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Der Traum ist in Erfüllung gegangen

Bayern München hat sich am Mittwoch den Traum vom Heimfinale in der Champions League in einem dramatischen Spiel im Bernabeu-Stadion erfüllt. Die Deutschen setzten sich in einem Elferkrimi gegen Real Madrid mit 3:1 durch und treffen im Endspiel am 19. Mai nun auf Chelsea. Nach 120 Minuten stand es 2:1 für die Real-Stars, denen im Penaltyschießen der Reihe nach die Nerven versagten.

Cristiano Ronaldo brachte die Madrilenen mit einem Doppelpack (6./Elfer, 14.) in Führung und machte damit den 1:2-Rückstand aus dem Semifinal-Hinspiel früh wett, man war auf Finalkurs. In einer vor allem in der ersten Hälfte unglaublich intensiven Partie schafften die Bayern aber durch Arjen Robben (27./Elfer) den wichtigen Auswärtstreffer. Während für die Bayern in einem nervenaufreibenden Elferschießen unter anderem David Alaba traf, scheiterten bei Real die Superstars Ronaldo und Kaka an Bayern-Goalie Manuel Neuer.

Die Bayern-Fans kamen voll auf ihre Kosten. Mehr dazu in iptv.ORF.at

Die Bayern können damit als erste Mannschaft vor eigenem Publikum die Champions League gewinnen und den ersten Titel in der Königsklasse seit 2001 holen. Nicht mit dabei sein wird allerdings Alaba. Österreichs Fußballer des Jahres sah nach einem unglücklichen Handspiel im Strafraum gleich nach wenigen Minuten seine dritte Gelbe Karte und musste damit seinen persönlichen Traum vom Endspiel früh begraben. Davon ließ sich der 19-Jährige aber nicht aus der Fassung bringen und absolvierte wieder eine hervorragende Partie.

Jubel der Bayern

Reuters/Sergio Perez

Nach dem Elferschießen brachen bei den Bayern alle Dämme

„Vamos Real“ wird befolgt

Beide Teams begannen mit nahezu identischen Aufstellungen wie im Hinspiel. Einzig Marcelo ersetzt bei Real auf der linken Abwehrseite Fabio Coentrao. „Hasta el Final. Vamos Real“, forderten die Fans ihr Team auf einem Transparent auf, und dieser Wunsch war Befehl. Die „Königlichen“ begannen druckvoll und hatten nach drei Minuten schon die ersten Großchancen. Angel di Maria versetzte Alaba an der Cornerlinie, legte zurück auf Sami Khedira, doch der Deutsche schoss aus wenigen Metern Neuer genau in die Arme.

Unglücklicher Alaba im Mittelpunkt

Nur kurz darauf mussten die Bayern, und vor allem Alaba, einen herben Rückschlag verdauen. Nach Flanke von Marcelo übernahm Di Maria direkt und schoss dem fallenden ÖFB-Teamspieler, der davor ausrutschte, an die Hand. Der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai deutete auf den Elferpunkt und zeigte Alaba überdies die folgenschwere Gelbe Karte. Ronaldo trat zum Penalty an und verwertete sicher (6.).

David Alaba (Bayern) stürzt zu Boden und berührt dabei mit seinem Unterarm den Ball, daneben Di Maria (Real)

GEPA/Witters/Matthias Hangst

Handspiel ohne Absicht: Diese Szene kostet Alaba das Finale

Der 19-Jährige steckte die für ihn unglückliche Situation aber bewundernswert weg und leitete die erste Chance der Bayern nach einem sensationellen Sturmlauf über die Seite und anschließendem Stanglpass vorbildlich ein. In der Mitte war Robben allerdings nicht in der Lage, aus drei Metern den Ball im Tor unterzubringen (8.). Danach ließ Real-Goalie Iker Casillas einen Schuss von Mario Gomez abprallen, den Nachschuss konnte Franck Ribery nicht verwerten (12.).

Ronaldo-Doppelpack und Anschlusstreffer

Die nächste kalte Dusche für die Bayern ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Mesut Özil bediente den sträflich vernachlässigten Ronaldo. Der Portugiese ließ sich so eine Chance natürlich nicht entgehen und bezwang Neuer per Flachschuss zu seinem zehnten Tor in dieser CL-Saison (14.). Die Bayern-Verteidigung wirkte auch danach nicht sattelfest und hatte Glück, nicht noch einen Treffer zu kassieren.

Die Offensive der Deutschen trat da schon besser auf und sorgte für den Anschlusstreffer. Nach Flanke von Toni Kroos wurde Gomez im Strafraum von Pepe gelegt. Robben, der gegen Dortmund noch einen immens wichtigen Elfmeter verschossen hatte, übernahm abermals die Verantwortung. Diesmal machte es der Niederländer besser und traf per Innenstange, nachdem Casillas mit den Fingerspitzen am Ball war (27.).

Arjen Robben (Bayern) verwertet den Elfmeter

Reuters/Sergio Perez

Diesmal machte Robben alles richtig und versenkte den Elfmeter

Die Partie war danach an Intensität weiter kaum zu überbieten. Chancen ergaben sich fast im Minutentakt, beide Teams zeigten bedingungslosen Offensivfußball. Ein Kunstschuss von Karim Benzema strich knapp am langen Eck vorbei (31.), ein gefürchteter Freistoß von Ronaldo landete bei Neuer (37.). Auf der Gegenseite scheiterte Gomez in aussichtsreicher Position an Casillas (34.), in der Nachspielzeit der ersten Hälfte konnte der Real-Kapitän auch noch einen Robben-Freistoß entschärfen.

