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Verluste in Millionenhöhe

Die Australier lieben ihren Grand Prix. 2012 haben sie sogar zwei Formel-1-Piloten, denen sie am Wochenende beim WM-Start die Daumen drücken können. Neben Mark Webber für das Weltmeisterteam Red Bull Racing absolviert Daniel Ricciardo für das Zweitteam Toro Rosso seinen ersten Heim-Grand-Prix. Das defizitäre Rennen in Melbourne könnte dennoch schon vor Vertragsende 2015 Geschichte sein.

Die Regionalregierung von Victoria will sich die jährlichen Nettokosten von rund 40 Mio. Euro nicht mehr leisten. Laut Angaben der Zeitung „Herald Sun“ könnte Melbourne daher schon vor Ende des Kontrakts mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone aussteigen. Dieser will im derzeit 20 Grands Prix umfassenden Kalender ohnehin Platz für neue Rennen - 2013 in New Jersey und 2014 in Sotschi - schaffen.

Ecclestone will Nachtrennen

Ecclestone hat Melbourne bereits als das im Moment „am wenigsten überlebensfähige Rennen“ bezeichnet. Zwar waren im Vorjahr an den drei Tagen fast 300.000 Zuschauer gekommen. Die Verluste sind trotzdem groß. Bei den Lizenzgebühren von jährlich 20 bis 30 Mio. Euro will Ecclestone den Australiern nur dann entgegenkommen, wenn sie ein Nachtrennen austragen, um dem europäischen TV-Markt die frühen Beginnzeiten zu ersparen.

„Die Welt blickt auf Melbourne“, steht auf der Werbeplane, mit der die Strecke im Albert Park abgesperrt ist. Normalerweise drängt sich dort am Ufer eines Sees der normale Straßenverkehr. Stolz sind die Australier zwar auf ihr Rennen, das nicht nur bei den Piloten eines der beliebtesten im Kalender ist. In Zeiten von Wirtschaftskrisen und Sparpaketen wird mit Steuergeld aber behutsamer umgegangen.

„Jedes Jahr dasselbe“

Die Diskussionen über einen möglichen Abgang der Königsklasse sind nicht neu. „Eigentlich ist es jedes Jahr dasselbe“, meinte Webber zu den Schlagzeilen, die in Lokalzeitungen sogar dem bevorstehenden Saisonstart der Australian Football League (AFL) Konkurrenz gemacht haben. Das Finale des NAB Cups, des wichtigsten Vorbereitungsturniers in Australiens beliebtester Sportart, steigt am Samstagabend nur eine Stunde nach dem F1-Qualifying.

Dann will sich Webber bereits eine gute Ausgangsposition gelegt haben. Der 35-Jährige war in seinem Heimrennen bisher noch nie besser als Fünfter. 2012 scheint er mit mehr Gelassenheit aus der Winterpause gekommen sein. 2010 hatte ihn ein schwerer Fahrradsturz beeinträchtigt, im Vorjahr der Knacks durch die in den letzten Rennen an seinen Teamkollegen Sebastian Vettel verlorene WM.

Webber soll Vettel „pushen“

Vettel („Australien ist einer der besten Orte, an denen wir fahren“) ist mittlerweile die klare Nummer eins im Team. „Wir brauchen aber zwei starke Piloten, wenn wir die Marken-WM gewinnen wollen“, betonte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko. „Wir wollen, dass sie sich gegenseitig bis zum absoluten Limit und darüber hinaus pushen.“ Webber fährt wie schon in den vergangenen Jahren auf Bewährung, hat einen Einjahresvertrag unterschrieben.

Dass Red Bull dem Australier erneut ein siegfähiges Auto hingestellt hat, bezweifelt in dessen Heimat niemand. „Webbers Mean Machine“ (Webbers Kampfmaschine), titelte die Zeitung „The Australian“ über einer Doppelseite, auf der der neue RB8 analysiert wird. Die Chance, bei seinem Heimrennen ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können, war für Webber vielleicht nie so groß. Zudem könnte es seine letzte sein - aus mehreren Gründen.

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