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Mercedes-Feiertag in Schanghai

Im 111. Rennen war es endlich soweit: Nico Rosberg holte sich am Sonntag beim Grand Prix von China in Schanghai in überlegener Manier seinen ersten Sieg in der „Königsklasse“. Zugleich war es der erste Erfolg für Mercedes als Werksteam seit 1955. Damals gewann der legendäre argentinische Silberpfeil-Pilot Juan-Manuel Fangio in Monza.

Jenson Button und Lewis Hamilton (beide McLaren) fuhren als Zweiter und Dritter ebenfalls auf das Podest, dahinter landete das Red-Bull-Duo Mark Webber und Sebastian Vettel. Der Weltmeister verbesserte sich damit gegenüber der Startaufstellung immerhin um sieben Ränge, hatte allerdings bis fast zum Schluss auf noch mehr hoffen dürfen.

Mit dem dritten dritten Platz in Folge setzte sich Hamilton vor Button an die WM-Spitze, da der bisherige Leader Fernando Alonso im Ferrari nicht über Rang neun hinauskam. Rosberg liegt nun hinter dem Spanier, Webber und Vettel auf dem sechsten Rang. Bisher war er in dieser Saison ohne Punkte gewesen.

Jubel von Nico Rosberg (Mercedes) bei der SiegerehrungAP/Greg BakerAuch Button musste die Überlegenheit des Siegers anerkennen

„Es ist ein unglaubliches Gefühl. Es hat lange gedauert für mich und das Team, deshalb ist es so grandios, dass wir jetzt dort stehen, wo wir hinwollten“, freute sich Rosberg. „Es ist wirklich schön zu sehen, wie schnell wir uns nun entwickeln. Wir haben nicht erwartet, dass wir heute so schnell sein würden.“ Im Kampf um den Siegespokal war er aber offenbar nicht schnell genug. Denn Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug kündigte gleich an: „Den geb’ ich nicht mehr her.“

Ungefährdeter Start-Ziel-Sieg

Rosberg und sein Mercedes-Teamkollege Michael Schumacher, die sich die erste Reihe teilten, kamen beim Start gut weg, dahinter schob sich Button auf Rang drei. Vettel büßte hingegen drei Plätze ein und lag nach der ersten Runde nur auf Rang 14, wo er auch in der Folge steckenblieb. Sein Teamkollege Webber überraschte in Runde sieben mit einem sehr frühen Reifenwechsel.

Formel-1-Boliden kurz nach dem Start, beide Mercedes führen anAP/Greg BakerRosberg kontrollierte das Rennen von Beginn an

An der Spitze setzte sich Rosberg ab, hinter ihm schoben sich die Verfolger eng zusammen. In Runde zehn begann dann die erste allgemeine Boxenstopp-Phase, die für Schumacher das Rennende brachte: Sein rechtes Vorderrad wurde nicht richtig befestigt, der von Rang zwei gestartete Rekordweltmeister schied als einziger Fahrer in Runde 13 aus.

Zahlreiche Positionswechsel

In der 19. Runde kam Vettel erstmals in die Punkteränge, vorne hielt Rosberg seinen Vorsprung von rund fünf Sekunden auf das McLaren-Duo. Nach der zweiten Serie der Boxenstopps bzw. in Runde 35 ging die Führung kurzfristig an Button, der allerdings im Gegensatz zu Rosberg noch einmal an die Box musste - und den Reifenwechsel mit 9,7 Sekunden Stehzeit total verpatzte.

Damit wurde der Kampf um Platz zwei noch einmal spannend, sechs Fahrer lagen innerhalb von vier Sekunden. Mit den abbauenden Reifen gab es immer wieder Ausrutscher, die zu zahlreichen Positionswechseln führten. Vettel schob sich bis auf Rang zwei nach vorne, musste im Finish aber die mit neueren Reifen fahrenden Button, Hamilton und Webber wieder passieren lassen.

Wie der Vater, so der Sohn

Nur an der Spitze tat sich nichts mehr: Rosberg baute den Vorsprung auf bis zu 25 Sekunden aus und konnte die letzten Runden auf der Fahrt zu seinem ersten Sieg so richtig genießen. Er machte sich 27 Jahre nach dem letzten Erfolg seines Vaters Keke zum zweiten Grand-Prix-Sieger aus dem Hause Rosberg.

Es war das dritte Mal in der Geschichte der Königsklasse, dass der Sohn eines früheren Siegers ebenfalls gewann. Zuvor war das den Kanadiern Gilles und Jacques Villeneuve und den Briten Graham und Damon Hill gelungen. Während es Gilles Villeneuve zum Vizeweltmeister (1979) brachte und sein Sohn Weltmeister wurde (1997), sind die Hills die einzige Vater-Sohn-Paarung, die es auch zu Weltmeisterehren brachte. Graham Hill war 1962 und 1968 Champion, sein Sohn Damon 1996.

Grand Prix von China

Endstand nach 56 Runden (305,066 km):
1. Nico Rosberg GER Mercedes 1:36:26,929
2. Jenson Button GBR McLaren + 20,626
3. Lewis Hamilton GBR McLaren 26,012
4. Mark Webber AUS Red Bull 27,924
5. Sebastian Vettel GER Red Bull 30,483
6. Romain Grosjean FRA Lotus 31,491
7. Bruno Senna BRA Williams 34,597
8. Pastor Maldonado VEN Williams 35,643
9. Fernando Alonso ESP Ferrari 37,256
10. Kamui Kobayashi JPN Sauber 38,720
11. Sergio Perez MEX Sauber 41,066
12. Paul di Resta GBR Force India 42,273
13. Felipe Massa BRA Ferrari 42,779
14. Kimi Räikkönen FIN Lotus 50,573
15. Nico Hülkenberg GER Force India 51,213
16. Jean-Eric Vergne FRA Toro Rosso 51,756
17. Daniel Ricciardo AUS Toro Rosso 1:03,156
18. Witali Petrow RUS Caterham eine Runde
19. Timo Glock GER Marussia eine Runde
20. Charles Pic FRA Marussia eine Runde
21. Pedro de la Rosa ESP HRT eine Runde
22. Narain Karthikeyan IND HRT zwei Runden
23. Heikki Kovalainen FIN Caterham drei Runden
Out: Michael Schumacher (GER/Mercedes)

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Publiziert am 16.04.2012