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Jung und Alt für ein großes Ziel

Die Altstars des FC Chelsea bestreiten am Samstag (20.45 Uhr, live in ORF eins) im Champions-League-Finale gegen Bayern München das Spiel ihres Lebens. In den Tagen vor dem Showdown werden Didier Drogba und Co. mit Fragen zum „Alte-Garde-Thema“ gelöchert. Ist das Endspiel in München ihre letzte Chance? „Finals sind dazu da, um gewonnen zu werden“, antwortet Drogba lapidar.

„Keiner weiß, ob er jemals wieder so ein Finale erreicht, auch die jungen Spieler nicht“, sagte Chelsea-Coach Roberto Di Matteo. Die Chancen auf ein Happy End am Samstag stünden 50:50, das Heimfinale für die Münchner sei nicht unbedingt ein Vorteil und sein Team für ein mögliches Elfmeterschießen bestens vorbereitet. Die ganze Woche üben die Chelsea-Profis schon Elfmeter.

Chelsea's Frank Lampard und Didier Drogba beim TrainingAPA/EPA/Kerim OktenFrank Lampard und Didier Drogba wollen es gegen die Bayern wissen

„Mit dem Rücken zur Wand“

„Man hat uns als zu alt, über unseren Zenit hinaus und ohne Zusammenhalt gegeißelt. Aber als Team vereinen wir uns, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen“, erklärte der im Finale gesperrte Abwehrchef John Terry. Auch ohne ihn kommt es in München vor allem auf die „Old Boys“ an. Der 34-jährige Drogba und der ein Jahr jüngere Antreiber Frank Lampard sind zusammen fast 70 Jahre alt. Und vor den Routiniers fürchtet sich Bayern-Trainer Jupp Heynckes am meisten.

Spieler, die „praktisch in ihrer Spätphase der Karriere noch mal die ganz große Chance haben, die Champions League zu gewinnen. Das schweißt zusammen“, analysierte der Münchner Coach. Sein Kollege Di Matteo hat den vermeintlich abgehalfterten Helden der Blues wieder Leben eingehaucht. Unter seinem Vorgänger Andre Villas-Boas zählte Chelsea-Dauerbrenner Lampard nicht immer zur ersten Wahl. Dabei kommt allein der Mittelfeldmotor auf bisher 521 Einsätze im Dress der Londoner.

Finalpleite 2008 als „unschätzbare Erfahrung“

Bei der Finalpleite vor vier Jahren gegen Manchester United hatte er den einzigen Treffer aus dem Spiel heraus erzielt. Chelsea verlor am Ende im Elfmeterschießen, weil Terry den entscheidenden Strafstoß versemmelte. Drogba war zuvor mit der Roten Karte vom Platz geflogen - für alle drei geht es um Wiedergutmachung. Terry, Clubikone mit 526 Spielen für die „Blues“, will zumindest als Einpeitscher und Motivator seinen Teil zum ersten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte beitragen.

Neun aktuelle Spieler des FC Chelsea hatten 2008 die bitteren Momente in der Nacht von Moskau hautnah miterlebt. Neben Drogba, Terry und Lampard waren auch Torhüter Petr Cech, Ashley Cole, Michael Essien, Florent Malouda, Salomon Kalou und John Obi Mikel dabei. Bis auf Mikel kamen damals auch alle zum Einsatz. „Diese Erfahrung ist unschätzbar. Ohne die kannst du nicht gewinnen“, so Lampard.

„Spieler, die gewinnen wollen“

Den Beweis dafür hat der FC Chelsea längst geliefert. Unter Di Matteo gewann das Team den FA-Cup und schaltete im Halbfinale von Europas Glamourliga sensationell den FC Barcelona aus. „Wir sprechen ja nicht von alten Jungs, die ihre Karriere auslaufen lassen wollen. Wir sprechen von Spielern, die gewinnen wollen“, meinte Lampard. Erst recht am Samstag, in ihrem 13. Spiel in der Champions-League-Saison 2011/2012.

Chelsea Manager Roberto Di MatteoReuters/Dylan MartinezRoberto Di Matteo steht die Vorfreude auf das Finale ins Gesicht geschrieben

Die Wende zum Guten ist auch Heynckes nicht entgangen. Nach dem Trainerwechsel seien plötzlich Mechanismen in Gang gesetzt worden, dass die Mannschaft sich wieder gefunden und man wieder ein Team auf dem Spielfeld gesehen habe, bemerkte der Bayern-Coach. „Wo der eine für den anderen da ist, wo die Veteranen auch wieder gemerkt haben, es geht eigentlich nur gemeinsam, und das macht Chelsea aus meiner Sicht so gefährlich.“

Jung und Alt würden für dasselbe Ziel kämpfen, bekräftigte Di Matteo unterdessen. „Sie hatten eine schwierige Saison und scheinen bei Bedarf immer in der Lage zu sein, eine ganz besondere Leistung zu zeigen“, lobte Di Matteo seine gesamte Mannschaft: „Das scheint ein Teil der DNA meiner Spieler zu sein.“ Zusammen mit der Erfahrung der nun wieder tonangebenden Rentnerband könnte es zum Sieger-Gen werden.

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Publiziert am 18.05.2012