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Nachdenklicher Weltmeister

Wechselnde Wetterbedingungen mit Regen vor und zwischen den Trainingseinheiten hat am Freitag zuverlässige Rückschlüsse auf die Hackordnung in der am Sonntag mit dem Grand Prix von Australien (7.00 Uhr MEZ, live in ORF eins) beginnenden neuen Formel-1-Saison verhindert. Doch bei Weltmeister Sebastian Vettel schrillten bereits die Alarmglocken.

Die schnellsten Zeiten im Albert Park von Melbourne markierten die McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton. Auch Rekordweltmeister Michael Schumacher im Mercedes unterstrich seine Ambitionen, im dritten Jahr seines Comebacks erstmals wieder an der Spitze mitzumischen.

Sebastian Vettel mit skeptischen Blick

AP/Andrew Brownbill

Der Weltmeister war mit dem ersten Trainingstag nicht ganz zufrieden

Auf Red Bull wartet noch einige Arbeit

Vettel musste sich hingegen mit den Rängen elf und zehn begnügen und war danach nicht wirklich zufrieden. „Wir müssen noch ein bisschen zulegen und mehr über das Auto lernen“, sagte der 24-jährige Deutsche. Nach einem Plausch mit seinem Teamkollegen Mark Webber ging er am Nachmittag erst nach rund 45 Minuten auf die nur langsam abtrocknende Strecke. Und das, nachdem schon in den ersten anderthalb Trainingsstunden bei Vettel wenig gepasst hatte. „So ziemlich alles war nicht so gut“, gab er zu. „Wichtig ist, dass wir über Nacht einen Schritt nach vorne machen.“

Sollte das nicht der Fall sein, dann könnte es im Qualifying am Samstag sogar eng werden, so der Weltmeister. „Das ist kein Scherz: Es ist wichtig, ins dritte Qualifying zu kommen.“ Der Deutsche ist sich nach wie vor über die Kräfteverhältnisse unsicher: „Ich weiß, dass alle auf eine Antwort brennen.“ Geben konnte Vettel sie nicht. „Wir haben aerodynamische Sachen ausprobiert“, sagte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko.

Eine Tagesbestzeit ist immer schön

McLaren dürfte weiterhin erster Herausforderer der im Vorjahr überlegenen „Bullen“ sein. „Es sieht immer noch eng zwischen uns, Red Bull und Mercedes, aus“, so Hamilton. Und Button stellte fest: „Auch wenn es nicht allzu viel bedeutet, ist es immer schön, mit der Tagesbestzeit die Saison zu beginnen. Das Wetter war nicht sehr hilfreich, aber es war für alle gleich. Ich glaube, wir können zufrieden sein.“

„Aber auch Mercedes ist sehr stark“, erinnerte Marko. Schumacher erzielte am Nachmittag, nachdem eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn ein Wolkenbruch niedergegangen war, in 1:29,183 Bestzeit. In der ersten Session war der Deutsche auf trocknender Strecke sogar bereits 1:28,235 gefahren, Button war aber noch einmal mehr als sechs Zehntelsekunden schneller.

Mercedes mit technischem Trick

Der Aufschwung von Mercedes - im Vorjahr nicht ein einziges Mal unter den ersten vier - ist auch einem technischen Trick geschuldet, den der Automobil-Weltverband (FIA) in Melbourne für regelkonform erklärt hat. Mit der Überholhilfe DRS aktiviert sich dabei ein Luftschacht durch das Auto, der für einen Strömungsabriss und mehr Topspeed sorgt. Andere Teams dürften zum Nachrüsten gezwungen werden. „Darüber zu reden, ist aber noch zu früh“, so Marko.

Mercedes verteidigte seine Bauweise. „Innovation ist ein großer Teil der Formel 1“, betonte Teamchef Ross Brawn, dessen Rennstall schon 2009 den für Button WM-bringenden Doppeldiffusor gebaut hatte. „Dieses System ist kein so massiver Vorteil“, sagte Brawn. „Es ist außerdem nicht wirklich kompliziert.“ Für Schumacher reicht es aber, erstmals nach seiner Rückkehr in die Königsklasse wieder ernsthaft mit einem Podestplatz spekulieren zu dürfen.

