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Abschied nach zwei Jahren
Drei Spieltage vor dem Ende der Saison hat Raul seinen Abschied zum Saisonende verkündet. Zwar war nach monatelangen Verhandlungen mit dem Weggang von Spaniens Fußball-Ikone zu rechnen, dennoch kam die Nachricht am Donnerstag überraschend. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich hatte hier zwei wundervolle Jahre und werde Schalke immer in meinem Herzen tragen“, sagte Raul, der auf Deutsch abschloss: „Vielen, vielen Dank.“
APA/EPA/dpa/Federico GambariniRaul am Donnerstag bei seiner AbschiedspressekonferenzVier Millionen Euro zu wenig
Bis zuletzt hatten Schalkes Manager Horst Heldt und Clubchef Clemens Tönnies versucht, den allseits beliebten Spanier zum Bleiben für ein weiteres Jahr zu bewegen - am Ende entschied sich Raul nach reiflicher Überlegung aber gegen den neuen Einjahresvertrag. „Wir hatten zwei tolle Jahre mit ihm und hätten ihn gern ein weiteres Jahr behalten“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Tönnies, der betonte, dass man für Raul nicht das Gehaltsgefüge sprengen wolle.
Angeblich bot Schalke Raul ein Gehalt von vier Millionen Euro für weitere zwölf Monate. Bis zu diesem Sommer verdiente der Offensivspieler dem Vernehmen nach sieben Millionen jährlich, wobei sein Ex-Club Real Madrid zwei Millionen Euro beisteuerte. Offiziell bestätigt wurden diese Summen nie. Nun verlässt Raul den Club ablösefrei.
Wüste oder Real?
Wohin Raul geht, der sich an seinem Wohnort Düsseldorf nach eigenem Bekunden wohlfühlte, ist bisher nicht bekannt. Zuletzt war er von spanischen Medien mit Vereinen in Katar in Verbindung gebracht worden, wo er angeblich bis zu neun Millionen Dollar pro Saison verdienen könne.
Eine sofortige Rückkehr nach Spanien schloss Raul aus. „Ich habe zwei Angebote. Die werde ich genau prüfen und dann sehen, wohin der Weg geht“, sagte er. Fest steht: „Meine weitere sportliche Zukunft liegt nicht in Europa“, sondern in einer „schwächeren Liga“.
Mehr Zeit für die Familie
Als Gründe für seinen Abschied nannte Raul, dessen Trikot mit der Nummer sieben vorerst nicht mehr vergeben wird, vor allem persönliche. Zwar hätte ihn eine weitere Saison in der Champions League „gereizt“, aber er wolle sich künftig mehr um Frau und Kinder kümmern. Das sei als Bundesliga-Profi auf dem „allerhöchstem Niveau“ nicht möglich. Vor dem Training am Vormittag hatte er seinen Entschluss Team und Trainer mitgeteilt. „Das war kein leichter Moment, da war auch Traurigkeit dabei“, gestand der Spanier.
Zwar bedauert auch Chefcoach Huub Stevens Rauls Weggang, zollte dem Musterprofi aber „großen Respekt“: „Natürlich ist es schade. Aber Hut ab! Er ist ein richtiger Teamplayer.“ Raul habe der Mannschaft versprochen, in den letzten drei Partien noch einmal alles zu geben, um Tabellenplatz drei zu festigen.
APA/EPA/dpa/Roland Weihrauch27-mal in 64 Bundesliga-Spielen zeigte Raul den Schalke-Fans, was er kannTorjäger und Publikumsliebling
Durch sein bescheidenes Auftreten eroberte er schnell die Herzen der Schalker Fans. Auch sportlich war er ein Gewinn: Mit Schalke gewann er im Vorjahr den DFB-Pokal mit einem 5:0-Finalsieg gegen den MSV Duisburg. Die Basis für den Cupgewinn hatte Raul mit seinem Siegtreffer zum 1:0 im Halbfinale bei Bayern München selbst gelegt.
Mit 71 Toren ist der Ex-Nationalspieler der erfolgreichste Torjäger der Champions-League-Historie und erreichte mit Schalke in der Vorsaison sogar noch einmal das Halbfinale der Königsklasse. In der Bundesliga erzielte Raul in bisher 63 Spielen 27 Tore für die Knappen. Der schönste Treffer, ein gefühlvoller Lupfer über Torhüter Michael Rensing in der zweiten Runde beim 5:1 gegen Köln, wurde von den ARD-„Sportschau“-Zuschauern zum Tor des Jahres 2011 gewählt.
„Wundervoller Abschnitt mit vielen Höhepunkten“
„Es war ein wundervoller Abschnitt meiner Karriere mit vielen Höhepunkten. Ich habe mich hier immer sehr wohlgefühlt und sehr viel Liebe und Zuneigung erfahren. Sicher ist, dass Schalke Teil meines Lebens ist und immer bleiben wird“, sagte Raul, der am 28. April offiziell verabschiedet wird. In den ausstehenden drei Spielen will der Teamkollege von Christian Fuchs jedenfalls noch alles geben, um Tabellenplatz drei zu festigen. Fuchs muss übrigens im nächsten Spiel gegen Augsburg eine Gelb-Sperre absitzen.
Links:
- Schalke 04
- Raul Gonzalo Blanco (Wikipedia)
Publiziert am 20.04.2012