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Dominanz war gestern

Das fünfte WM-Rennen der Formel-1-Saison am Sonntag (14.00 Uhr, live ORF eins) in Barcelona könnte bereits den fünften neuen Sieger bringen. Dominanz war gestern. Der Europa-Auftakt in Spanien ist auf jeden Fall ein wichtiger Gradmesser für den Rest der Saison. Denn alle Teams bringen größere Updates.

„Barcelona ist immer ein Schlüsselrennen. Es ist das Rennen mit den meisten Neuteilen, bei denen man erkannt hat, dass man sie ändern muss“, erklärte der dreifache Weltmeister Niki Lauda gegenüber der APA die Bedeutung des fünften WM-Laufs für den Rest der Saison.

„Entweder das Auto funktioniert hier oder die Saison geht in die Hose. Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. Man wird jetzt sehen, wer seine Hausaufgaben am besten gemacht hat. Die Rangordnung wird dann zumindest drei oder vier Rennen so bleiben, auch wenn als Nächstes Monte Carlo kommt.“

Vettel widerspricht Lauda

Hier gehen die Meinungen jedoch auseinander. Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel misst dem Spanien-Grand-Prix nämlich keine Schlüsselrolle für den weiteren Saisonverlauf zu. „Wenn man hier konkurrenzfähig ist, bedeutet das nicht, dass man das auch woanders ist“, sagte der Red-Bull-Pilot am Donnerstag auf dem Circuit de Catalunya.

Die meisten Fahrer und Teams würden diese Rennstrecke wegen der vielen Tests dort seit Jahren bestens kennen und über viele Daten verfügen. Vettel gewann den spanischen Grand Prix im Vorjahr und zählt auch am Sonntag zu den Favoriten. Vor dem Europaauftakt führt der zweifache Champion die WM-Wertung mit 53 Punkten an.

Red Bull „nicht mehr so selbstbewusst“

Vier Punkte hat er auf seinen ersten Verfolger Hamilton gut. Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 34. „Wir sind zufrieden mit dem Stand der Dinge, aber wir wollen mehr“, versicherte Vettel. „Es ist eng und wir sind nicht mehr so selbstbewusst wie wir einmal waren.“ Die Konkurrenz ist groß - größer als in den vergangenen Jahren.

Kimi Raikkonen im LotusAP/Mark BakerVettel übernahm mit seinem Sieg in Bahrain die WM-Führung

Neben McLaren hat auch Mercedes mit dem Sieg von Nico Rosberg in China aufgezeigt. Teamkollege Michael Schumacher ist mit sechs Triumphen der erfolgreichste Pilot auf dem Circuit de Catalunya, kommt aber mit den neuen Pirelli-Reifen noch nicht wirklich zurecht. „Das Fenster, in dem die Reifen wirklich funktionieren, ist sehr klein“, so Lauda. „Es geht eng zu, und das wird auch bis zum Schluss so bleiben. Für mich gibt es keinen echten WM-Favoriten.“

Podest als Potpourri des Fahrerfelds

Schumacher wartet seit seinem Comeback 2010 vergeblich auf einen Podestplatz. Den haben in dieser Saison bisher acht verschiedene Fahrer aus sechs verschiedenen Teams geholt. Fünf unterschiedliche Sieger in den ersten fünf Rennen hatte es zuletzt 1983 gegeben. „Die Punkte haben sich auf alle Fahrer verteilt, also ist noch nichts passiert.“, so Lauda.

„Jeder Profi weiß, dass eine neue Saison ein Neustart ist. Man kann sich nie auf die Vergangenheit und das Gewesene verlassen“, sagte der 63-jährige. Entsprechend lang ist demnach auch die Liste potenzieller Sieger in Barcelona. Für den ersten Sieg kommt in Spanien nämlich neben den üblichen Verdächtigen auch Lotus mit Kimi Räikkönen und Romain Grosjean infrage. Letzterer hatte zuletzt bei den Tests in Mugello überzeugt.

Lotus hat „das konstanteste Auto“

„Sie haben das konstanteste Auto“, erklärte Webber, der in den beiden vergangenen Jahren jeweils Poleposition herausgefahren hatte. Den Sieg holte sich 2011 Saisondominator Vettel, nur die McLarens von Hamilton und Jenson Button sowie Webber wurden nicht überrundet. Ein derartiges Debakel will Lokalmatador Fernando Alonso in einem runderneuerten Ferrari verhindern. „Ein Jahr nach dem Tsunami“, titelte die spanische Sportzeitung „Marca“ am Donnerstag.

Kimi Raikkonen im LotusAP/Mark BakerLotus raste bei den Testfahrten in den großen Kreis der Favoriten

McLaren sagt Red Bull mit einer neuen, höher angesetzten Frontpartie den Kampf an. „Wir haben ein besseres Auto als im Vorjahr. Auch die Wintertests in Barcelona waren positiv“, erinnerte Hamilton. Die Bullen spielten die Bedeutung des Rennens für den Rest der Saison ein wenig herunter. „Generell ist es aber so, dass ein Auto, das aerodynamisch in Barcelona gut funktioniert, überall funktioniert“, gestand Vettel. „Es wird also ein interessantes Wochenende.“ Und das vermutlich bei Sonnenschein.

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Publiziert am 12.05.2012