Themenüberblick

„Fokussiert und konzentriert“

Für Klaus Kröll hat die Schladminger Sonne am Mittwoch am hellsten gestrahlt. Erstmals durfte er die Kristallkugel in der Abfahrt stemmen, womit für den 31-Jährigen ein langjähriger Traum in Erfüllung ging. Nach einem dritten und einem zweiten Weltcup-Rang in den vergangenen Jahren erklomm der Steirer ausgerechnet in der Heimat und zur Freude von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel den Thron in der Königsdisziplin.

Sieben Punkte entschieden für Kröll, dem Beat Feuz noch bange Sekunden bereitet hatte. Der zweite Rang in der finalen Abfahrt hinter dem Norweger Aksel Lund Svindal sollte für den Schweizer letztlich aber zu wenig sein. Kröll („Ich dachte schon, es wäre für mich gelaufen“) durfte befreit durchatmen, während Feuz’ Landsmann Didier Cuche das Zielstadion am Fuße der Planai mit leeren Händen verließ, in der Disziplinenwertung sogar hinter Feuz auf Rang drei rutschte und nun auf die kleine Kugel im Super-G am Donnerstag hofft.

Enttäuschter Didier CucheGEPA/Harald SteinerCuche war mit der Leistung in der letzten Abfahrt seiner Karriere nicht zufrieden

„So einen Abschied habe ich mir natürlich nicht gewünscht. Ich bin enttäuscht, aber nicht wegen der Kugel, sondern wegen meiner Leistung“, sagte Cuche, um den fairen Verlierer zu geben: „Ich möchte in erster Linie Kröll gratulieren, er hat es verdient.“ Kröll dazu: „Ich hab’s schon nicht mehr geglaubt. Am Ende war es knapp, aber es ist sich gut ausgegangen. Das ist weitaus mein größter Erfolg. Das Ganze auch noch in meiner Heimat, vor meinen Freunden, einfach ein Traum und ein unbeschreibliches Gefühl.“

Kröll hält großem Druck stand

Dem Steirer war ein Stein vom Herzen gefallen. Der Druck sei im Vorfeld groß gewesen. Alle hätten sich die Kugel von ihm erwartet. Er selbst versuchte, kühlen Kopf zu wahren. „Ich musste mich konzentrieren, war fokussiert, durfte nur ans Skifahren denken und so gut wie möglich auf das Rennen vorbereiten. Ich wusste, ich muss alles geben“, erläuterte Kröll. „Ich weiß auch, wie wichtig die Abfahrt in Österreich ist und welch hohen Stellenwert sie hat. Umso stolzer bin ich jetzt, für Österreich diesen Titel geholt zu haben.“

Start von Klaus KröllGEPA/Hans SimonlehnerVom Start bis ins Ziel musste Kröll „alles geben“

Kröll ist der insgesamt elfte Österreicher und der erste nach Michael Walchhofer vor zwei Jahren, der die Abfahrtskugel stemmen durfte. Auch nahm er Revanche für die vergangene Saison, als Cuche zum vierten Mal triumphierte, Kröll hinter Walchhofer nur Dritter geworden war. Dass er nach Walchhofers Abschied im ÖSV-Speed-Team die Führungsrolle übernehmen musste, beflügelte - diesen Ansprüchen wurde er mit Bravour gerecht, wuchs sogar über sich hinaus: Zwei Abfahrten gewann Kröll in dieser Saison, dreimal wurde er Dritter, schlechter als Achter war er nie.

Überglücklicher ÖSV-Präsident

„Ich muss mich mächtig zusammenreißen, dass nicht alle Emotionen rauskommen“, sagte Kröll, den Tränen nahe. „Ich bin unglaublich froh, dass es gereicht hat. Es wurde nochmals richtig eng. Aber es war eine Super Saison für mich.“ In Schladming jubelte mit Lokalmatador Kröll auch sein Fanclub, Ehefrau Silvia und Sohn Tim, der am Mittwoch seinen sechsten Geburtstag feierte. „Ich denke, ich habe ihm ein schönes Geschenk bereitet“, so Kröll, der die laufende Saison nach der kugellosen vergangenen für die ÖSV-Herren schon jetzt zu einer erfolgreichen machte.

Mit Kröll strahlte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der diesem „die wichtigste kleine Kristallkugel“ überreichen durfte. „Klaus hat sich das wirklich verdient. Die Entscheidung fiel zwar extrem knapp aus, aber dennoch ist Klaus momentan der beste Abfahrer. Auch Beat muss man Respekt zollen. Ein genialer Skifahrer und sehr sympathischer Bursche“, sagte Schröcksnadel. „Krölls Sicherheit zeichnet ihn aus, er ist nie ausgefallen, bringt konstante Ergebnisse das macht seine Stärke aus. Außerdem ist er ein geiler Typ“, entgegnete Feuz, der seinen eigenen zweiten Rang mit Augenzwinkern kommentierte - denn seine große Zeit könnte in Schladming auch noch kommen.

Michael Fruhmann, ORF.at aus Schladming

Weltcup-Finale 2012 in Schladming

Mittwoch, 14. März:
Abfahrt Herren Aksel-Lund Svindal Klaus Kröll *
Abfahrt Damen Lindsey Vonn Lindsey Vonn *
Donnerstag, 15. März:
Super-G Herren Christof Innerhofer Aksel-Lund Svindal *
Super-G Damen Viktoria Rebensburg Lindsey Vonn *
Freitag, 16. März:
Teambewerb Österreich Österreich *
Samstag, 17. März:
Slalom Damen Michaela Kirchgasser Marlies Schild *
RTL Herren Marcel Hirscher Marcel Hirscher *
Sonntag, 18. März:
Slalom Herren Andre Myhrer Andre Myhrer *
RTL Damen Viktoria Rebensburg Viktoria Rebensburg *
* Weltcup-Sieger

Links:

Publiziert am 15.03.2012