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Scuderia bittet um Geduld

Ferrari muss schon vor dem ersten Saisonrennen in der Formel 1 Durchhalteparolen ausgeben. Denn das italienische Traditionsteam zählt nach Problemen bei den Testfahrten für den Auftakt am Sonntag beim Grand Prix von Australien in Melbourne (7.00 Uhr MEZ, live in ORF eins) nicht zu den Favoriten.

Der Schaden soll in Australien und den Rennen danach aber in Grenzen gehalten werden, um in der WM zumindest zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Wörtchen mitreden zu können. „Wir müssen in den ersten Rennen die Zähne zusammenbeißen“, gestand Ferrari-Superstar Fernando Alonso. „Es geht nicht darum, im ersten Rennen Erster zu sein, sondern im November, am Ende der Meisterschaft.“

Darauf wartet der Spanier allerdings seit Jahren vergeblich. Seinen bisher letzten WM-Titel hatte Alonso 2006 geholt, den jüngsten für Ferrari fuhr 2007 der aktuelle Formel-1-Rückkehrer Kimi Räikkönen ein. Im Vorjahr gewann Alonso nur das Rennen in Silverstone. Sein Teamkollege Felipe Massa, dessen Tage bei der Scuderia ohne signifikante Verbesserung nach dieser Saison gezählt sein dürften, fuhr nicht ein einziges Mal unter die ersten vier.

Mechaniker stehen neben Ferrrari von Felipe Massa in der Box

GEPA/xpb.cc/Moy

Bei Ferrari blickt man dem Saisonstart mit gemischten Gefühlen entgegen

Probleme nach radikalem Umbau

Ferrari wählte daher beim Design des neuen F2012 einen relativ radikalen Zugang. Standfestigkeitsprobleme waren die Folge, beim für die Aerodynamik so zentralen Auspuff musste zurückgebaut werden.

Nun soll schon im zweiten Saisonrennen am 25. März in Malaysia ein stark überarbeitetes Auto am Start stehen. Denn Ferrari steht mit geschätzt mehr als 800 Mitarbeitern immer noch das größte Team der Formel 1 zur Verfügung. „Die Probleme sind identifiziert“, erklärte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. „Ich hoffe, dass sie so schnell wie möglich behoben werden können.“

Testfahrten gibt es allerdings schon lange nicht mehr unbegrenzt - ein Mitgrund für den Niedergang der Scuderia, die den Sport dank ihrer Ressourcen Anfang des Jahrtausends mit Rekordweltmeister Michael Schumacher noch dominiert hatte. Mittlerweile ist Red Bull dank des technischen Know-hows seiner Mitarbeiter die Nummer eins. „Red Bull liegt an der Spitze“, gestand auch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. „Aber wir werden zurückkehren.“

„Müssen uns noch stark verbessern“

Montezemolo hat der Führung um Domenicali und Technikchef Pat Fry vorerst das Vertrauen ausgesprochen. Auch Alonso versuchte, sich zumindest öffentlich in Geduld zu üben. „Wir müssen uns definitiv noch stark verbessern“, sagte der 30-jährige Doppelweltmeister. „Aber wir müssen ruhig bleiben und einen Schritt nach dem anderen machen. Wir müssen am Anfang der WM alles geben, um zumindest so viele Punkte wie möglich zu holen.“

Dann sei sogar ein Wunder möglich, wie es Italiens Fußballer vor 30 Jahren bei der WM in Spanien vollbracht hatten. Domenicali: „Vielleicht passiert so etwas wie 1982. Italien ist schlecht in die WM gestartet und hat gewonnen, als es darauf angekommen ist.“ Es ist ein dünner Strohhalm, an den sich der Teamchef klammert. Hält er nicht stand, dürfte es ein schwieriges Formel-1-Jahr für Italien werden. Erstmals seit 1970 haben die „Azzurri“ auch keinen eigenen Piloten mehr in der Königsklasse.

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