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Wetterkapriolen und Rücktritte

Die abgelaufene Skisaison hat nicht nur große Gewinner, sondern auch prominente Verlierer gesehen. Vor allem Titelverteidiger hatten es im Skiwinter 2011/12 nicht leicht. Sowohl Ivica Kostelic als auch Maria Höfl-Riesch wurden vom Thron des Gesamtwelcups gestoßen. Ein hartes Leben hatten auch die Veranstalter im Kampf mit dem Wettergott.

In der vergangenen Saison lieferte Höfl-Riesch Lindsey Vonn noch ein spannendes Duell um den Gesamtsieg und hatte am Ende knapp die Nase vorne. Heuer stand die Deutsche klar im Schatten ihrer amerikanischen Konkurrentin. War Höfl-Riesch in der Vorsaison noch sechsmal - plus ein Sieg mit Deutschland im Teambewerb - auf dem Stockerl ganz oben gestanden, durfte sich die 27-Jährige heuer nur dreimal über einen Sieg freuen.

Ivica Kostelic (Kroatien)

APA/Barbara Gindl

Kostelic musste den Kampf um Kristall aus der Ferne beobachten

Vor allem in den schnellen Disziplinen blieb die Deutsche heuer hinter den Erwartungen. Der Sieg bei der Olympiageneralprobe für Sotschi 2014 in Krasnaja Poljana blieb die lobenswerte Ausnahme. Höfl-Riesch ließ zudem viele Chancen ungenützt. Insgesamt neunmal inklusive des letzten Riesentorlaufs in Schladming kam die entthronte Titelverteidigerin nicht ins Ziel. Am Ende waren bei der Deutschen „die Akkus leer“.

Knie bremst Kostelic

Nicht von Formschwäche, sondern vom lädierten Meniskus im Knie wurde Kostelic ausgebremst. Die Olympiageneralprobe von Sotschi wurde für den Kroaten zum Wechselbad der Gefühle. Den Sieg bei der Superkombi bezahlte Kostelic mit seiner Knieverletzung und schied damit als damaliger Spitzenreiter im Weltcup aus dem Rennen um die Titelverteidigung aus. Zwar kämpfte sich der 32-Jährige im Rekordtempo auf die Piste zurück, in den Kampf um die große Kristallkugel konnte er jedoch nicht mehr eingreifen.

Zu allem Überdruss musste Kostelic auch in der Slalomwertung am Ende durch die Finger schauen. Ein Ausrutscher im letzten Torlauf in Schladming servierte dem Schweden Andre Myhrer die kleine Kugel auf dem Silbertablett - eine Einladung, die der 29-Jährige aus dem Städtchen Bergsjö dankend annahm. „Ich musste besonders viel riskieren, weil mein Körper in keinem guten Zustand ist“, sagte Kostelic, der heuer dreimal im Slalom gewinnen konnte.

Wetter spielt verrückt

In keinem guten Zustand waren heuer oftmals auch die Pisten im Weltcup. Schuld daran war das Wetter. Frühlingshafte Temperaturen, vor allem gegen Ende der Saison, setzten die Pistenarbeiter unter Druck. „Gegen die Wärme hatten wir keine Chance“, sagte Günther Hujara, FIS-Renndirektor bei den Herren, „wir hatten bei 82 Prozent der Rennen Temperaturen über null Grad.“ Bei den Damen-Rennen in Ofterschwang etwa kletterte das Thermometer auf 20 Grad Celsius.

Während in Deutschland gefahren wurde, hatten andere Stationen weniger Glück mit dem Wetter. Die Rennen im finnischen Levi im November fielen ebenso wie jene im französischen Val d’Isere wegen Schneemangels aus, in Courchevel verhinderte wiederum zu viel Schnee eine Austragung. Bei den City-Events in München wiederum suchte man Schneeflocken vergeblich. Und stimmte die Piste wie in Soldeu in Andorra, machten Sturmböen den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung.

Lindsey Vonn (USA)

Reuters/Wolfgang Rattay

In Ofterschwang hatte Vonn mit der Sonne mehr Freude als die Piste

Einfädler und „Vernaderer“

Sportliche Verlierer waren vor allem bei den routinierten ÖSV-Herren zu finden. Die Slalomkugel wäre das große Ziel von Reinfried Herbst gewesen, doch dem Salzburger Routinier klebte heuer die Seuche an den Skiern. Der Ausfall in Schladming, bereits sein vierter „Nuller“ in dieser Saison, setzte den passenden Schlusspunkt hinter eine verpatzte Saison. Platz acht im Nachtslalom von Schladming Ende Jänner blieb das beste Resultat des 33-Jährigen. Nicht viel besser lief es für Manfred Pranger. Der Weltmeister von 2009 sah das Podest nur aus der Ferne, Rang fünf beim Slalom von Flachau war das höchste der Gefühle.

Ein sprichwörtlicher Einfädler war auch die Diskussion über die Slalomresultate von Gesamtweltcup-Sieger Marcel Hirscher. Eine SMS an die „Kronen Zeitung“ über vermeintlich übersehene Torfehler des Salzburgers in Adelboden und Zagreb sorgte vor den Saisonhöhepunkten in Kitzbühel und Schladming für Aufregung. Die Suche nach einem internen ÖSV-„Vernaderer“, dazu verbale Giftpfeile von Kostelic verwandelten den Kampf um Hundertstelsekunden in eine Schmierenkomödie.

Abschied von zwei Großen

Verloren hat der Skisport in dieser Saison auch zwei seiner erfolgreichsten Persönlichkeiten. Die Schwedin Anja Pärson und der Schweizer Didier Cuche verabschiedeten sich beim Weltcup-Finale in Schladming in die Skipension. Pärson gewann als eine von fünf Damen Weltcup-Rennen in allen Disziplinen, holte zweimal den Gesamtweltcup und insgesamt sieben Gold bei Weltmeisterschaften. 2006 in Turin setzte sich die 30-Jährige zudem die olympische Krone im Slalom auf.

Cuche stellte nach insgesamt 22 Weltcup-Siegen seine Ski ins Eck. Der 37-jährige Super-G-Weltmeister von 2009 gewann viermal den Abfahrtsweltcup und ist mit fünf Erfolgen auf der Streif Rekordsieger in Kitzbühel. „Skipensionist hört sich ein bisschen komisch an“, sagte Cuche nach seinem letzten Rennen in Schladming, „aber ich werde mich daran gewöhnen.“ Auch Österreich ist um einen prominenten Skipensionisten reicher. Mario Scheiber beendete nach zahlreichen Verletzungen schon vor dem Finale in Schladming seine Karriere.

Karl Huber, ORF.at

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