Stallgefährte Nico Rosberg war mit deutlich mehr Sprit an Bord unterwegs und kam auf die Ränge sechs und neun. „Wir haben gesehen, dass wir bei verschiedenen Bedingungen konkurrenzfähig sind“, freute sich Schumacher. Aufschlüsse auf trockener Strecke erhielten die Teams kaum. „Dieser Tag fehlt allen“, erklärte Österreichs dreifacher Weltmeister Niki Lauda. Schumacher allerdings wolle es noch einmal wissen. Lauda: „Er braucht ein gutes Auto. In den ersten beiden Jahren hat er keines gehabt, jetzt hat er es.“

Alonso zweimal Vierter

Zugetraut wird Mercedes damit sogar mehr als Ferrari - trotz zweier vierter Trainingsränge von Fernando Alonso. Dessen Teamkollege Felipe Massa verabschiedete sich im ersten Training gleich ins Kiesbett. Rückkehrer Kimi Räikkönen, in den Tests der Schnellste, fuhr im Lotus auf die Plätze neun und 18. Aufschlüsse über das wahre Kräfteverhältnis dürfte aber erst das Qualifying am Samstag (7.00 Uhr MEZ, live in ORF eins) bringen.

Grand Prix von Australien in Melbourne

Erstes Freies Training:
1. Jenson Button GBR McLaren 1:27,560
2. Lewis Hamilton GBR McLaren 1:27,805
3. Michael Schumacher GER Mercedes 1:28,235
4. Fernando Alonso ESP Ferrari 1:28,360
5. Mark Webber AUS Red Bull 1:28,467
6. Nico Rosberg GER Mercedes 1:28,683
7. Daniel Ricciardo AUS Torro Rosso 1:28,908
8. Pastor Maldonado VEN Williams 1:29,415
9. Kimi Räikkönen FIN Lotus 1:29,565
10. Kamui Kobayashi JPN Sauber 1:29,722
11. Sebastian Vettel GER Red Bull 1:29,790
12. Nico Hülkenberg GER Force India 1:29,865
13. Paul di Resta GBR Force India 1:29,881
14. Bruno Senna BRA Williams 1:28,953
15. Sergio Perez MEX Sauber 1:30,124
16. Romain Grosjean FRA Lotus 1:30,515
17. Heikki Kovalainen FIN Caterham 1:30,586
18. Felipe Massa BRA Ferrari 1:30,743
19. Jean Eric Vergne FRA Torro Rosso 1:31,178
20. Witali Petrow RUS Caterham 1:31,983
21. Timo Glock GER Marussia 1:34,730
22. Charles Pic FRA Marussia 1:40,256
23. Narain Karthikeyan IND HRT -
24. Pedro de la Rosa ESP HRT -
Zweites Freies Training:
1. Michael Schumacher GER Mercedes 1:29,183
2. Nico Hülkenberg GER Force India 1:29,292
3. Sergio Perez MEX Sauber 1:30,199
4. Fernando Alonso ESP Ferrari 1:30,341
5. Kamui Kobayashi JPN Sauber 1:30,709
6. Paul di Resta GBR Force India 1:31,466
7. Felipe Massa BRA Ferrari 1:31,505
8. Heikki Kovalainen FIN Caterham 1:31,932
9. Nico Rosberg GER Mercedes 1:32,184
10. Sebastian Vettel GER Red Bull 1:32,194
11. Mark Webber AUS Red Bull 1:32,296
12. Timo Glock GER Marussia 1:32,632
13. Witali Petrow RUS Caterham 1:32,767
14. Romain Grosjean FRA Lotus 1:32,822
15. Jenson Button GBR McLaren 1:33,039
16. Lewis Hamilton GBR McLaren 1:33,252
17. Pastor Maldonado VEN Williams 1:34,108
18. Kimi Räikkönen FIN Lotus 1:34,275
19. Bruno Senna BRA Williams 1:34,312
20. Jean Eric Vergne FRA Torro Rosso 1:34,485
21. Daniel Ricciardo AUS Torro Rosso 1:34,604
22. Charles Pic FRA Marussia 1:34,770
23. Narain Karthikeyan IND HRT 1:42,627
24. Pedro de la Rosa ESP HRT -

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