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„Wir werden es versuchen“

Mit den Plätzen zwei und drei zuletzt beim Grand Prix von Bahrain haben Kimi Räikkönen und Romain Grosjean klar unter Beweis gestellt, dass mit Lotus in Zukunft wieder zu rechnen sein wird. Die erste Gelegenheit für ein weiteres Spitzenresultat bietet sich schon in wenigen Tagen beim Grand Prix von Spanien (Sonntag, 14.00 Uhr, live in ORF eins).

Bisher haben Motorsportfans mit dem Namen Lotus vor allem die Ära des legendären Konstrukteurs und Teamchefs Colin Chapman verbunden, dessen Rennstall in den 60er und 70er Jahren für Furore gesorgt hatte. Doch das neue, aus dem Renault-Rennstall hervorgegangene Lotus-F1-Team ist auf dem besten Weg, sich selbst einen Namen als erfolgreiches Team zu machen. Denn die Leistung vor allem von Formel-1-Rückkehrer Räikkönen in Sachir war beeindruckend. Eine Zeitlang hatte es sogar so ausgesehen, als ob der Finne in Bahrain Weltmeister Sebastian Vettel den ersten Saisonsieg noch verderben könnte.

Auf dem Resultat kann man aufbauen

„Wir hatten heute eine große Chance auf den Sieg. Es ist ein wenig enttäuschend, dass uns das nicht gelungen ist. Aber zumindest haben wir jetzt ein Resultat, das das Team für die fantastische Arbeit verdient“, hatte Räikkönen nach dem Rennen erklärt. „Hoffentlich bringen wir uns im weiteren Verlauf der Saison wieder in so eine Position“, so der Weltmeister von 2007 weiter. „Es wird nicht einfach, aber wir werden es versuchen. Es wäre jedenfalls nett.“

Kimi RäikkönenAPA/EPA/Diego AzubelRäikkönen war schon in Sachir knapp am Sieg dran

Laut Lotus-Teamchef Eric Boullier waren die ersten drei Saisonrennen „frustrierend“ verlaufen, weil man gewusst habe, wozu man fähig sei. Es hätten immer nur kleine Dinge gefehlt, so Boullier. Mit drei (Siebenter, Fünfter, Zweiter) bzw. zwei (Sechster, Dritter) Platzierungen in den Punkterängen haben Räikkönen und Grosjean ihr Team in der Konstrukteurswertung nach vier Rennen aber dennoch hinter Red Bull und McLaren sensationell auf Rang drei gebracht. Ferrari und Mercedes haben bisher im wahrsten Sinne des Wortes das Nachsehen.

Vielversprechende Testfahrten

Und in dieser Tonart könnte es weitergehen. Bei den Testfahrten vergangene Woche in Mugello hatte man Räikkönen zwar kurzfristig eine Verschnaufpause gegönnt, doch Grosjean gab in der Toskana ordentlich Gas. Der Franzose drehte an seinem zweiten Testtag die schnellste Runde aller Teilnehmer, am Tag davor hatte er seinen E20 ebenfalls an die Spitze der Ergebnisliste gesetzt. Schon beim Testauftakt in Jerez hatte Lotus die Bestzeit erzielt, musste danach in Barcelona die Tests wegen eines Schadens am Chassis aber abbrechen.

Doch diese Probleme sind mittlerweile längst behoben. „Sie haben das konstanteste Auto“, hatte Red-Bull-Pilot Mark Webber dazu in Mugello angemerkt. Für den Auftakt der Europa-Saison am Sonntag rechnet man bei Red Bull & Co. jedenfalls erneut mit einem starken Auftritt der Lotus-Piloten.

Chapman hat es vorgemacht

Um an die Erfolge von Chapman heranzukommen, dessen ursprünglicher Lotus-Rennstall von 1958 bis 1994 in der Königsklasse dabei war, ist es noch ein weiter Weg. Insgesamt gab es damals für Lotus 79 Grand-Prix-Siege, sechs Fahrer-WM-Titel - im Jahr 1970 durch Jochen Rindt - und sieben Titel in der Kostrukteurs-WM zu feiern.

Doch das neue Lotus-F1-Team scheint auf dem besten Weg zu sein, wenn schon nicht zum Seriensieger dann zumindest zu einem auf Dauer ernstzunehmenden Konkurrenten zu werden. Und vielleicht klappt es ja schon am kommenden Sonntag in Barcelona mit dem ersten Sieg.

Wie sich das anfühlt, weiß Räikkönen jedenfalls schon. 2005 und 2008 hat er dort zwei seiner bisher 18 Grand-Prix-Siege gefeiert. Was ihm mit McLaren und Ferrari gelungen ist, könnte durchaus auch mit seinem neuen Team möglich sein. Und bei Siegern aus vier verschiedenen Rennställen (McLaren, Ferrari, Mercedes und Red Bull) in den bisherigen vier Saisonrennen wäre der Erfolg für ein fünftes Team am Sonntag nicht wirklich eine große Überraschung.

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Publiziert am 11.05.2012