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Vorfreude auf Materialtests

Der Himmel im alpinen Skisport ist nicht erst seit Sonntag um einen Stern heller. Der „Hype“ um Marcel Hirscher hat aber spätestens seit seinem Sieg im Gesamtweltcup eine neue Dimension erreicht. Eine Dimension, in die zuletzt Hermann Maier vordringen konnte. Mit dem „Herminator“ will sich der Salzburger trotzdem nicht vergleichen lassen.

„Mein Name klingt für mich noch so fremd in der Liste“, sagte Hirscher am Mittwoch bei seiner Pressekonferenz zum Saisonabschluss in Wien. Dabei ist sein Name seit dieser Saison in aller Munde. Laut einer von seinem Sponsor in Auftrag gegebenen Umfrage liegt Hirscher hinter Maier und Franz Klammer auf Rang drei in der Bekanntheitsliste. Für 95 Prozent der Jugendlichen ist Hirscher trotz seiner nur 23 Jahre laut Umfrage ein Vorbild. Auf eine Stufe mit seinen prominenten Vorgängern stellt sich Österreichs neuer Liebling jedoch nicht.

Marcel Hirscher während einer Pressekonferenz

ORF.at/Christian Öser

Hirscher bleibt trotz Trubels so „cool“ wie seine zwei Kristallkugeln

Kein „Hirschinator“

„Ich kann mit dem Begriff Star nichts anfangen. Ab wann ist man ein Star“, fragte sich Hirscher. Selbst der erstmalige Gewinn der großen Kristallkugel („Ich habe es immer noch nicht komplett realisiert“) und der Sieg in der Spezialwertung Riesentorlauf sind für den Salzburger noch kein Grund, in den Himmel abzuheben. Aber: „Wenn ich beim Frühstück die Kristallkugel neben mir stehen habe, ist es schon beeindruckend.“

Bescheidenheit bleibt auch wenige Tage nach dem bisher größten Triumph seiner Karriere das oberste Gebot bei Hirscher. Star oder Held - solche Attribute will sich der 23-Jährige nicht ans Revers heften. „Stars sind für mich Brad Pitt und Angelina Jolie, die sind weltbekannt. Mit ihrem Leben möchte ich nicht tauschen“, so Hirscher. Helden sind für ihn „eine Krankenschwester, die jeden Tag andere Menschen bestmöglichst versorgt.“

Marcel Hirscher setzt einem Weltcup-Pokal seine grüne Glückshaube auf

ORF.at/Christian Öser

Die grüne Haube bleibt auch nächste Saison das Markenzeichen

Den ewigen Vergleich mit Maier kann der Salzburger nicht nachvollziehen, eine Kopie des 54-fachen Weltcup-Siegers will er schon gar nicht sein. „Das werde ich nicht schaffen“, so Hirscher, „man muss sich selbst positionieren. Ich gehe meinen eigenen Weg und versuche einfach, natürlich zu bleiben.“ Der Kosename „Hirschinator“ muss damit bis auf weiteres in der Schublade der Journalisten bleiben.

Materialtests statt feiern

Im ganzen Trubel um seine Person („Der Stress macht Spaß“) hat Hirscher auch keine Zeit zum Feiern, sondern denkt bereits an die nächste Saison. Die Materialänderungen im Riesentorlauf beschäftigen den Salzburger mehr als etwaige Spitznamen in den Medien. Bereits am Wochenende wird Hirscher das neue Material testen. „Ich habe noch keine Erfahrungen mit dem neuen Material“, so Hirscher, „aber ich bin motiviert für die Tests.“

Sicher ist, dass sich der Gesamtweltcup-Sieger umstellen muss. „So eine extreme Innenlage werden wir nicht mehr sehen", so Hirscher, die extremen Beschleunigungen beim Schwung wird es nicht mehr geben.“ Einen ersten Vorgeschmack bekam der 23-Jährige ausgerechnet von seinem Konkurrenten Ted Ligety. Der US-Amerikaner testete bereits beim Weltcup-Finale in Schladming die neuen Skier. „Er hat gesagt, es ist unglaublich, wie viel Kraftaufwand notwendig ist“, sagte Hirscher.

Vertragsverlängerung als Überraschung?

Kraft tanken für die kommenden Aufgaben Weltcup-Titelverteidigung und Heim-WM in Schladming will der Salzburger trotz großen Rummels um seine Person im Sommer. „Der Sommer ist lange genug für die ruhigen Momente, die ich brauche.“ Vonseiten seines Hauptsponsors, mit dessen Giebelkreuz auf dem Helm bereits der „Herminator“ von Erfolg zu Erfolg brauste, wird dennoch der eine oder andere Termin auf ihn zukommen.

Marcel Hirscher und Raiffeisen-Marketing-Chef Leodegar Pruschak halten eine Schladming-Torte

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Die Torte wurde bereits überreicht, folgt bald die Vertragsverlängerung?

Vielleicht sogar ein gemeinsamer Werbespot von aktuellem und ehemaligem Salzburger Skistar. Eine vorzeitige Verlängerung der inzwischen dreijährigen Zusammenarbeit zwischen Hirscher und seinem stolzen Sponsor steht zwar noch aus, doch als Belohnung für den Weltcup-Sieg wartet neben einer Torte noch eine Überraschung auf den 23-Jährigen. Es wäre ein Wunder, würde es sich dabei nicht um einen noch lukrativeren Vertrag für den „Glücksgriff Marcel Hirscher“ handeln.

Karl Huber, ORF.at

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