Rund 15 Mio. Euro Ablöse
Vor zwei Jahren war Shinji Kagawa für die Clubs in Europa noch ein unbeschriebenes Blatt. Nach zwei Meisterschaften und einem Cupsieg in Deutschland mit Borussia Dortmund ist der 23-jährige Japaner eine der heißesten Aktien in Europa und könnte für Dortmund zum größten Geschäft seiner Geschichte werden. Denn der seinerzeitige „Billigkauf“ steht auf der Wunschliste einiger Topclubs ganz oben.
Die Zeit des flinken Asiaten im Ruhrpott ist nach zwei erfolgreichen Jahren jedenfalls abgelaufen. Wie Borussia-Sportdirektor Michael Zorc in der „Bild“ am Dienstag bestätigte, wird Kagawa seine Zelte in Dortmund so bald wie möglich abbrechen - und das obwohl sein Vertrag noch bis 2013 läuft. „Ich hatte Montagmorgen einen Termin mit seinem Berater - Shinji Kagawa hat uns mitteilen lassen, dass er seinen Vertrag bei uns definitiv nicht verlängern wird“, so Zorc gegenüber „Bild“.

dapd/Sascha Schuermann
Manager Zorc ist für die Verhandlungen über Kagawa bereit
Traum Premier League
Grund: Manchester United lockt den Japaner auf die Insel. Und für den Traum englische Premier League ist Kagawa bereit, den Dortmunder Fans, die ihn in zwei Saisonen in ihr Herz geschlossen haben, Selbiges zu brechen. „Wir können nicht Shinjis ganze Kindheit und seinen japanischen Kulturkreis ausblenden. Da, wo Shinji geprägt wurde, zählt unsere Bundesliga nichts. Da ist die englische Liga alles“, zeigte Trainer Jürgen Klopp in der „Süddeutschen Zeitung“ Verständnis für den Traum seines Schützlings.
Nach Angaben der Dortmunder „Ruhr Nachrichten“ flog Kagawa am Montagabend von Düsseldorf nach Manchester, um dort mit seinem Berater Thomas Kroth über den Wechsel zum englischen Meisterschaftszweiten zu verhandeln. Für United hätte eine Verpflichtung des Japaners neben der sportlichen auch eine marketingtechnische Komponente. Von den laut Clubangaben 330 Mio. Fans weltweit tummeln sich gleich 190 Mio. in Asien - vor allem seit des Engagements des Südkoreaners Park Ji-sung. Kagawa, er wäre der erste japanische Star in der Premier League, würde die Anzahl der asiatischen Fans weiter erhöhen.
Kein Wunder, dass mit Arsenal und Chelsea auch zwei weitere englische Spitzenclubs ihre Angel nach dem Japaner ausgeworfen haben sollen. Kagawas Manager Kroth hatte seinerzeit auch den Wechsel Kagawas von Cerezo Osaka nach Dortmund eingefädelt. Der Mittelfeldspieler, der in der Saison 2009 die „Kirschbäume“ mit 27 Treffern zurück in die erste japanische Liga geschossen hatte, machte von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch und unterschrieb für drei Jahre beim BVB.
Ein guter Griff
Nur, für internationale Verhältnisse bescheidene, 350.000 Euro musste Dortmund an den Club aus Osaka überweisen. Der Japaner erwies sich als guter Griff. In 49 Pflichtspielen erzielte Kagawa 21 Tore für die Borussia. In der abgelaufenen Meistersaison war der Mittelfeldspieler mit 13 Treffern nach Robert Lewandowski (22) zweitbester Torschütze des Clubs und spielte sich so ins Rampenlicht der internationalen Topclubs.
Sollte der Transfer nach England nun wie erwartet im Sommer über die Bühne gehen, darf sich der deutsche Meister über ein sattes Plus in der Bilanz freuen. Denn nach seinen starken Leistungen in der Bundesliga schoss der Marktwert des Japaners rasant in die Höhe. Rund 15 Mio. Euro soll der Marktwert Kagawas mittlerweile betragen. „Kommt es zu einem Wechsel, sehen die Eckdaten für den BVB wirtschaftlich sicher sehr gut aus“, so Sportdirektor Zorc.

GEPA/Witters
Kagawa (l.) könnte bald im Manchester-Dress gegen Arsenal auflaufen
Teuerster Verkauf?
Sportlich wäre der Abgang des Japaners nur schwer zu verkraften, auch wenn mit Marco Reuss ein starker Ersatz von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund wechseln wird. Die Ablösesumme für Reuss von 17,1 Mio. Euro hätte man mit einem Verkauf von Kagawa mehr oder weniger ausgeglichen. Zu weit in die Karten blicken will sich zumindest Zorc noch nicht lassen. „Sollten jetzt Angebote für Kagawa kommen, werden wir uns damit beschäftigen und verhandeln“, so der Dortmund-Manager.
Übrigens: Erzielt Kagawa auf dem Transfermarkt mehr als 17 Mio. Euro Ablösesumme hätte er in den Geschichtsbüchern des Vereins neben den drei Titeln noch einen weiteren Eintrag. Dann wäre der 23-Jährige der teuerste Verkauf der Clubhistorie. Die bisherige Rekordsumme erzielte laut Transfermarkt.de 2001 Evanilson. Der Brasilianer wechselte damals um 17 Mio. Euro Ablöse von Borussia Dortmund nach Italien zum FC Parma.
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