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„Kann nicht im Sinne des Fußballs sein“

Die dritte Gelbe-Karte nach dem unglücklichen Handspiel im Semifinal-Rückspiel gegen Real hat David Alaba um den Traum vom Champions-League-Finale im eigenen Stadion gebracht. Aber nicht nur wegen Österreichs Jungstar war die Aufregung über die Gelb-Sperren für das CL-Endspiel groß. Sowohl die Bayern als auch Chelsea müssen am 19. Mai auf insgesamt sechs wichtige Spieler verzichten.

Bei den Deutschen fehlen neben Alaba auch Holger Badstuber und Luiz Gustavo. Bei den „Blues“ müssen Ramires, Raul Meireles und Branislav Ivanovic das Endspiel von der Tribüne aus verfolgen. Außerdem fehlt den Londonern auch Kapitän John Terry, der allerdings nach seiner dummen Roten Karte wegen einer Tätlichkeit an Barcelonas Alexis Sanchez („Ich hätte das nicht tun sollen“) selbst schuld ist, dass er gesperrt ist.

„Auf beiden Seiten fehlen sieben von den besten Spielern in einem Endspiel - das kann ja nicht im Sinne des Fußballs sein“, ärgerte sich etwa Deutschlands Teamchef Joachim Löw und ergänzte: „Diese Regelung ist einfach blödsinnig.“ Nachdem die Spieler ein Jahr lang für ihren Traum alles gegeben haben, bleibt ihnen die Realisierung aufgrund der Sperre nun verwehrt. „Das ist für die Burschen eine Katastrophe“, litt auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß mit.

Meireles (Chelsea) sieht vom Schiedsrichter die Gelbe Karte

Reuters/Albert Gea

Zuschauer im großen Endspiel: Chelseas Meireles teilt das Schicksal von Alaba

Noch kein Thema für die UEFA

Anders als bei einer Europameisterschaft gilt in der „Königsklasse“ auch auf dem Weg zum Endspiel, dass Spieler mit drei Gelben Karten zuschauen müssen. Beim Kontinentalturnier hat die UEFA hingegen bereits die Regel eingeführt, dass alle Verwarnungen vor dem Halbfinale gestrichen werden. Damit kann kein Spieler wegen einer Gelb-Sperre das Finale verpassen.

Eine entsprechende Regelung für die Clubwettbewerbe müsste die UEFA-Exekutive verabschieden. Die UEFA jedenfalls denkt derzeit nicht daran, eine Streichregelung für Gelbe Karten in der Champions League oder Europa League einzuführen. „Das Thema wird noch nicht diskutiert“, sagte ein UEFA-Sprecher der dpa.

„Ich finde, das kann es einfach nicht sein. Eigentlich ist das eine dumme Regelung, man sollte sie schleunigst ändern“, erklärte Badstuber. „Nach der Gruppenphase müssten die Gelben Karten weg sein“, formulierte es Hoeneß - das freilich würde Alaba nicht helfen, holte er sich seine Verwarnungen doch allesamt in der K.-o.-Phase ab.

„Unvernünftig und unverhältnismäßig“

Auch die internationale Spielergewerkschaft FIFPro äußerte sich im Zusammenhang mit dem im Finale gesperrten Sextett äußerst kritisch. Endspiele seien im Leben einmalige Erlebnisse, zudem wollten auch die Fans in einem Finale die besten Spieler sehen. Die derzeitige Regelung sei „unvernünftig und unverhältnismäßig“.

„Die Verfehlungen, die in einer Gelben Karte resultieren, rechtfertigen nicht die Strafe, das Spiel deines Lebens zu verpassen“, meinte FIFPro-Sprecher Simon Barker. „Alaba, der ausrutscht, bekommt den Ball an die Hand. Es ist nicht richtig, dass so ein Spieler deswegen das Champions-League-Finale versäumt.“

Angst davor, so mancher Spieler könne eine Streichung der Karten als Einladung zu überhartem Einsteigen missverstehen, hat man bei der FIFPro nicht. „Jedes schwere Vergehen wird zu einer Roten Karte führen, und das wäre noch immer mit einem Ausschluss vom Finale verbunden“, sagte Barker. „Gelbe Karten in einem Finale haben ja keine weiteren Konsequenzen, und deswegen sind die Spiele auch nicht härter geworden.“

Ausfälle „sehr bitter“ für Heynckes

Für das CL-Finale in dieser Saison wird sich sicher noch nichts ändern, womit Jupp Heynckes gegen Chelsea vor einem kapitalen Problem in seiner Defensivabteilung steht. „Dass wir drei so wichtige Spieler nicht dabei haben, ist sehr bitter. Holger Badstuber spielt eine überragende Saison. Alaba ist auf der linken Abwehrseite richtig gut. Und Luiz Gustavo steigert sich seit Wochen. Sie werden uns natürlich fehlen“, klagte der Trainer, der 1998 mit Real die Champions League gewinnen konnte.

Besonders im Abwehrzentrum steht Heynckes aktuell in Jerome Boateng nur ein gesunder Innenverteidiger gegen Chelseas robusten Stürmerstar Didier Drogba zur Verfügung. Doch die „Blues“ kämpfen mit demselben Problem. „Was soll man da machen?“, fragte sich Chelsea-Goalie Petr Cech. „Ich hoffe, dass wir die Ausfälle kompensieren können. Die Qualität und die Erfahrung hätten wir dafür.“

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