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Baumgartners Leben hängt an der Kapsel

Felix Baumgartner wird für seinen Sprung aus der Stratosphäre in einer von Hand gebauten Kapsel in 36 km Höhe gebracht. Diese dient dem 42-Jährigen während der fast dreistündigen Reise an den Rand des Weltraums als einziger Schutz. Von den ersten Planungen bis zur Enthüllung der Kapsel sind fünf Jahre vergangen.

Die Druckkapsel wird Baumgartner mit ihren Lebenserhaltungssystemen als Schutz vor den lebensbedrohlichen Bedingungen in der Stratosphäre dienen - Temperaturen von bis zu minus 56 Grad Celsius, niedriger Sauerstoffgehalt, geringer Luftdruck.

Blick auf die Erde von der Stratosphäre aus

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Der Blick aus der Stratosphäre

Die extremen Bedingungen machen das reibungslose Funktionieren der essenziellen Kommunikations- und Kamerasysteme an Bord zu einer großen Herausforderung. Unter der Leitung des technischen Direktors Art Thompson wurde die hochmoderne Kapsel in den USA von Hand gebaut. Sie entstand in intensiver Zusammenarbeit führender Experten auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt. Auf diese Weise werden eine erfolgreiche Umsetzung der Stratos-Mission ermöglicht und gleichzeitig wichtige wissenschaftliche Daten für künftige Missionen gesammelt.

So läuft die Mission ab

Ein Heliumballon wird das 1.315 Kilogramm schwere Modul an einem 50 Meter langen Seil auf etwa 36.000 Meter Höhe ziehen. Die Kapsel ermöglicht durch Normaldruck, permanente Sauerstoffzufuhr und eine genaue Luftdruckregelung eine natürliche Atmung. Baumgartner ist während seiner Reise an einem Sitz festgeschnallt, der genau an die Maße seines Raumanzugs angepasst ist.

Mit 89 Knöpfen und Schaltern kann er bei Bedarf alle Abläufe manuell selbst steuern. In der Zielhöhe angekommen, kann Baumgartner die Kapsel durch eine 1,5 Zentimeter dicke Luke aus durchsichtigem Acryl verlassen und sie beim Absprung als stabile Plattform nutzen. Nachdem Baumgartner abgesprungen ist, wird die Kapsel per Fernsteuerung vom Heliumballon losgelöst und mittels eines Fallschirmsystems langsam zur Erde sinken.

Felix Baumgartner steigt in die Kapsel

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Zum Probesitzen in der Kapsel

Vier wesentliche Bauteile

Die Kapsel besteht aus vier wesentlichen Bauteilen. Der „Druckbereich“ hat einen Durchmesser von rund zwei Metern und beinhaltet das Bedienfeld samt allen dazugehörigen Knöpfen und Schaltern. Die Kugel selbst ist aus fiberglasverstärktem Kunststoff und Epoxid gebaut, Luke und Fenster wurden aus Acryl angefertigt. Innerhalb des Druckbereichs herrscht ein permanenter Luftdruck von etwa 0,5 bar, was dem Luftdruck in einer Höhe von ungefähr 4.800 Metern entspricht.

Der Käfig umschließt den Druckbereich und stärkt die Kapsel. Er wurde aus Chrom-Molybdän-Röhren zusammengeschweißt, die aufgrund ihrer Stärke häufig im Rennsport und in der Raumfahrt eingesetzt werden. Das Seil, das die Kapsel mit dem Heliumballon verbindet, wird am Käfig befestigt sein. Außerdem muss der Käfig den Belastungen standhalten, die durch das Auslösen des Fallschirmsystems und die anschließende Landung auf der Erde entstehen.

Felix Baumgartner mit Druckanzug sitzt in einer kleinen Kapsel mit Bedienelementen

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Baumgartners Arbeitsplatz bis zum Absprung

Außenhülle und Sockel

Die knapp vier Meter hohe und zweieinhalb Meter breite Außenhülle umschließt sowohl den Druckbereich als auch den Käfig. Sie ist eine dünne Membran mit einer Isolierungsschicht aus Schaumstoff und Fiberglas und soll vor den extremen Temperaturen schützen.

Der Sockel (2,5 m breit) besteht aus einer fünf Zentimeter dicken Aluminiumplatte mit Leichtbauweise, die die Kapsel während der Landung vor spitzen Objekten schützt. Außerdem werden dort eine Kontrollbox für das Fallschirmsystem sowie Batterien angebracht. Auf der Unterseite befinden sich die sogenannten „Crush-Pads“. Sie bestehen aus verstärktem, wabenförmigem Karton und einer Verkleidung aus Fiberglas und Epoxid. Sie sollen einer Belastung von bis zu acht g standhalten und wurden in über 150 Versuchen entwickelt.

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