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Hirscher geht seinen Weg

In Kranjska Gora geht der Kampf um den Gesamtweltcup der Herren am Samstag mit dem Riesentorlauf weiter. Fraglich ist weiterhin der Gesundheitszustand von Ivica Kostelic, der sein Comeback geben könnte. Ungewiss ist auch der Start von Beat Feuz. Bester Kräfte erfreut sich im Finale der Saison nur Marcel Hirscher, der sich vom Geplänkel seiner Konkurrenten nicht beirren lässt.

Hirscher gefällt sich in der Rolle des Jägers. 115 Punkte liegt er derzeit hinter Feuz, der in Kvitfjell am vergangenen Wochenende die Führung im Gersamtweltcup an sich gerissen hatte. Kostelic liegt 207 Zähler hinter dem Schweizer auf Rang drei. Hirscher hatte seine Nervenstärke schon in Bansko bewiesen, als er beide Technikbewerbe gewonnen und zwei Tage später in Moskau auch Kostelic von der Spitze verdrängt hatte. Das machte ihm Hoffnung für Kranjska Gora, wo ihm („Ich will als Führender nach Schladming kommen“) das Kunststück wieder gelingen könnte.

„Er hat es selbst in der Hand“

Die große Kristallkugel ist für den 23-Jährigen zum Greifen nahe. „Ich bin sogar überzeugt, dass er sie holt“, wurde Karl Schranz in der „Kronen Zeitung" zitiert. Weil er im Laufe dieser Saison oft genug bewiesen hat, dass er Nerven aus Stahl hat. Dass er extrem cool bleibt, wenn noch so viel auf dem Spiel steht.“ Ex-Superstar Hermann Maier dazu: „Hirschers Chancen sind wirklich sehr gut. Vor allem dann, wenn er vor dem Finale im Weltcup führt. Im Prinzip hat er alles selbst in der Hand.“

In die Hände spielen könnten Hirscher auch die gesundheitlichen Schwierigkeiten seiner Weltcup-Mitstreiter. Kostelic wie auch Feuz gehen mit Schmerzen in die finalen Entscheidungen. Bei beiden hielt das Knie den vergangenen Anstrengungen nicht mehr stand. Über den aktuellen Stand halten sich Kostelic und Feuz eher bedeckt. Keiner der beiden wollte sich im Vorfeld in die Karten schauen lassen. Die Meldungen über ihren Gesundheitszustand wechselten täglich - ob aus Kalkül oder berechtigter Sorge, wird sich in Kranjska Gora zeigen.

Feuz und Kostelic mit Problemen

Aktuell steht hinter dem Start von Spitzenreiter Feuz im Riesentorlauf jedenfalls wieder ein Fragezeichen. Entgegen vorherigen Berichten, soll der Schweizer beim Training am Donnerstag im Salzburger Hinterreit wieder unter Schmerzen in seinem lädierten linken Knie gelitten haben. Knochenabsplitterungen hatten ihm schon seit rund zwei Wochen Beschwerden bereitet. Feuz konnte das Knie in Hinterreit nicht wie erhofft belasten, reiste aber dennoch nach Slowenien weiter.

Beat Feuz und Trainer

GEPA/Thomas Bachun

Probleme für Feuz beim Training in Hinterreit

Die Hangbefahrung am Freitag wird er laut Angaben des Schweizer Skiverbands (Swiss-Ski) jedoch nicht mitmachen. „Erst am Samstag werden wir entscheiden, ob er fahren wird. Jetzt sind die Therapeuten und Ärzte gefragt“, sagte der Schweizer Cheftrainer Osi Inglin, der aber weiter auf einen Einsatz seines Schützlings hofft. „Beat kann momentan nicht die gewohnte Kraft entwickeln, wenn das Knie in einem gewissen Winkel steht. Trotzdem ist es das klare Ziel, dass er in Kranjska Gora fährt.“

Ambivalent waren die Vorzeichen auch bei Kostelic, der sich im Kärntner Innerkrems auf sein Comeback vorbereitete. Während er auf dem Weg zum Lift noch humpelte, agierte er auf der Piste bereits wieder wie vor seiner Verletzung, die er sich in Sotschi Anfang Februar zugezogen hatte. Von den Schmerzen ließ sich der Kroate nicht beirren. „Das Knie tut weh, aber ich probiere alles.“ Sogar Super-G soll Kostelic, der von Schwester Janica moralischen Beistand erhielt, trainiert haben - eine Drohgebärde in Richtung Feuz und Hirscher.

„Taktisch fahren kann ich nicht“

Hirscher lässt das auf ORF.at-Nachfrage kalt. „Wer wann und wo fährt, ist mir egal. Das sehe ich früh genug am Start. Und von den Problemen der anderen lasse ich mich ohnehin nicht irritieren“, sagte der Salzburger, der sich zuletzt auf der Reiteralm vorbereitete, sich „voll im Saft“ fühlt. Dass er selbst wie vielleicht auch Kostelic beim Weltcup-Finale den Super-G („Das ist mein Hang“) bestreitet, steht seit geraumer Zeit fest. Hirscher: „Vorerst zählt aber nur Kranjska Gora, dort muss ich Vollgas geben. Taktisch fahren kann ich ohnehin nicht. Auf das pfeif’ ich, da hätte ich viel zu viel Angst, ein paar Sekunden zu verlieren.“

Michael Fruhmann, ORF.at

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