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Kostelic-Comeback in Slowenien wackelt

Der Zweikampf um den Gesamtweltcup der Herren hat sich am Wochenende zugespitzt. Mit 210 Punkten in den drei Speed-Rennen in Kvitfjell katapultierte sich der Schweizer Beat Feuz wieder an die Spitze vor Marcel Hirscher, der das vor dem TV-Gerät tatenlos mitansehen musste. Am Samstag geht das Duell in Kranjska Gora weiter. Ivica Kostelic dürfte schon aus dem Rennen sein.

Mit den letzten Reserven und einem kuriosen Bieroffert will Feuz seine Gesamtweltcup-Führung beim Saisonendspurt ins Ziel retten. Der am Knie angeschlagene Schweizer baute seinen Vorsprung im Kampf um die große Kugel nach dem Sieg mit einem vierten Abfahrtsrang und Platz drei im Super-G weiter aus. Bei noch sechs ausstehenden Rennen liegt Feuz nun 115 Punkte vor dem Salzburger, der am Freitag seinen 23. Geburtstag gefeiert hatte.

Dass Titelverteidiger Kostelic bei 207 Punkten Rückstand auf Feuz noch in den Weltcup-Zweikampf eingreifen kann, erscheint derweil immer unwahrscheinlicher. Zwar trainiert der 33-jährige Kroate nach einer Meniskusoperation wieder und will Mitte der Woche über einen Einsatz in den Technikbewerben in Kranjska Gora entscheiden. Aus seinem Umfeld war zuletzt allerdings zu hören, dass die Genesung nicht so schnell wie erhofft verläuft.

Ivica Kostelic

GEPA/Wolfgang Grebien

Kostelic kämpft um sein Comeback

Pro und kontra Hirscher

Für Ex-Skistar Marco Büchel ist der Weltcup sogar schon zugunsten von Feuz entschieden. „Kostelic habe ich abgeschrieben. Ich glaube aber auch nicht daran, dass Hirscher in diesem Krimi Feuz noch einmal einholen wird“, wurde der Liechtensteiner im Schweizer „Blick“ zitiert. „Nach Beats beeindruckender Serie in Norwegen steht Hirscher in den letzten Rennen brutal unter Druck. Und zu viel Druck führt gerade im Slalom sehr häufig zu einem Einfädler.“

ORF-Skiexperte Hans Knauss favorisiert Hirscher im Gesamtweltcup dagegen ebenso wie Benjamin Raich. „Obwohl Feuz ein richtig harter Knochen ist und in Kvitfjell trotz Knieproblemen sensationell gefahren ist, sehe ich Hirscher immer noch im Vorteil. Die Piste beim Finale in Schladming ist steil und technisch sehr anspruchsvoll, deshalb traue ich Hirscher zu, dort auch noch im Super-G wichtige Punkte zu holen´“, sagte Knauss. Raich dazu: „Hirscher beherrscht die Szene. Er wird die große Kugel holen.“

Feuz mobilisiert Reserven

Derweil plant Feuz, um seinen Rivalen Hirscher auf Distanz zu halten, sogar beim Riesenslalom in Kranjska Gora und damit in Hirschers Metier an den Start zu gehen. „Aber das werde ich erst in dieser Woche entscheiden, das hängt vom Knie ab“, sagte der 25-Jährige. Im Frühling müssen abgesplitterte Knochen entfernt werden, zuvor will er noch seine Konkurrenz anstacheln. „Ich werde jedem Fahrer, der sich in Slowenien vor Hirscher platziert, ein Bier spendieren“, kündigte er in Norwegen an.

Zuvor hatte Hirscher selbst eine solche Prämie ausgelobt - für jeden Österreicher, der Feuz in Norwegen Punkte wegnimmt. Letztlich musste Hirscher dafür nicht tief in die Tasche greifen. Denn das gelang nur Klaus Kröll bei seinem Sieg in der Abfahrt am Samstag. Im ersten Super-G klassierte er sich ex aequo mit Feuz auf dem ersten Rang, im zweiten am Sonntag wurde der Steirer unmittelbar hinter Feuz als bester Österreicher Vierter - „schade, ich wollte Marcel mehr helfen, aber mit Gewalt geht nichts“.

Hirscher-Start im Super-G?

Und so muss Hirscher sein Glück wieder selbst in die Hand nehmen. Zwei dritte Plätze in Riesentorlauf (Samstag) und Slalom (Sonntag) könnten ihm in Kranjska Gora im besten Fall reichen, um die Führung wieder an sich zu reißen - sofern Feuz leer ausgeht, wenn er im RTL startet. Hilft das alles nichts, könnte Hirscher beim folgenden Weltcup-Finale in Schladming auch im Super-G starten. Im Abfahrtstraining auf der WM-Strecke 2013 konnte Hirscher im Training schon beeindrucken.

Der frühere Schweizer Topstar und vierfache Weltcup-Gesamtsieger Pirmin Zurbriggen lässt sich davon nicht beeindrucken. Er tippt auf Feuz, „weil Hirscher in Schladming in Slalom und Riesenslalom einen großen Nachteil haben wird“, sagte der 49-Jährige und verwies auf die bei höheren Temperaturen möglicherweise schlechten Bedingungen in den zweiten Durchgängen. „Darum wird Hirscher viel anfälliger für Fehler sein als Feuz in den schnellen Disziplinen“, so Zurbriggen. „Zudem wird der Rummel um seine Person in der Heimat noch größer sein. Das macht es für ihn nicht einfacher.“

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