Pattstellung nach der Pause

Nach Seitenwechsel hatten die Bayern leichte Vorteile und ließen Real mit aggressivem Spiel nicht sonderlich zur Geltung kommen. Chancen ergaben sich aber kaum. Ein Gomez-Kopfball (48.) ging am Tor vorbei, bei einem Benzema-Schuss (56.) war Neuer auf dem Posten. Bei den Madrilenen war das Furioso der ersten Hälfte fast gänzlich verflogen. Die Bayern suchten mit mehr Nachdruck und Selbstvertrauen eine Entscheidung in der regulären Spielzeit.

Real wurde nur noch über Standardsituationen gefährlich. Freistöße von Ronaldo (68., 72.) fanden allerdings nicht ihr Ziel. Mit der Einwechslung von Kaka für Di Maria, der bei Alaba nach der Pause gut aufgehoben war, versuchte Coach Jose Mourinho der Real-Offensive wieder ein wenig Leben einzuhauchen (75.). Der Erfolg stellte sich jedoch nur bedingt ein, und da auch die Bayern dem hohen Tempo allmählich Tribut zollen mussten, ergab sich eine Pattstellung.

Cristiano Ronaldo (Real) überspielt seine Gegner

AP/Daniel Ochoa de Olza

Ronaldo trat nach der Pause nur noch bei Standardsituationen in Erscheinung

Verlängerung nach Chance von Gomez

Die große Chance, das Spiel nach 90 Minuten zu entscheiden, vergaben dann kurz vor Schluss die Bayern. Alaba passte ideal auf Robben, der weiter auf Gomez leitete. Der Torjäger war allerdings zu verspielt, versuchte mit der Ferse die Real-Abwehr zu überlisten und blieb hängen (86.). Damit ging die Partie in die Verlängerung, wo Ribery am Ende seiner Kräfte in der 95. Minute ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Thomas Müller, Robben wechselte dafür auf die Seite von Alaba.

Auf beiden Seiten regierte aber weiter die Angst, einen entscheidenden Gegentreffer zu kassieren. In den Mittelpunkt rückten daher zwei Gelbe Karten für die Bayern. Sowohl Luiz Gustavo als auch Holger Badstuber holten sich Sperren für das Endspiel ab. In der Schlussphase der Verlängerung gewann Real wieder die Oberhand. In Minute 115 zupfte Goalie Neuer nach einem unmotivierten Ausflug Esteban Granero am Trikot, statt Elfer gab es aber Gelb für die vermeintliche Schwalbe.

Alaba trifft, Real-Stars versagen die Nerven

Die Uhr tickte unaufhaltsam Richtung Elferschießen, wo dann noch einmal bis zum Anschlag an der Spannungsschraube gedreht wurde. Eröffnet wurde der Penaltykrimi von Alaba, der cool und souverän ins rechte Eck verwertete - im Gegensatz zu den Real- Superstars. Sowohl Ronaldo, der nach 25 erfolgreich verwerteten Elfmetern wieder einmal scheiterte, als auch Kaka fanden in Neuer ihren Meister.

Alles schien klar, doch auch Kroos und Lahm versagten die Nerven. Coach Mourinho kniete längst auf dem Rasen des Bernabeu-Stadions und musste mitansehen, wie Sergio Ramos den Ball über das Tor auf die Tribünen jagte. 80.000 Fans hielten dann den Atem an, als Schweinsteiger zum entscheidenden Penalty antrat. Der 27-Jährige traf und erfüllte den Bayern damit den Traum vom Heimfinale.

Die Spieler von Real Madrid sind enttäuscht

Reuters/Susana Vera

Trotz Doppelpacks stand Ronaldo am Ende mit leeren Händen da

Christian Wagner, ORF.at

UEFA Champions League, Semifinal-Rückspiel

Mittwoch:

Real Madrid - Bayern München 2:1 n. V. 1:3 i. E.

Santiago-Bernabeu-Stadion, 80.000 Zuschauer, SR Kassai (HUN)

Torfolge:
1:0 Cristiano Ronaldo (6./Elfer)
2:0 Cristiano Ronaldo (14.)
2:1 Robben (27./Elfer)

Elferschießen:
0:1 Alaba trifft sicher ins rechte Eck
0:1 Cristiano Ronaldo scheitert an Neuer
0:2 Gomez verwertet souverän
0:2 Kaka scheitert an Neuer
0:2 Kroos scheitert an Casillas
1:2 Xabi Alonso schafft den Anschluss
1:2 Lahm scheitert an Casillas
1:2 Ramos schießt über das Tor
1:3 Schweinsteiger schießt die Bayern ins Finale

Real: Casillas - Arbeloa, Ramos, Pepe, Marcelo - Xabi Alonso, Khedira - Di Maria (75./Kaka), Özil (111./Granero), Cristiano Ronaldo - Benzema (106./Higuain)

Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Schweinsteiger, Luiz Gustavo - Robben, Kroos, Ribery (95./Müller) - Gomez

Gelbe Karten: Pepe, Arbeloa, Granero bzw. Alaba, Luiz Gustavo, Badstuber (alle drei im Finale gesperrt), Robben

Hinspiel 1:2 - Bayern bei einem Gesamtscore von 3:3 dank Elferschießen im Finale

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