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Kompany erzielt das Goldtor

Manchester City hat am Dienstagabend zum Abschluss der 36. Runde der englischen Premier League das Derby gegen United mit 1:0 (1:0) gewonnen und damit die Tabellenführung vom Stadtrivalen übernommen. Dank eines Kopfballtors von Kapitän Vincent Kompany kurz vor der Pause dürfen die „Citizens“ nun zwei Runden vor Saisonende auf den ersten Meistertitel seit 1968 hoffen.

City schob sich mit dem Heimsieg dank des um acht Treffer besseren Torverhältnisses vor die „Red Devils“, beide Teams halten bei 83 Punkten. Für die Hausherren war es im 162. Manchester-Derby der 45. Sieg, bei 50 Unentschieden hat United 67-mal gewonnen. In dem intensiven Duell war City die klar bessere Mannschaft, auch die Trainer schenkten einander nichts - nur Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware. „Die Meisterschaft ist noch nicht vorbei, das wissen wir. Aber wir haben unseren Fans in dieser Saison zwei Siege über United geschenkt“, war Torschütze Kompany begeistert.

Enttäuschte Manchester-United-Spieler

APA/EPA/Peter Powell

United blieb im 163. Derby blass und muss um die Titelverteidigung bangen

Unter den 47.000 Zuschauern im ausverkauften Etihad Stadium ließen sich Fußball-Persönlichkeiten wie UEFA-Präsident Michel Platini und Diego Maradona, Schwiegervater von City-Star Sergio Agüero den Showdown nicht entgehen. Beide Teams gingen engagiert in das von der „Sun“ als „Mutter aller Derbys“ bezeichnete und von 16 Fernsehanstalten in 203 Ländern (geschätzte 650 Millionen TV-Zuschauer) live übertragene Match.

Hausherren geben nach erster Chance den Ton an

Die erste große Möglichkeit gehörte den Hausherren. Samir Nasri (16.) setzte auf der rechten Strafraumseite Carlos Tevez ein, der einen Stanglpass vors Tor versuchte. Aber United-Verteidiger Phil Jones konnte die Hereingabe klären. City war danach die tonangebende Mannschaft, hatte mehr Ballbesitz und kam öfter in die Nähe des gegnerischen Strafraums als United.

So auch in der 24. Minute, als Tevez nach einem herrlichen Solo durch das Mittelfeld der „Red Devils“ für Agüero auflegte. Die United-Abwehr war wachsam, der argentinische City-Stürmer holte aber noch einen Eckball heraus. Nach diesem kam Agüero erneut in eine gute Schussposition, weil Wayne Rooney den Ball nicht aus der Gefahrenzone befördern konnte. Sein Abschlussversuch ging allerdings über das Tor.

„Citizens“ rennen sich in United-Abwehr fest

Die Hausherren versuchten oft über die Seiten ihr Glück, vor allem Nasri konnte immer wieder Bälle von rechts in die Mitte flanken. Die United-Verteidigung stand aber stets sicher, wirkte vor allem bei hohen Bällen souverän. In der 40. Minute spielte Tevez nach einem Solo aus der eigenen Spielhälfte auf Yaya Toure, der für Agüero weiterleitete. Doch der Argentinier verdribbelte sich.

Aus der für United daraus resultierenden Konterchance konnten die Gäste allerdings keinen Nutzen ziehen. Rooney erreichte eine Flanke erst kurz vor der Abstoßlinie. Nach hinten aufspielen konnte der englische Teamstürmer nicht, weil zu wenige Mannschaftskollegen nachgerückt waren. Der Torjäger holte noch einen Eckball heraus, außer einem Schuss von Park Ji-Sung über das Gehäuse brachte dieser aber nichts ein.

Kompany durchbricht Lufthoheit der „Red Devils“

Die wenigen United-Vorstöße waren generell harmloser als jene von City, die in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch einmal einen Eckball bekamen. David Silva trat an und der aufgerückte Verteidiger Kompany durchbrach im Fünfmeterraum erstmals die Lufthoheit der United-Defensive. Der City-Kapitän setzte sich gegen Chris Smalling durch und erzielte mit einem wuchtigen Kopfball die verdiente 1:0-Halbzeitführung.

Vincent Kompany (Manchester City) bei seinem Treffer gegen Manchester United

APA/EPA/Peter Powell

Kompany war im Kopfballduell mit Smalling energischer und erzielte das 1:0

Nach Seitenwechsel bot sich ein ähnliches Bild wie vor der Pause. Die „Citizens“ waren um einen sicheren Spielaufbau nach vorne bemüht. Topchancen ergaben sich aber nicht. Die „Red Devils“ blieben wie in den ersten 45 Minuten offensiv harmlos. Nach etwas mehr als einer Stunde versuchten die Gäste, zumindest mehr Offensivdruck aufzubauen, die City-Abwehr ließ aber nichts anbrennen. Torraumszenen waren in dieser Phase auf beiden Seiten Mangelware.

