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„Kann jetzt auf Rekord losgehen“

Die vierte Slalom-Kugel hat Marlies Schild in überragender Manier eingefahren. Nach sechs Siegen und einem dritten Platz am Sonntag in Ofterschwang steht die Salzburgerin vorzeitig als Disziplinsiegerin fest. Es ist ihre insgesamt fünfte Kristallkugel. Neben den Erfolgen im Torlauf 2007, 2008, 2011 und 2012 schlug sie 2007 auch in der Kombination zu.

„Es ist schön, dass ich das heute fix machen konnte, das kann ich für die nächsten Rennen aus dem Kopf streichen“, sagte die 30-Jährige. Jetzt hat Schild noch den Rekord der Schweizerin Vreni Schneider mit 34 Slalom-Weltcup-Siegen im Visier, den kann die Weltmeisterin am Samstag in Aare einstellen und beim Finale in Schladming übertreffen.

Marlies Schild beim SlalomAPA/EPA/Karl-Josef HildenbrandSchild fuhr in dieser Saison im Slalom zumeist ein eigenes Rennen

Dass ihr das Kunststück nicht bereits in Ofterschwang gelang, stört Schild nicht. Auch wenn am Ende nur sieben Hundertstel auf die kanadische Überraschungssiegerin Erin Mielzynski fehlten. „Ich bin wirklich glücklich mit dem Resultat. Natürlich wollte ich gewinnen, aber ich habe gute Punkte gemacht“, so Schild. „Ich bin zufrieden mit dem dritten Platz, ich hatte ja noch keinen (lacht).“

Rekord nur eine Frage der Zeit

Unter Druck setzen lässt sich die Salzburgerin ohnehin nicht. „Ich fahre unabhängig von Kugeln und Rekorden“, so Schild. „Die Kugel war das große Saisonziel. Jetzt kann ich auf den Rekord losgehen, wir werden sehen.“ Den Kopf will sie sich allerdings nicht darüber zerbrechen. „Der Rekord war heuer schon so oft das Thema. Ich glaube, wenn ich locker weiterfahre und nicht viel zum Nachdenken anfange, dann wird sich der Rekord auch hoffentlich einstellen.“

Dass Schneiders Bestmarke übertroffen wird, ist zumindest für die aktuelle Rekordhalterin klar. „Davon bin ich hundertprozentig überzeugt, und das ist auch richtig so“, sagte die 47-jährige Schweizerin im ORF Sport. „Ich habe Marlies schon immer bewundert, und dass ausgerechnet sie meinen Rekord bricht, finde ich fantastisch.“

Vreni Schneider beim SlalomAPA/EPA/Robert RajticMit 34 Slalom-Siegen ist Schneider (noch) das Maß der Dinge

Eindrucksvolle Leistungsbilanz

Ihren ersten Slalom-Weltcup-Sieg feierte Marlies Schild am 13. März 2004 in Sestriere, ihre stärksten Winter waren 2006/07 mit acht Siege (darunter eine Kombination), 2007/08 (fünf Siege) und 2010/11 (sechs) sowie die aktuelle. Die Lebensgefährtin von Benjamin Raich hält bei 35 Weltcup-Erfolgen (33 Slalom, 1 Riesentorlauf, 1 Kombination) und zehn Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften von 2003 bis 2011. Die wertvollste ist das Torlauf-WM-Gold vom Februar des Vorjahres in Garmisch-Partenkirchen.

Karriere am seidenen Faden

Schild zählt zu den größten Skifahrerinnen aller Zeiten - und das, obwohl ihre Laufbahn wegen sechs Knieoperationen mehrmals unterbrochen war und am 9. Oktober 2008 nach einem Trainingsunfall auf dem Rettenbachferner fast viel zu früh zu Ende gegangen wäre.

Nach einem Trümmerbruch und einer Fraktur des Schienbeinkopfes im linken Unterschenkel musste sie monatelang in die Rehabilitation. Kraft gab ihr beim Kampf zurück auch ihr Partner Raich, der sich nach dem vor einem Jahr erlittenen Kreuzbandriss auf dem Weg zurück die vorgelebte Willensstärke der Freundin zum Vorbild nahm und auch bereits wieder einen Weltcupsieg errungen hat.

Ab 14 mit Privattrainer unterwegs

Die am 31. Mai 1981 in Admont in der Steiermark geborene Skirennläuferin hat die Leidenschaft zum Sport von den Skilehrer-Eltern mitbekommen. Als 14-Jährige stellte ihr der Vater in Stefan Bürgler einen Privattrainer zur Seite, weil die Tochter aufgrund ihrer vielen Verletzungen „in kein Schema mehr passte“. Der langjährige Vertrauenstrainer begleitete Schild auch nach ihrer bisher schwersten Prüfung wieder zurück an die Weltspitze, seit 2002 ist er Trainer im Österreichischen Skiverband (ÖSV), seit 2009 in der Weltcup-Gruppe Slalom/Riesentorlauf.

Solange die Freude am Skisport anhält, wird Schild weiterfahren. Die Heim-WM 2013 in Schladming und die Olympischen Spiele 2014 in Krasnaja Poljana/Sotschi stehen als nächste Großereignisse an. Dabei kann die in Arzl im Pitztal im gemeinsam mit Raich gebauten Eigenheim lebende Rennfahrerin auch noch einmal ihre Medaillensammlung erweitern. Die WM-Bilanz steht bei zwei Goldenen (inklusive Team), drei Silbernen und zwei Bronzenen, bei Winterspielen errang sie Slalom-Silber 2010 in Whistler/Vancouver sowie Silber und Bronze 2006 in Turin.

Die meisten Slalom-Siege:
1. Vreni Schneider SUI 34
2. Marlies Schild * AUT 33
3. Erika Hess SUI 21
4. Janica Kostelic CRO 20
5. Anja Pärson * SWE 18
6. Perrine Pelen FRA 15
7. Pernilla Wiberg SWE 14
8. Hanni Wenzel LIE 11
9. Lise-Marie Morerod SUI 10
10. Tamara McKinney USA 9
* noch aktiv
Die meisten Slalom-Kugeln:
1. Vreni Schneider SUI 6
2. Erika Hess SUI 5
3. Marlies Schild AUT 4
4. Janica Kostelic CRO 3
. Brigitte Lafforgue FRA 3
Die meisten Weltcup-Siege:
1. Annemarie Moser-Pröll AUT 62
2. Vreni Schneider SUI 55
3. Lindsey Vonn * USA 51
4. Renate Götschl AUT 46
5. Anja Pärson * SWE 42
6. Katja Seizinger GER 36
7. Marlies Schild * AUT 35
8. Hanni Wenzel LIE 33
9. Erika Hess SUI 31
10. Janica Kostelic CRO 30
* noch aktiv

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Publiziert am 06.03.2012