensivkraft vom Herbst verloren und ist bereits seit neun Spielen sieglos. „Gegen Mattersburg ist nicht viel gut gelaufen. Wir haben derzeit kein Rezept, um ein Tor zu erzielen“, sagte Coach Dietmar Kühbauer, dessen Team allerdings nicht als einziges dieses Problem gegen eine kompakte Verteidigung hat.

Spannung als einziger Trost

Nutznießer dieser Situation sind die Schlusslichter Kapfenberg und Mattersburg. Im Tabellenkeller herrscht Aufbruchstimmung. Die Steirer stehen mit dem Rücken zur Wand, haben nichts mehr zu verlieren und können frei von der Leber weg agieren. Die Burgenländer sind mit sechs Punkten und fünf erzielten Toren das erfolgreichste Frühjahrsteam. Und sollte sich der Trend fortsetzen, spielt die Elf von Coach Franz Lederer vielleicht sogar noch um einen internationalen Startplatz. Ausgeschlossen kann in dieser „verrückten“ Saison nichts mehr werden.

Einziger Trost in der verfahrenen Situation ist die große Spannung im Titelkampf. Dass kein Team die Qualität hat, sich abzusetzen, verspricht zumindest einen Nervenkitzel bis zum Saisonfinale. Aber wer weiß, vielleicht steigt mit den Temperaturen auch wieder das Niveau, und der Winterschlaf der österreichischen Bundesliga hat bald ein Ende.

Christian Wagner, ORF.at

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