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Störenfried muss vor Gericht

Ein skandalöser Protestschwimmer, eine Kollision mit einem abgebrochenen Ruderblatt und ein kollabierter Ruderer: Das 158. Boat Race zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge war an Dramatik kaum zu überbieten. Im traditionsreichen Duell siegte am Samstag das hellblaue Team aus Cambridge gegen die Dunkelblauen aus Oxford.

Danach musste die Siegerehrung abgesagt werden, weil Alexander Woods im Oxford-Achter im Ziel zusammengebrochen war. „Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, sein Zustand ist stabil“, teilte der Veranstalter mit. Die „Sun on Sunday“ schrieb vom „dramatischsten Boat Race, das es je gab“.

Alex Woods und William Zeng (Oxford)

Reuters/Paul Hackett

Alexander Woods aus dem unterlegenen Oxford-Team verlor das Bewusstsein

Zunächst hatte es vor rund 250.000 Zuschauern nach einem sportlich packenden Spektakel zwischen dem bei den Buchmachern favorisierten Oxford-Team mit mehr internationaler Erfahrung und Cambridge ausgesehen. Sie lagen etwa gleichauf, als plötzlich der Kopf eines bärtigen Schwimmers vor Oxfords Ruderblättern auftauchte und das Rennen etwa auf der Hälfte der 6,8-Kilometer-Strecke zwischen Putney und Mortlake für 30 Minuten unterbrochen werden musste.

„So eine Schande“

Der Störenfried gab sich als „Anti-Elitismus-Aktivist“ aus London zu erkennen, der sich für diese lebensgefährliche Aktion gezielt das als elitär geltende Ruderevent ausgesucht hatte. Der 35-Jährige wurde von einem Motorboot gerettet und von der Polizei an Land in Handschellen abgeführt - er grinste dabei. „So eine Schande“, klagte der Schiedsrichter. „Dummer Junge“, schimpfte der „Sunday Mirror“.

Der Londoner wurde am Sonntag offiziell wegen Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung angeklagt und muss sich am 23. April vor Gericht für seine Aktion verantworten. Nach reichlich Diskussionen kam es zum Neustart auf dieser Höhe der Strecke und dann wenig später zum nächsten Aufreger: Die Ruderblätter der beiden Teams gerieten heftig aneinander - und ein Blatt brach ab.

81:76 für Cambridge in Gesamtbilanz

Derart gehandicapt hatte die Oxford-Crew das klare Nachsehen, und Cambridge ruderte locker mit 4,25 Längen Vorsprung ins Ziel. Dort kam es dann noch zu Schreckensmomenten, als Oxfords Woods im Boot zusammenbrach und minutenlang von Notärzten behandelt werden musste. Im Vorjahr hatte noch Oxford souverän gewonnen. In der Gesamtbilanz der Regatta, die auf das Jahr 1829 zurückgeht, führt Cambridge nun mit 81 zu 76 Siegen. 1877 ging das Duell unentschieden aus.

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