In der 68. Minute war dann Schluss für Tevez, der mit Nasri und Agüero einer der auffälligsten City-Spieler war. Trainer Roberto Mancini brachte Mittelfeldspieler Nigel de Jong für den Stürmer. Zehn Minuten vorher hatte Alex Ferguson den ersten Wechsel vollzogen. Der United-Coach setzte in Danny Welbeck einen weiteren Offensivspieler für Mittelfeldmann Park ein.

Trainer liefern sich Verbalattacken

Spielerische Höhepunkte bekamen die Fans im Etihad Stadium in der zweiten Spielhälfte aber kaum zu sehen - und wenn dann von City, wie ein Torschuss von Nasri (58.) und ein Weitschuss von Yaya Toure (72.) neben das United Tor. Dafür wurde das Match ruppiger und die Gelben Karten (für Yaya Toure und De Jong bzw. Jones und Carrick) häuften sich. Auch die beiden Trainer lieferten sich 15 Minuten vor Spielende eine heftige verbale Auseinandersetzung. Mancini und Ferguson mussten vom vierten Offiziellen getrennt werden.

Manchester-United-Trainer Alex Ferguson

Reuters/Darren Staples

Bei Ferguson (mi.) und Mancini (nicht im Bild) lagen die Nerven blank

United kam kaum noch in die Nähe des City-Strafraums, in der Schlussphase hatten weiter die Hausherren die besten Torchancen. Gael Clichy (87.) scheiterte nach Hereingabe von Pablo Zabaleta an „Red Devils“-Goalie David de Gea, wenig später versuchte Nasri (89.) die Gästeverteidigung im Strafraum mit seinen Dribblings schwindlig zu spielen, wurde letztlich aber vom Ball getrennt. Nach hektischen fünf Minuten Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Andre Marriner die Partie schließlich ab.

„Es war eine lebhafte und konkurrenzbetonte Partie mit wenigen Chancen. Und ich bin schwer enttäuscht, dass wir ihren Goalie nicht einmal testen konnten“, sagte Ferguson nach dem Match.

City mit dem härteren Restprogramm

Der 20. Meistertitel ist für ManUnited nun deutlich schwerer geworden. Allerdings hat City das härtere Restprogramm und tritt noch am 6. Mai bei Newcastle United an ehe die Saison mit dem Heimspiel gegen die Queens Park Rangers endet. Auf United, das in den vergangenen Wochen acht Punkte Vorsprung verspielt hat, warten noch Swansea (daheim) und Sunderland (auswärts). Sollten die beiden Rivalen auch nach der 38. Runde noch punktegleich sein, würde die Titelentscheidung in England erstmals seit der Saison 1988/89 aufgrund der Tordifferenz fallen.

Peter Falkner, ORF.at

Premier League, 36. Runde

Endstand:

Manchester City - Manchester United 1:0 (1:0)

Manchester, Etihad Stadium, 47.000 Zuschauer, SR Marriner

Tor: Kompany (45.)

Manchester City: Hart - Zabaleta, Kompany, Lescott, Clichy - Yaya Toure, Barry - Silva (83./Richards), Tevez (68./De Jong), Nasri (93./Milner) - Agüero

Manchester United: De Gea - Jones, Smalling, R. Ferdinand, Evra - Carrick, Scholes (78./Valencia) - Nani (82./Young), Giggs, Park (58./Welbeck) - Rooney

Gelbe Karten: Kompany, Yaya Toure, De Jong bzw. Jones, Carrick

Tabelle

1. Manchester City 36 26 5 5 88:27 83
2. Manchester United 36 26 5 5 86:33 83
3. Arsenal 36 20 6 10 68:44 66
4. Tottenham Hotspur 36 19 8 9 63:40 65
5. Newcastle United 36 19 8 9 55:46 65
6. Chelsea 36 17 10 9 62:41 61
7. Everton 36 14 10 12 47:39 52
8. Liverpool 36 13 10 13 43:38 49
9. Fulham 36 13 10 13 46:48 49
10. West Bromwich Albion 36 13 7 16 41:47 46
11. Sunderland 36 11 12 13 44:43 45
12. Swansea City 36 11 11 14 43:49 44
13. Stoke City 36 11 11 14 34:50 44
14. Norwich City 36 11 10 15 47:63 43
15. Aston Villa 36 7 16 13 36:50 37
16. Wigan Athletic 36 9 10 17 38:60 37
17. Queens Park Rangers 36 9 7 20 40:63 34
18. Bolton Wanderers 36 10 4 22 42:73 34
19. Blackburn Rovers 36 8 7 21 47:75 31
20. Wolverhampton Wanderers * 36 5 9 22 38:79 24

Stand vom 2. Mai

* Absteiger

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