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Vom Mittelständler zum Meister

Linz darf sich seit Sonntag nach Stahlstadt und Europäische Kulturhauptstadt nun auch für ein Jahr Eishockey-Hauptstadt nennen. Mit einem 3:1 über den KAC im fünften Finalspiel der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) setzten sich die EHC Liwest Black Wings Linz zum zweiten Mal die Meisterkrone auf. Der perfekte Abschluss einer überragenden Saison.

In der Saison 2010/11 mussten sich die Linzer bereits im Viertelfinale gegen den VSV sang- und klanglos mit 1:4 verabschieden. Die Oberösterreicher wurden daher auch vor der aktuellen Saison nicht in der Reihe der Topfavoriten gereiht, dennoch drückten die Black Wings der diesjährigen Meisterschaft von Beginn weg den Stempel auf. Die Linzer beendeten nicht nur den Grunddurchgang, sondern auch die Platzierungsrunde souverän auf dem ersten Platz. Auch von schwachen Phasen ließ sich der neue Meister nicht aus der Ruhe bringen.

Daniel Oberkofler und Curtis Murphy (Black Wings) bejubeln die Trophäen

GEPA/Walter Luger

Nach dem Finale wurden die Linzer Spieler mit Pokalen und Ehrungen überhäuft

Daum als Vater des Erfolgs

„Das Gefühl ist super. Wir haben die ganze Saison über gut gespielt. Wir waren seit Oktober immer Erster“, sagte Stürmer Gregor Baumgartner, der 2005 noch im Dress der Vienna Capitals bereits einmal den Meisterpokal stemmen durfte. Der 32-Jährige setzte am Sonntag mit seinem Schuss ins leere KAC-Tor den Schlusspunkt hinter das erfolgreiche Jahr. Baumgartner, mit 31 Treffern bester österreichischer Torschütze der Liga, war aber nur ein Stein im Linzer Meistermosaik.

An der Spitze des meisterlichen Konstrukts steht Trainer Rob Daum. Der Kanadier formte gleich in seiner ersten Saison eine noch im Vorjahr durchschnittliche Truppe zum Aushängeschild der EBEL um. Ein Titel im ersten Jahr war zuletzt Bill Gilligan 1985 mit dem KAC gelungen. Daum glänzte weniger durch lockere Sprüche als durch akribische Arbeit. An seinem präzisen taktischen System bissen sich die Gegner reihenweise die Zähne aus. Bei keinem anderen Club stimmte das Verhältnis zwischen Offensive und Defensive so wie bei den Black Wings.

Hervorragende Balance

Im Grunddurchgang erzielte mit 147 Toren niemand so viele wie Linz, 104 Gegentreffer waren nach Zagreb (99) und dem VSV (101) der drittbeste Wert der Liga - ergibt in Summe die beeindruckende Tordifferenz von plus 46. Auch im Finale waren starke Defensive und effiziente Offensive der Schlüssel zum Erfolg. „Im Finale haben wir die Leistung, die wir das ganze Jahr gebracht haben, unterstreichen können“, sagte Kapitän Philipp Lukas, der schon beim ersten Meistertitel 2003 mit von der Partie war.

Bezeichnend für die gute Balance im Spiel der Linzer ist ein Blick auf die Plus-minus-Statistik: Mit Curtis Murphy (+ 41), dem besten Verteidiger der Liga, Adrian Veideman (+ 36), Mike Ouellette (+ 34) und Gregor Baumgargner (+ 24) führen vier Black Wings diese vor allem in Nordamerika hoch eingeschätzte Statistik an. Bei den Legionären bewies Daum den richtigen Riecher. Neben Murphy und Veideman gelang den Linzern mit Jan-Axel Alavaara während der Saison ein Glücksgriff.

Das wichtige erste Tor

Im Sturm setzten - neben Ouellete - Rob Hisey, Danny Irmen und Justin Keller im richtigen Moment die Akzente. „Wir haben neun Monate auf dieses Ziel hingearbeitet. Es ist eine große Last abgefallen“, sagte Lukas, der mit einem sehenswerten Unterzahltor das erste Spiel der Finalserie erzielt hatte. Das Tor des Kapitäns war bezeichnend für die gesamte Serie. In allen fünf Partien gingen die Black Wings 1:0 in Führung. Nur im ersten Spiel konnte der KAC mit einem Kraftakt die Partie noch drehen.

In den folgenden vier Spielen ließen sich die Oberösterreicher die Butter aber nie mehr vom Brot nehmen. „Wir haben cleverer gespielt als Klagenfurt“, sagte Verteidiger Robert Lukas, der neben Murphy und Veideman zu den bestimmenden Akteuren in der Linzer Verteidigung zählte. Wie wichtig die Führungstreffer waren, wusste auch Meistercoach Daum. „Wir mussten froh sein, dass der KAC nie das erste Tor gemacht hat, denn man hat gesehen, was in dieser Mannschaft steckt“, sagte der Kanadier nach dem Meisterstück.

„Gratuliere Linz“

Der KAC musste die Überlegenheit der Black Wings anerkennen. „Gratuliere Linz, mehr ist nicht zu sagen“, so Verteidiger Johannes Reichel. Die Abschlussschwäche vor dem Tor brach den Kärntnern, die auf dem Weg in ihr zweites Finale in Serie immerhin Red Bull Salzburg und Medvescak Zagreb ausgeschaltet hatten, das Genick. „Linz war eben immer ein wenig besser“, sagte Thomas Koch nach der gescheiterten „Mission 30“. Der Traum vom 30. Meistertitel musste zumindest um ein Jahr verschoben werden.

Während den Klagenfurtern die Enttäuschung in den Gesichtern abzulesen war, brachen beim neuen Meister alle Dämme. Fast alle der 3.650 Besucher der Linzer Eishalle feierten mit ihrer Mannschaft auf dem Eis den ersten Titel seit 2003. „Wir haben unser Ziel erreicht, es ist großartig. Jetzt ist die Zeit zum Feiern“, sagte Stürmer Ouellette. Der Auftakt zu einem Partymarathon. Denn die offizielle Meisterfeier der Black Wings soll erst am Mittwoch über die Bühne gehen.

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