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Enttäuschung in Graz

Die kommende Europacup-Saison geht ohne Sturm über die Bühne. Nach vier Jahren im internationalen Geschäft müssen sich die Grazer 2012/13 mit Meisterschaft und ÖFB-Cup begnügen. Nach der 0:3-Heimpleite gegen die Admira ist Rang fünf für den entthronten Meister das Höchste der Gefühle. Im Duell mit dem kaltschnäuzigen Aufsteiger ließ man Effizienz vermissen und bekam die Rechnung präsentiert.

„Fakt ist, dass wir etliche Chancen vergeben haben. Daran hapert es im ganzen Frühjahr“, resümierte Goalie Christian Gratzei. Eigentorschütze Joachim Standfest ergänzte: „Wir machen einfach das Tor nicht, was uns im letzten Jahr noch ausgezeichnet hatte. Und wir kassieren in jedem Spiel praktisch aus dem Nichts ein Gegentor.“ Im Frühjahr gelangen in 15 Spielen nur zehn Tore bei elf Gegentreffern. Nun wollen die Grazer am Sonntag bei Wacker Innsbruck zumindest den ersten von zwei Schritten zu einem versöhnlichen Saisonabschluss machen.

Sturm-Trainer Thomas KristlGEPA/Hans OberlaenderThomas Kristl konnte als Nachfolger von Franco Foda kaum Impulse setzen

„Natürlich nervt das“

Mitverantwortlich für das Verpassen des Saisonziels war die ständige Unruhe im Verein. Im Herbst gab es Diskussionen über einen möglichen Wechsel von Franco Foda zum ÖFB als Teamchef. Im Dezember konnte man sich mit dem Deutschen über keine Vertragsverlängerung einigen, im Jänner trat Ex-Präsident Gerald Stockenhuber zurück und Mitte April wurde Foda vom neuen Vorstand vorzeitig beurlaubt.

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass uns diese ewige Unruhe und diese Trainerdiskussionen nicht stören. Natürlich nervt das“, sprach Sturm-Spieler Manuel Weber Klartext. Anstatt mit einem Sieg noch einmal ins Europacup-Rennen einzusteigen, steht nun zwei Runden vor Schluss fest, dass die internationalen Tore für die Steirer dieses Mal verschlossen bleiben - und das nach Auftritten im UEFA-Cup (2008/2. Qualirunde), der Europa League (2009 und 2011 Gruppenphase, 2010 Play-off) sowie Champions-League-Qualifikation (2011/Play-off).

Schopp und Hyballa aussichtsreiche Kandidaten

An die theoretische Chance, über Rang vier bei einem unwahrscheinlichen Meistertitel von Rapid und einem Cupsieg von Salzburg noch in den Europacup zu rutschen, glaubt niemand mehr. „Wir sind sehr enttäuscht, dass wir unser erklärtes Ziel Europa League nicht erreicht haben“, sagte Interimstrainer Thomas Kristl. Für den Bayer war es im fünften Spiel als hauptverantwortlicher Trainer auf der Sturm-Bank die erste Niederlage, allerdings hat er bei drei Remis auch nur einen Sieg bejubeln dürfen.

Das war deutlich zu wenig, um sich als Langzeitlösung zu empfehlen. Der neue Trainer soll, wenn alles nach Plan läuft, nächste Woche präsentiert werden. Medienberichten zufolge soll neben Markus Schopp auch der Red-Bull-Juniors-Trainer Peter Hyballa gute Karten haben. Die Sturm-Spieler haben also in den letzten zwei Runden nur noch die Chance, sich persönlich in den Vordergrund zu spielen sowie zum Teil für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen.

Noch einmal aufrichten

„Wir werden uns voll reinhauen. Ich möchte nicht Sechster oder Siebenter werden“, sagte Standfest. Das sah auch Gratzei so: „Wir werden gegen Innsbruck und die Austria auf Sieg spielen und hundert Prozent geben, um sich für die neue Saison zu empfehlen.“ Damit könnten sie auch Kristl einen schönen Abschied bescheren, der damit beschäftigt ist, die Mannschaft noch einmal aufzurichten.

„Es geht jetzt darum, dass wir die Saison vernünftig zu Ende spielen. Wir müssen die Wunden lecken und schauen, dass wir gegen Wacker eine ordentliche Leistung bringen“, meinte Sturms Trainer. Dass mit Andreas Hölzl, Manuel Weber und Patrick Wolf drei weitere Spieler ausfallen, sei kein Problem. „Dann haben andere die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Wir wollen mit aller Macht noch Platz vier erreichen, egal wer fehlt.“

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Publiziert am 12.05.2012